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Explosionsgefahr

Pikrinsäure-Alarm auch in zwei Heidelberger Apotheken

Erst Hamburg, dann Heidelberg: Nachdem am Freitag in Hamburg ein Einkaufszentrum evakuiert wurde, weil der neue Apothekenbesitzer unsachgemäß gelagerte Pikrinsäure fand, gab es am Samstag auch in Heidelberg Alarm.
Daniela Hüttemann
17.08.2020  15:50 Uhr

Vermutlich hat der Besitzer zweier Apotheken in Heidelberg von dem Hamburger Fall in den Medien gehört und daraufhin seine eigenen Bestände überprüft. Tatsächlich wurde er gleich zweimal fündig in seinen Filialen in den Stadteilen Handschuhsheim und Kirchheim, berichtet die Regionalzeitung »Die Rheinpfalz« am Sonntag online. Die nähere Umgebung sei abgesperrt worden und Spezialisten des Landeskriminalamts hätten die angetrocknete und damit explosive Pikrinsäure entsorgt.

Zur Erinnerung: So lange die Substanz feucht unter einer Schicht Wasser gelagert wird, kann nichts passieren. Getrocknete Pikrinsäure (Trinitrophenol) dagegen ist explosiv. Da reicht es schon, wenn der Behälter fallengelassen wird. Das Reagenz muss nicht mehr zwingend in Apotheken vorrätig gehalten werden, die Identitätsprüfung von Lidocain als Pikrat beispielsweise wurde 2009 aus dem europäischen Arzneibuch gestrichen. Außerdem veröffentlichte DAC/NRF 2009 alternative Identifizierungsverfahren für alle Ausgangsstoffe, die im Arzneibuch mittels Pikrinsäure identifiziert werden, zum Beispiel Benzylpenicillin-Benzathin-Tetrahydrat. 2008 hatte es in Dutzenden Schulen in Nordrhein-Westfalen Pikrinsäure-Alarm gegeben, was für große Verunsicherung auch unter Apothekern sorgte.

Die neuerlichen Fälle sollte jede Apotheke zum Anlass nehmen, die Laborbestände einmal auf Pikrinsäure zu prüfen. Ist sie noch vorrätig, muss der Wassergehalt mindestens 33 Prozent betragen. Das sollte alle sechs Monate überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Durch vorsichtiges Umdrehen wird das Wasser im Gefäß verteilt und die Pikrinsäure gleichmäßig angefeuchtet.

Ist die Pikrinsäure bereits durchgetrocknet oder wird sie in einem Metallbehälter oder Behälter mit Metallverschluss gelagert, soll ein fachmännischer Abtransport veranlasst werden, denn mit Metallen können hochempfindliche Verbindungen entstehen.

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