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Parkinson-Therapie

Pumpe statt Tablette

Seit Mitte Februar ist eine neue Gelformulierung der Dreifach-Kombination Levodopa, Carbidopa und Entacapon (Lecigon®, Stada) zur Behandlung von Morbus Parkinson auf dem Mark. Sie wird über eine Sonde in den Dünndarm appliziert. Bislang war die Kombination nur oral verfügbar.
Kerstin A. Gräfe
23.04.2021  14:30 Uhr

Aktuell leiden etwa 50.000 Menschen in Deutschland unter Parkinson in einem fortgeschrittenen Stadium. Bei ihnen lässt die Levodopa-Wirkung häufig so weit nach, dass immer häufiger motorische Fluktuationen auftreten. Diese nicht kontrollierbaren Bewegungsstörungen führen im Alltag oft zu erheblichen Komplikationen. Daher ist der Bedarf an effektiven Behandlungsmöglichkeiten groß.

Eine neuartige Therapieoption kann hier Lecigon (20 mg/ml Levodopa, 5 mg/ml Carbidopa-Monohydrat und 20 mg/ml Entacapon Gel zur intestinalen Anwendung) sein. Zugelassen ist das neue Präparat zur Behandlung der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit mit schweren motorischen Fluktuationen und Hyperkinesie oder Dyskinesie, wenn verfügbare orale Kombinationen von Parkinson-Arzneimitteln nicht zu zufriedenstellenden Behandlungsergebnissen geführt haben.

Die neuartige Gelformulierung wirke sich positiv auf die Bioverfügbarkeit von Levodopa im Körper aus, teilt Stada in einer Pressemitteilung mit. So erhöhe Entacapon die Bioverfügbarkeit von Levodopa um gut ein Drittel. Durch die geringere Dosierung von Levodopa sowie die wasserlösliche Gelformulierung sei die zur Verabreichung des Arzneimittels (über eine Sonde in den Dünndarm) benötigte Pumpe kleiner, leichter und leiser sowie diskreter zu tragen als bisher übliche Infusionspumpen. Das führe zu mehr Komfort und Flexibilität im Alltag. Zudem könne die Pumpe zwischendurch abgenommen werden und die Patienten könnten sogar baden oder duschen – sofern ihr Gesamtzustand dies zulässt.

Um sich an die Patientenbedürfnisse individuell anzupassen, können bei der Parkinson-Pumpe mehrere Fließgeschwindigkeiten des Gels programmiert werden. Die Kassette enthält 50 ml, wird per Bluetooth gesteuert und kann zu Hause gewechselt werden. Daher wird sie über Apotheken vertrieben.

Stada hat mit Apo-Go® (Apomorphin) bereits Erfahrungen im Bereich Infusionsbehandlungen bei Parkinson-Patienten. Da Lecigon im Gegensatz zu Apo-Go vor allem für den ambulanten Einsatz gedacht ist, bietet Stada einen Patienten-Service sowie bei technischen Fragen zur Pumpentherapie einen 24-Stunden-Support an.

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