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Sachsen-Anhalt

Pharmazeutische Dienstleistungen im Koalitionsvertrag

CDU, SPD und FDP wollen in Sachsen-Anhalt gemeinsam regieren. Vertreterinnen und Vertreter der Parteien erklärten, dass man sich auf einen Koalitionsvertrag verständigt habe. Explizit gehen die künftigen Koalitionäre darin auch auf die Apotheken ein und fordern, dass man auch mit pharmazeutischen Dienstleistungen die Vor-Ort-Apotheken stärken solle – sehr zur Freude des dortigen Apothekerverbands.
Benjamin Rohrer
16.08.2021  16:00 Uhr

Am 6. Juni dieses Jahres fand in Sachsen-Anhalt eine Landtagswahl statt. Die Partei von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) konnte sich über deutliche Zugewinne von 7,3 Prozentpunkten freuen und landete mit 37,3 Prozent deutlich vor der AfD (20,8 Prozent). Grüne und FDP haben die 5-Prozent-Hürde genommen und ziehen in den Landtag ein. Die Linken schnitten mit 11 Prozent ab, die SPD lag bei 8,4 Prozent. Bislang war das Land von einer sogenannten Kenia-Koalition regiert worden. Anstelle der Grünen wollen sich CDU und SPD nun aber die Liberalen mit ins Boot holen.

Der PZ liegt der aktuelle Entwurf des gemeinsam vereinbarten Koalitionsvertrages vor. Die Parteien müssen das Papier jetzt noch in ihren Gremien beschließen – erst dann steht der Regierungsbildung nichts mehr im Weg. Der Vertragsentwurf umfasst etwa 160 Seiten und beschäftigt sich unter der Überschrift »Krisenfestes Gesundheitssystem und hochwertige Pflege« auch ausführlich mit der Gesundheitspolitik. Im Abschnitt zur ambulanten Versorgung gehen die drei Parteien dann auch ausdrücklich auf die Zukunft der Apotheken ein und schlagen vor, durch neue Ansätze die Vor-Ort-Apotheken zu stärken. Wörtlich heißt es: »Die Arzneimittelversorgung durch Apotheken ist im ländlichen Raum anders als in urbanen Regionen im besonderen Maß von einer ausreichenden Dichte von Präsenzapotheken abhängig. Eine Stärkung der Vor-Ort-Apotheke ist über verschiedene Wege möglich. Eine Möglichkeit ist, vermehrt pharmazeutische Dienstleistungen anzubieten und andere innovative Ansätze zu erproben.«

Arnold: Wir wollen innovative Lösungen entwickeln

Den Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt erfreuen die Formulierungen im Vertragsentwurf. Verbandschef und ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold erklärte gegenüber der PZ: »Wir begrüßen die Formulierungen im aktuellen Koalitionsvertrag ausdrücklich und gehen davon aus, dass wir auch in Zukunft mit der Unterstützung der Politik rechnen können, wenn es darum geht, neue und innovative Lösungen für die pharmazeutische Versorgung zu entwickeln, gerade in dieser Phase dynamischer Digitalisierung. Dabei geht es vor allem darum, die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung durch die Apotheke vor Ort zu sichern und zu stärken.«

Arnold fügte hinzu, dass Sachsen-Anhalt »gezwungenermaßen Vorreiter« sei, wo es um strukturelle Fragen einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung gehe. Denn: »Aufgrund der speziellen demografischen und räumlichen Struktur sind Themen wie Landarztmangel oder Rezeptsammelstellen in unserem Bundesland schon diskutiert worden, als sie in den anderen Bundesländern höchstens als Probleme einer fernen Zukunft betrachtet wurden. Auch deshalb haben wir hier schon immer neue Lösungskonzepte entwickelt und erfolgreich in die Tat umgesetzt. Der Landesapothekerverband hat schon im Jahr 2008 einen Katalog der pharmazeutischen Dienstleistungen erarbeitet, der die Grundlage für den bundesweiten Leistungskatalog (LeiKa) bildete. Aufgrund des Problemdrucks im Gesundheitswesen ist die Zusammenarbeit der Landespolitik und der Apothekerschaft traditionell sehr vertrauensvoll. Gemeinsam wird nach Lösungen für die Fragen der Versorgung gesucht. Die Formulierungen im aktuellen Koalitionsvertrag reflektieren diesen ständigen Austausch.«

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