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Richtlinie verabschiedet

Praktische PTA-Ausbildung erhält einheitliche Struktur

Am gestrigen Dienstag hat die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer eine Richtlinie zur Durchführung der praktischen PTA-Ausbildung verabschiedet. Neu sind Musterausbildungsplan und das Thema Praxisanleitung. 
Juliane Brüggen
11.05.2022  07:00 Uhr

Mit der Richtlinie erhält die praktische Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) eine bundeseinheitliche Struktur – sowohl zeitlich als auch inhaltlich. Die Auszubildenden sollen eine gezielte Praxisanleitung erhalten, wie sie zum Beispiel aus der Pflegeausbildung bekannt ist. Erstellt wurde die Richtlinie – dem PTA-Reformgesetz entsprechend – unter Federführung der Bundesapothekerkammer (BAK). Die Inhalte hat eine Arbeitsgruppe erarbeitet, an der die Apothekengewerkschaft Adexa, der Bundesverband PTA (BVpta), die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG), der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), die Apothekerkammern, die PTA-Schulen und die Bundesapothekerkammer (BAK) beteiligt waren. Die Vorgaben richten sich an öffentliche Apotheken und Krankenhausapotheken. Halten Apotheken sich daran, ist die »ordnungsgemäße« Praxisausbildung sichergestellt. Abweichungen von der Richtlinie müssen gegebenenfalls begründet werden. Offiziell gilt die Richtlinie für alle angehenden PTA, die ab dem 1. Januar 2023 mit der Ausbildung beginnen, sie wird aber bereits für die Ausbildungen nach altem Recht empfohlen.

Inhaltlich orientiert die Richtlinie sich an den in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (ab 2023) definierten Lerngebieten einschließlich der neuen Themen »Qualitätsmanagement« und »Nutzung digitaler Technologien und Anwendungen der Apotheke«. Die zugeordneten Ausbildungsinhalte finden sich in Anlage 1 der Richtlinie. Ein Musterausbildungsplan (Anlage 2) stellt den empfohlenen zeitlichen Ablauf der sechsmonatigen Praxisphase dar. Hier werden den Kernbereichen »Warenwirtschaft/Apothekenbetrieb«, »Prüfung und Herstellung« und »Information und Beratung« definierte Lernziele zugeordnet, die monatlich aufeinander aufbauen. Der Plan lässt somit erkennen, was die Auszubildenden zu bestimmten Zeitpunkten verstehen und können sollten. Integriert sind begleitende Arbeitsbögen und das Tagebuch, das angehende PTA während der praktischen Ausbildung erstellen. Mindestens einmal im Monat ist ein Fachgespräch zwischen Praxisanleiter und Auszubildendem vorgesehen. Ein Kernelement der Richtlinie sind die 19 Arbeitsbögen, die jeweils aus zwei Teilen bestehen: Teil 1 unterstützt den Praxisanleiter mit Anregungen, Teil 2 hilft dem Auszubildenden, die Inhalte zu vertiefen und das Erlernte anzuwenden. Wenn möglich orientieren sie sich an den Leitlinien, Arbeitshilfen und Leitfäden der BAK.

Der Ausbildungsplan und die Auswahl der Arbeitsbögen können individuell an die Gegebenheiten der jeweiligen Apotheke und die Voraussetzungen der Auszubildenden angepasst werden. Die PTA-Schule hat gemäß der Richtlinie eine Einflussmöglichkeit: Den Plan muss die Apotheke »im Benehmen« mit der Schule festlegen. Wenn ein Teil der praktischen Ausbildung in einer Krankenhausapotheke stattfindet, wird empfohlen, dass sich die Träger auch untereinander abstimmen. Zum Ausbildungsverhältnis selbst legt die Richtlinie ebenfalls einen Rahmen fest, zum Beispiel zu Vertrag, Vergütung und Überstunden-Regelungen. Die BAK ruft Praxisanleiter und Auszubildende auf, die Richtlinie nach Beendigung der Ausbildung anhand der inkludierten Evaluationsbögen zu bewerten.

