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Pyrrolizidin-Alkaloide

Phytos und Tees auf dem Prüfstand

In einem interdisziplinären Projekt der Universitäten Mainz und Kaiserslautern sollen die toxikologischen Eigenschaften von Pyrrolizidin-Alkaloiden genauer untersucht werden. Die Ergebnisse sollen helfen, verlässliche Grenzwerte für die Anwendung von Arzneimitteln und Arzneitees zu ermitteln.
Daniela Hüttemann
07.08.2019
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Pyrrolizidin-Alkaloide kommen in zahlreichen Pflanzen vor, vor allem in Korbblütlern (Asteraceae), Raublattgewächsen (Boraginaceae) und Hülsenfrüchtlern (Fabaceae oder Leguminosae). Die Pflanzen bilden die Alkaloide als Fraßschutz.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Verunreinigungen in Tees und Honig die Hauptaufnahmequelle für Pyrrolizidin-Alkaloide im Menschen. Hufflattich (Tussilago farfara) und Pestwurz (Petasites hybridus) sind wohl die bekanntesten Beispiel für Arzneipflanzen, die in der Wildform die lebertoxischen Sekundärstoffe in nennenswerten Mengen enthalten können. Dabei wirken nicht die Alkaloide selbst hepatotoxisch, sondern ihre Metabolite. Nicht alle Pyrrolizidin-Alkaloide sind toxisch, aber etwa 100 der mehr als 350 bekannten Vertreter sind akut und / oder chronisch leberschädigend, mutagen, karzinogen oder teratogen. 

Die Alkaloide werden im Rahmen eines Anfang 2019 gestarteten interdisziplinären Projekts der Universitäten Mainz und Kaiserslautern genauer untersucht, das die Sicherheit pflanzlicher Arzneimittel und Arzneitees steigern soll. Projektleiter Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Uni Mainz spricht von einer bundesweit einmaligen Untersuchung. Unterstützt werden die Forscher vom Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz mit 30.000 Euro.

Erste Zwischenergebnisse computergestützter Analysen aus Efferths Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass Pyrrolizidin-Alkaloide an Proteine binden können, die essenziell für die menschliche Zellteilung sind. Nun sollen mit modernen systemtoxikologischen Methoden die Giftigkeit und das langfristige Schädigungspotenzial der Alkaloide für den menschlichen Körper untersucht werden. »Ich freue mich, dass wir mit diesem interdisziplinären Projekt und dem Know-how der Universitäten zielführend helfen können, verlässliche Grenzwerte für die Anwendung beziehungsweise den Verzehr von Arzneimitteln und Arzneitees festzulegen«, kommentiert die Rheinland-Pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler heute in einer Pressemitteilung ihres Ministeriums.

Die ersten Forschungsergebnisse bedeuteten nicht, dass der Konsum entsprechender Präparate oder Tees grundsätzlich gefährlich sei. Es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr. Die Hersteller solcher Präparate reduzieren den Gehalt von Pyrrolizidin-Alkaloiden in ihren Produkten bereits jetzt soweit wie möglich. So werden für Arzneimittel und Arzneitees in der Regel nicht die Wildpflanzen, sondern Pyrrolizidin-Alkaloid-arme Kulturformen verwendet. Für Hufflattich gilt eine Anwendungsbeschränkung von einer Tagesdosis von 4,5 bis 6 Gramm Droge mit nicht mehr als 1 µg toxischer Pyrrolizidin-Alkaloide pro Tag, die nicht länger als sechs Wochen pro Jahr angewendet werden dürfen. Da jedoch ein gewisser Restgehalt bleibt, ist von einer Anwendung von Huflattichblättern während der Schwangerschaft und Stillzeit abzuraten, ebenso bei Kindern und Jugendlichen.

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