| Daniela Hüttemann |
| 07.05.2026 18:00 Uhr |
Mit der Apothekenreform soll eine neue pDL zur Beratung zur Injektionstechnik eingeführt werden, ähnlich wie die Inhalator-Schulung. / © Getty Images/Maca and Naca
Die Apothekerkammer Hamburg hat eine Arbeitsgruppe »Hochpreiser« gegründet. Teure Arzneimittel sollten optimal eingesetzt werden. Hier könnten die Apotheken zum Problemlöser auch für die Politik werden. Das hatte Kammerpräsident Holger Gnekow immer wieder betont. »Die Hochpreiser prägen in vielen Apotheken sehr intensiv die Umsatzstruktur bei den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln«, erklärte er gegenüber der »Pharmazeutischen Zeitung«. Rund die Hälfte der Arzneimittelausgaben werde für nur 1 bis 2 Prozent der abgegebenen Packungen aufgewendet; Tendenz steigend.
»Die Verschiebung des Arzneimittelmarktes hin zu immer mehr sehr teuren Packungen wird unser Gesundheitssystem auf Sicht nicht mehr verkraften«, fürchtet Gnekow. »Umso entscheidender ist es, dass die Apothekerinnen und Apotheker die Patienten in der optimalen Anwendung schulen und zu einer verlässlichen Adhärenz motivieren.«
Dafür bedürfe es intensiver, praxisbezogener Schulungen. Das geht die Kammer nun konkret an, nicht nur, um die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) zu verbessern, sondern auch um der Politik zu zeigen, dass es besser ist, mithilfe der Apotheken zu sparen und nicht an ihnen. »Wir müssen mehr Verantwortung übernehmen und das Kostenbewusstsein bei allen Beteiligten stärken«, sagte Gnekow gegenüber der PZ.
In einem ersten Schritt ruft die Kammer alle Apotheken auf, Fälle zu dokumentieren und einzureichen, bei denen es Bedenken oder Probleme der Patienten bei der Anwendung von Hochpreisern wie Biologika oder oralen Krebsmedikamenten gab – und wie die Beratung in der Apotheke dazu beigetragen hat, dass ein hochpreisiges Arzneimittel korrekt angewendet wird.
Dabei nimmt die AG unter Vorsitz von Vizepräsidentin Dr. Dorothee Dartsch auch gern Meldungen aus dem gesamten Bundesgebiet entgegen, hatte Kammerpräsident Gnekow am Rande einer Diskussionsrunde zu Biosimilars beim DAV-Wirtschaftsforum am Mittwoch in Berlin zu verstehen gegeben. Die Fälle können an die Geschäftsstelle der Apothekerkammer Hamburg geschickt werden.
»Wir möchten eine Fallsammlung aus der Praxis zusammentragen, um anschließend das Wissen zu strukturieren und an möglichst viele Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben«, teilte Gnekow auf Nachfrage der PZ mit.
Die Kammer will darauf aufbauend eine Fortbildungsreihe zur Beratung zu Hochpreisern entwickeln, die bestehende Fortbildungsangebote wie zu den pDL »erweiterte Medikationsberatung« und »orale Krebstherapie«, zu Biosimilar oder auch zu den im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzt (ApoVWG) vorgesehenen neuen pharmazeutischen Dienstleistungen wie Schulung zur Injektionstechnik und »Erstverordnung« ergänzen soll. Und auch für die politische Kommunikation und Verhandlungen mit den Krankenkassen könnten konkrete Praxisbeispiele genutzt werden.
»Ein Beispiel wäre die unterschiedliche Ausprägung von Pens, die je nach Generikahersteller unterschiedlich anzuwenden sind«, so Gnekow. »Ziel muss es dabei sein, dass der Patient bei Anschlussverordnungen immer mit dem Pen eines ihm bekannten Herstellers versorgt wird. Daneben wollen wir noch wirtschaftliche und pharmazeutische Aspekte erfassen und schulen.«
Für die zeitlich befristete Arbeitsgruppe sucht die Kammer auch noch engagierte Mitglieder, die sich damit befassen, welche Probleme genau auftreten, wie man sie bündeln und den Kolleginnen und Kollegen zugänglich machen kann.