| Melanie Höhn |
| 09.06.2026 15:00 Uhr |
Die AOK unterstützt Maßnahmen zur Begrenzung des Ausgabenwachstums der Heilmittelversorgung, erklärte Reimann auf der heutigen Pressekonferenz. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die Qualität der Heilmittelversorgung weitgehend eine »Black Box« sei, da belastbare Daten über Behandlungsergebnisse fehlten. Die Blankoverordnung sei grundsätzlich sinnvoll, weil sie Therapeutinnen und Therapeuten mehr Verantwortung übertrage; die bisherigen Daten deuteten jedoch auf steigende Kosten und Behandlungsumfänge hin, ohne dass ein nachweisbarer Qualitätsgewinn erkennbar sei.
Reimann forderte deshalb mehr Qualitätssicherung, Transparenz und eine stärkere Qualifizierung der Therapeutinnen und Therapeuten sowie eine engere interprofessionelle Zusammenarbeit. »Wir brauchen ein System der Qualitätssicherung, wie wir es auch in anderen Versorgungsbereichen längst kennen«, so Reimann.
Zudem müssten die Heilmittelerbringer bei der Konzeption des Primärversorgungssystems, an dem die Bundesregierung gerade arbeitet, unbedingt mitgedacht werden, forderte Reimann. Als wesentlicher Bestandteil einer koordinierten ambulanten Versorgung könne eine enge Kooperation im Rahmen der Primärversorgung die Versorgungsqualität verbessern und zugleich dazu beitragen, knappe personelle Ressourcen effizienter einzusetzen.
Helmut Schröder, WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Heilmittelreports, betrachtete die Blankoverordnung besonders kritisch: Erste Analysen würden deutlich höhere Kosten pro Verordnung und mehr Behandlungen als in der Regelversorgung zeigen. Ob dies zu besseren Behandlungsergebnissen führe, sei bislang unklar. Schröder plädierte deshalb für wissenschaftliche Evaluationen und eine systematische Qualitätsmessung auf Basis von Routinedaten der Krankenkassen.
Zudem sprach er sich für eine stärkere Akademisierung der Gesundheitsberufe aus, um evidenzbasierte Therapieentscheidungen und eine bessere Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten zu fördern. Ein wichtiger Faktor zur Verbesserung der Versorgungsqualität sei die Qualität der Ausbildung. »In 82 Prozent der europäischen Länder ist als Mindestqualifikation für Therapeutinnen und Therapeuten ein Bachelor-Abschluss erforderlich, in 13 Prozent ein Masterabschluss«, sagte Schröder. Deutschland sei aktuell das einzige Land in Europa, in dem eine Berufsausbildung für Physiotherapeuten noch ausreiche.