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Tinnitus
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Quälgeist im Ohr

Ohrgeräusche sind für Betroffene eine große Belastung und können mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen einhergehen. Es existiert keine symptombezogene Arzneimitteltherapie.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 02.12.2021  11:00 Uhr

Hörstörung durch Lärm

In den meisten Fällen geht einem Tinnitus eine akustische Einschränkung im Hörsystem voraus. Initiieren gesunde Probanden eine solche, indem sie Ohrstöpsel tragen, können sie vorübergehend Phantomtöne hören. Entfernen sie die Ohrstöpsel wieder, verschwindet auch wieder der künstlich erzeugte Tinnitus (4).

Bei älteren Menschen ist meistens eine Altersschwerhörigkeit der Grund dafür, dass ein Tinnitus entsteht. Weitere Tinnitusauslöser im Ohrbereich sind veränderte Druckverhältnisse im Ohr, zum Beispiel beim Fliegen oder Tauchen.

Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die mit Schwindelattacken, Schwerhörigkeit, Ohrensausen und auch Ohrgeräuschen einhergeht (Kasten). Eine sehr seltene Ursache für einen Tinnitus ist das Akustikusneurinom, ein gutartiger Tumor am Hörnerv, der außer Phantomtönen am betroffenen Ohr auch einen wiederholten Hörverlust auslösen kann.

Eine Hörminderung mit Tinnitus kann sich auch aus einem Lärmschaden entwickeln. Diesen riskieren häufig jüngere Menschen, die sich ständig schallender Musik über Kopfhörer aussetzen oder wiederholt Diskotheken oder laute Konzerte besuchen. In den Sinneszellen des Hörorgans führt die Lärmbelastung zu Stoffwechselstörungen, die deren Funktion beeinträchtigen. In der Folge lösen sie auch ohne Geräuschquelle Signale aus.

Nach der Beschallung nehmen einige Menschen noch ein Ohrenklingeln wahr. Innerhalb von 24 Stunden bildet sich das in der Regel zurück, bei ständiger Lärmbelastung können sich allerdings bleibende Schäden wie eine Hörminderung oder ein Tinnitus einstellen.

Auch Ohrenschmalzblockaden können nicht nur das Hörvermögen vermindern, sondern zudem von einem Tinnitus begleitet sein. Entfernt ein Arzt den Pfropf fachgerecht, verschwindet meist auch wieder das Pfeifen und Rauschen im Ohr. Weitere mögliche Auslöser für einen Tinnitus sind Schäden am Mittelohr sowie Funktionsstörungen der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks.

Nicht zuletzt kann ein Tinnitus auch infolge eines Hörsturzes auftreten, bei dem Betroffene schlagartig, meist einseitig nichts mehr hören. Als Ursache werden Durchblutungsstörungen vermutet. Oft gehen einem Hörsturz Vorboten wie Hörschwankungen und Halleffekte voraus. Schwindel, Ohrgeräusche sowie Druck- und Völlegefühl im betroffenen Ohr können begleitend auftreten.

Bei der idiopathischen Form ist die Ätiologie unklar. Der sekundäre Hörsturz lässt sich hingegen auf einen konkreten Auslöser wie ein Knalltrauma, Stoffwechselstörungen, psychogene Ursachen, Gefäßprozesse, Intoxikationen oder auch Autoimmunprozesse zurückführen. Bei den meisten Patienten bildet sich der akute Hörsturz von allein zurück (5, 6).

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