Viele Menschen suchten nach einfachen Antworten auf komplexe Gesundheitsfragen, meint Riedl. Die sind – wenn auch oft falsch oder verkürzt präsentiert – vor allem in sozialen Medien zu finden. Zudem wachse das Misstrauen gegenüber industrieller Lebensmittelproduktion und offiziellen Institutionen.
Studien deuten darauf hin, dass sich auf Plattformen Inhalte stärker verbreiten, die Emotionen oder klare Positionierungen auslösen und dadurch besonders viel Interaktion erzeugen. Damit prallen zwei unterschiedliche Logiken aufeinander: Wissenschaft arbeitet mit Abwägungen und Wahrscheinlichkeiten, soziale Netzwerke belohnen einfache Botschaften und Gegensätze. Typisch für soziale Medien ist zudem, dass Lebensmittel und Ernährungsweisen ständig neu bewertet werden: Was heute angesagt ist, kann morgen schon als schädlich angeprangert werden.
Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen ist Ernährung generell selten eindeutig gut oder schlecht. Fachgesellschaften betrachteten nicht einzelne Lebensmittel isoliert, sondern Ernährungsmuster insgesamt. »Entscheidend ist nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern Menge und Gesamternährung«, sagt Riedl. »Die Dosis macht das Gift.«