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Apothekenaktion gegen Polio

Plastikdeckel sollen Impfungen finanzieren

Die Sammelaktion gegen Polio in der Darmstädter Einhorn-Apotheke bekommt derzeit einige Aufmerksamkeit. »Wir beteiligen uns, um das bundesweite Rotary-Projekt ›Mit Plastikdeckeln gegen Polio: 500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung‹ auch in Darmstadt noch bekannter zu machen«, erklärt Inhaber Günter Wickop im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Sein Plan scheint aufzugehen: Wickop und seine Mitarbeiter können sich vor abgegebenen Plastikdeckeln kaum retten.
Cornelia Dölger
05.10.2018
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»Alle zwei Wochen bringe ich eine Kofferraumladung voll mit Verschlüssen von Flaschen und Getränkekartons in eine Sammelstation in Darmstadt«, so Wickop. Eine Kofferraumladung voll, das sind ungefähr 60 Kilo Plastik beziehungsweise 30.000 Deckel – eine Riesenmenge, die auch jetzt, ein gutes Vierteljahr nach dem Aktionsstart in der Einhorn-Apotheke, nicht kleiner wird. Die Resonanz sei erfreulich, betont Wickop. Viele Bürger, dazu Schulen und Kindergärten aus der Stadt machten mit, zudem das Schuldorf. Auch die Mensa der Universitätsstadt mit 20.000 Studierenden habe Interesse angemeldet, »es ist im Werden«.

Angefangen hat alles damit, dass Rotarier Wickop sich um »die vielen weißen Flecken auf der Landkarte« sorgte, die das Polio-Projekt bis vor einiger Zeit in deutschen Städten aufwies. Er selbst hatte zufällig von einem Bekannten davon erfahren und entschloss sich, seine Apotheke als Anlaufstelle für den guten Zweck einzurichten. »Und ich wollte mehr Leute mit ins Boot holen.«

So begannen er und sein Team für das Projekt zu werben, platzierten Gehwegaufsteller vor der Apotheke und verteilten Handzettel. Sie bauten eine Wäschetonne um und stellten sie als Abgabebox gut sichtbar im Verkaufsraum auf. Und die Apothekenkunden brachten Plastikdeckel um Plastikdeckel – »manche entwickeln eine regelrechte Sammelwut«, freut sich der Apotheker.

Ziel der bundesweiten Aktion, die wiederum Teil der weltweiten Kampagne »End Polio Now« ist: Polio weltweit eliminieren. Mit dem Recyceln und Verkaufen von möglichst vielen Plastikverschlüssen soll Geld für Impfungen in betroffenen Gebieten erwirtschaftet werden – eine effektive Hilfe, denn Polio oder auch Kinderlähmung ist zwar nicht heilbar, doch bietet eine Impfung lebenslangen Schutz vor der hoch ansteckenden Krankheit. Nach Möglichkeit soll jedes Kind eine Schluckimpfung bekommen.

Das Geld, das die Recyclingunternehmen mit den abgegebenen Deckeln einnehmen, fließe zu 100 Prozent an den Verein Rotary Gemeindienst Deutschland, betont Wickop. Der Verein verwaltet sämtliche Gelder aus Deutschland, die für die weltweite Anti-Polio-Kampagne gedacht sind. »Die Ausrottung ist zwar weit gediehen«, sagt Wickop. Doch reiche ein einzelner Herd, um ganze Regionen wieder zu gefährden. »Deshalb müssen wir jedes Aufflackern im Keim ersticken, damit keine Epidemie ausbricht.« Aus Teilen Nigerias sowie aus Afghanistan und Pakistan würden immer wieder Fälle gemeldet.

Zwar platzt der Keller der Einhorn-Apotheke vor lauter Plastikdeckeln aus den Nähten, aber Wickop denkt derzeit nicht daran, die Aktion zu beenden. »Es könnten sogar noch mehr Deckel sein«, sagt er. Seiner Erfahrung nach wüssten viele Menschen nämlich nicht, dass sie ihre leeren Pfandflaschen problemlos auch ohne Deckel recyceln könnten – sie glaubten, nur mit Deckel bekämen sie das volle Pfand zurück. »Aber es geht auch ohne«, sagt Wickop und lacht. In seiner Sammelbox für den guten Zweck sind die Verschlüsse jedenfalls gut aufgehoben.

Foto: Andreas Kelm

 

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