Jungen Menschen geht es wieder schlechter. Zum einen tragen die Schulen dazu bei, gleichzeitig könnten sie aber auch Abhilfe schaffen. / © Getty Images/Juan Algar Carrascosa
Schülerinnen und Schüler zeigen einer neuen Studie zufolge vermehrt Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nehme damit erstmals seit dem Ende der Corona-Pandemie wieder zu, teilte die Robert Bosch Stiftung unter Berufung auf das in Stuttgart veröffentlichte Deutsche Schulbarometer mit.
Demnach fühlten sich 2025 ein Viertel der befragten Schülerinnen und Schüler psychisch belastet. 2024 hatte der Wert noch bei 21 Prozent gelegen. Besonders stark betroffen sind der Studie zufolge Kinder und Jugendliche aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen. Als mögliche Gründe für den Anstieg der psychischen Belastung nennen die Studienautoren Leistungsdruck in der Schule, Sorgen um die eigene Zukunft, Ängste wegen Kriegen und Krisen sowie ein leichterer Zugang zu möglicherweise belastenden Informationen in sozialen Netzwerken.
Die Studienautoren sehen allerdings auch Möglichkeiten für Schulen, die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder zu verbessern. Guter Unterricht sei ein Schlüssel, sagte Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. »Unsere Studie zeigt, was hilft: Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser.«
Ein großer Wunsch von Schülerinnen und Schülern ist der Umfrage zufolge auch mehr Mitbestimmung an den Schulen. Knapp drei Viertel der Befragten (74 Prozent) wünschen sich mehr Mitbestimmung bei der Auswahl von Themen und Inhalten im Unterricht und bei der Entscheidung, ob eine Aufgabe alleine oder mit anderen bearbeitet wird. Mehr Einflussmöglichkeiten wünschen sich die Schüler auch bei der Festlegung von Bewertungsmaßstäben bei Prüfungen.
Die Studienautoren sehen auch mehr Mitbestimmung als eine Möglichkeit, die Lebensqualität der Kinder und damit auch ihre psychische Gesundheit zu stärken. »Kinder und Jugendliche, die eine geringere Lebensqualität haben, können weniger mitbestimmen, möchten aber häufig mehr mitbestimmen als die Kinder und Jugendliche, die ein höheres Wohlbefinden haben«, sagte Studienleiter Julian Schmitz von der Universität Leipzig. Die Kinder hätten also noch nicht resigniert, so der Kinder- und Jugendpsychologe.
Mit dem Deutschen Schulbarometer lässt die Robert Bosch Stiftung seit 2019 regelmäßig repräsentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durchführen. Für die aktuelle Ausgabe befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 9. Mai und dem 3. Juni 2025 insgesamt 1507 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen im Alter von 8 bis 17 Jahren. Zudem stand je ein Erziehungsberechtigter Frage und Antwort. Die Ergebnisse der Umfrage haben demnach eine Fehlertoleranz von 3 Prozentpunkten.
Es gibt aber eine Reihe von Anzeichen, auf die Eltern bei ihren Kindern achten können. Dazu können zum Beispiel unspezifische Bauchschmerzen zählen, ein plötzlicher Leistungsabfall, sozialer Rückzug oder Wut und Aggressionen. Auch Schlaf- oder Essstörungen zählen zu den häufigsten Stresssymptomen. Wer solche Anzeichen wahrnimmt, sollte sich auf Ursachensuche machen. Was löst den Schulstress aus? Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind und seine Symptome ernst nehmen.
Am besten nehmen sich Eltern Zeit, Sohn oder Tochter in entspannter Atmosphäre von den Problemen erzählen zu lassen und aufmerksam zuzuhören. Statt pauschaler Aufmunterungsversuche wie »Das schaffst du schon« sollten Eltern signalisieren, dass sie ihr Kind unterstützen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
In einem ersten Schritt gegen Schulstress können Eltern laut Familienportal NRW auf einen verlässlichen Tagesablauf sowie einen geregelten Schlafrhythmus für ihre Kinder achten. Zeit für Bewegung im Freien sorgt für körperlichen Ausgleich. Auch die eigene Haltung als Vater oder Mutter kann eine Rolle beim Thema Leistungsdruck spielen. Die sollten Eltern reflektieren.
Hilfreich sind Fragen wie: Überfordere ich mein Kind? Ist das Lerntempo individuell angemessen? Kritisiere ich mein Kind – womöglich auch unbeabsichtigt oder unterbewusst – für Fehler? Bekommt es unabhängig von schulischen Leistungen Lob? Spielen Noten eine Rolle dabei, wie ich meinem Kind begegne? Schlechte Noten sollten kein Anlass für Strafen oder Liebesentzug sein. Vergleiche ich mein Kind mit anderen? Oder vermittle ich selbst Gelassenheit?
Nicht zuletzt können Eltern Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ihr Kind unter Schulstress und Leistungsdruck leidet. Erste Anlaufstellen können Lehrkräfte sein. Der Klassenlehrer oder eine Vertrauenslehrerin können dabei helfen, das Ausmaß der Belastung richtig einzuschätzen.
Daneben begleitet und berät der schulpsychologische Dienst Schülerinnen und Schüler bei Lernauffälligkeiten und psychischen Krisen. Angebote der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie gibt es aber nicht an allen Schulen, was etwa von Schulleitungen regelmäßig kritisiert wird.
Zeigen sich gesundheitliche Probleme über längere Zeit, sollte ein Kinder- und Jugendarzt ernsthafte Erkrankungen ausschießen. In psychischen Krisen helfen zudem spezialisierte Familienberatungsstellen oder die Elternberatung der Telefonseelsorge.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.