Wie Praxisanleitung funktioniert

Die Praxisanleitung ist eine Form der Wissens- und Kenntnisvermittlung, bei der ein Praxisanleiter die Auszubildenden gezielt dabei begleitet, die Theorie in die Praxis umzusetzen und die beruflichen Aufgaben schrittweise selbständig wahrzunehmen. Grundlage ist der Ausbildungsplan mit seinen Lernzielen. »Im Zentrum steht dabei nicht die Vermittlung isolierter Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, sondern die Anleitung zu fachlich fundiertem und verantwortlichem Handeln unter Einbezug der beruflichen und persönlichen Entwicklung des Einzelnen (Fachkompetenz und personale Kompetenz). Gleichzeitig werden persönliche Einstellungen und Haltungen entwickelt«, heißt es in der Richtlinie.

Mindestens 10 Prozent der Dauer der praktischen Ausbildung sollen dafür aufgewendet werden, was der Richtlinie zufolge bei einer Vollzeitstelle vier Stunden pro Woche entspricht. Apotheker sind grundsätzlich zur Praxisanleitung berechtigt. Andere Angehörige des pharmazeutischen Personals wie PTA können die Aufgabe übernehmen, wenn sie eine pädagogische Zusatzqualifikation haben und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Die Richtlinie empfiehlt, das ganze Team für die Praxisanleitung zu sensibilisieren, nicht zuletzt um Verständnis für den zeitlichen Aufwand zu schaffen. Pro Woche sollte ein Anleitungsprozess geplant und durchgeführt werden. 

Als Basis können Praxisanleiter die Arbeitsbögen nutzen, die dabei helfen, konkrete Lernsituationen und Aufgaben zu planen. Der für die Anleitung vorgesehene Teil orientiert sich an der 4-Stufen-Methode: »Erklären, Vormachen, Nachmachen und Üben«. Die Methode hat den Vorteil, dass sie leicht an das Lernniveau und die Selbstlernkompetenz des Auszubildenden angepasst werden kann. Nach erfolgter Praxisanleitung bearbeiten die Auszubildenden ihren Teil des Arbeitsbogens und vertiefen die Kenntnisse. Der Praxisanleiter begleitet sie dabei und soll den ausgefüllten Bogen zeitnah kontrollieren und mit dem Auszubildenden besprechen.

Aufwändiger ist das ebenfalls in der Richtlinie vorgestellte »Modell der vollständigen Handlung«. Das Konzept beinhaltet keine Stufen, sondern funktioniert als Kreislauf aus »Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren und Bewerten «. Dabei stellt es hohe Anforderungen an die Selbstlernkompetenz der Auszubildenden und bedeutet mehr Vorbereitungsaufwand für die Praxisanleiter.

Nicht zuletzt sind regelmäßige Feedback- und Reflexionsgespräche Teil der Praxisanleitung, um Leistungsniveau und Lernerfolg zu beurteilen, die nächsten Schritte zu planen und Probleme anzusprechen. Die Richtlinie empfiehlt dazu die 3-W-Regel zum Feedbackgeben:

  • Wahrnehmung, zum Beispiel: »Ich habe den Eindruck, dass…«; »Ich habe beobachtet, dass …«
  • Wirkung, zum Beispiel: »Das hat zur Folge, dass …«, »Sie erreichen damit nicht, dass …«
  • Wunsch, zum Beispiel: »Besser fände ich es, wenn Sie künftig zum Beispiel…«, »Für geeigneter halte ich …«.

Die Gespräche sollen dazu beitragen, »lernfördernde und lernhemmende Faktoren zu identifizieren, diese während des Anleitungsprozesses zu berücksichtigen und darüber hinaus situationsbezogen zu motivieren.«

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