| Jennifer Evans |
| 03.06.2026 09:00 Uhr |
Wohlstand und Krankheit beeinflussen zwar das mentale Wohlgefühl – sind aber nicht ausschlaggebend, wie eine Studie gezeigt hat. / © Shutterstock/PeopleImages
Im Bereich der seelischen Gesundheit ist »psychisches Wohlbefinden« einer der wohl am häufigsten verwendeten, aber am wenigsten einvernehmlich definierten Begriffe. Das hebt ein Forschungsteam unter Leitung der australischen Universität Adelaide und dem wissenschaftlichen Gesundheitsdienstleister »BeWellCo« hervor. Ihren erstmals international erzielten Konsens zum Thema Well-being beschreiben die Forschenden im Fachjournal »Nature Mental Health«.
Dazu befragten sie 122 Fachleute aus elf Disziplinen – Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Pflegewissenschaft, Philosophie, Psychiatrie, Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Positive Psychologie, Public Health, Soziologie und Theologie.
Einigkeit erzielten sie in insgesamt 19 Dimensionen. Für den Kern dessen aber, was einen Menschen innerlich stabil hält und ihm Orientierung gibt, ragten jedoch sechs dominante Faktoren heraus, und zwar: Sinn und Zweck, Lebenszufriedenheit, Selbstakzeptanz, Verbundenheit, Autonomie und Glück.
Die Forschenden betonen in einer Mitteilung der Universität, dass psychisches Wohlbefinden mehr umfasst als gute Laune und Gesundheit. Es entstehe aus einem Zusammenspiel von Gefühlen, innerer Funktionsfähigkeit und sozialen Beziehungen. Dr. Matthew Iasiello, Mitautor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der School of Pharmacy and Biomedical Sciences, beschreibt Well-being als einen Zustand, der den Menschen trägt – auch wenn das Leben holprig wird.
Faktoren wie körperliche Gesundheit, Einkommen oder Wohnsituation beeinflussen der Analyse zufolge das mentale Wohlbefinden zwar, definieren es aber nicht. Entscheidend bleibt, wie ein Mensch sein Leben einordnet und gestaltet und wie er mit anderen verbunden bleibt. Manche können sich daher psychisch gesund fühlen, obwohl sie mit einer schweren Diagnose leben.
Auf Basis dieses gemeinsamen Konsens, so hoffen die Forschenden, können Wissenschaft, Politik und Praxis gezielte Programme, Messinstrumente und Unterstützungsangebote schaffen, die Menschen stärken – ob im Büro, in Schulen oder in Gemeinden. Auch sollen die Leitlinien es den Menschen selbst erleichtern zu erkennen, in welchen Bereichen ihr Wohlbefinden stabil ist und wo sie womöglich Unterstützung benötigen.
»Man kann nicht aufbauen, was man nicht definieren kann«, stellt Seniorautor und außerordentlicher Professor Dr. Dan Fassnacht von der Universität Sunshine Coast klar und freut sich: »Zum ersten Mal haben wir einen wissenschaftlich abgestimmten Entwurf dafür, wie gute psychische Gesundheit tatsächlich aussieht – und das verändert alles.«