Pilz ist nicht gleich Pilz |
| 11.10.1999 00:00 Uhr |
Etwa 30 Prozent der Bevölkerung leiden an einer Fußpilzerkrankung, so Dr. Martin Schulz, Eschborn, der auf die steigende Tendenz durch modernes Schuhwerk und Zunahme sportlicher Tätigkeiten verwies. Fuß- und Nagelpilzerkrankungen werden zu 90 Prozent durch Dermatophyten hervorgerufen, sagte er.
Juckreiz, Schmerz, Rötung, Brennen, Nässen, Schuppung, eitrig, weißliche Färbung, Bläschen? Im Kundengespräch müsse der Apotheker die Symptome erfassen. Zu klären sei, wann (akut, chronisch, rezidivierend?) und unter welchen Bedingungen oder in welchen Situationen (Schuhwerk, Fußmarsch, Jogging?) die Beschwerden bevorzugt auftreten. Unbedingt müsse der Apotheker die Eigendiagnose des Patienten hinterfragen.
Medikamente der ersten Wahl Die Grenzen der Selbstmedikation seien bei ausgedehnten Läsionen, Befall von Nägeln, starken Schmerzen, ständig rezidivierenden Beschwerden, trockener Schuppung der Haut besonders an der Fußsohle, Befall von Fußkante und -gewölbe, Verdacht auf Ichthyosis, Psoriasis, Ekzem oder Plantarkeratose sowie Verdacht auf Superinfektion mit Bakterien erreicht. Auch Patienten, die Immunsuppressiva oder Zytostatika einnehmen sowie HIV- und Diabetes-mellitus-Patienten sollte der Apotheker raten, den Arzt zu konsultieren.
Topika der ersten Wahl seien Bifonazol, Clotrimazol, Croconazol, Econazol, Isoconazol, Ketoconazol sowie Amorolfin oder Naftifin. Aufgrund des schmalen Wirkspektrums kann Schulz Tolnaftat nur bedingt empfehlen. Er riet, den Arzneistoff nur anzuwenden, wenn Dermatophyten als Erreger identifiziert wurden.
Als nichtmedikamentöse Maßnahmen nannte Schulz das Tragen offener, lockerer Lederschuhe ohne Gummisohle oder Sandalen beziehungsweise Barfußlaufen. Strümpfe sollten aus poröser, saugfähiger Baumwolle bestehen. Effektiv sei das Spreizen des 3. und 4. Zehenzwischenraumes zum Beispiel mit Verbandmull sowie häufige Wechsel der Bettwäsche.
Nur nach ärztlicher Diagnose Charakteristisch für das klinische Bild einer
Nagelmykose sei die gelblich-bräunliche Verfärbung des Nagels, weißliche Auflagen auf
der Zehnagelplatte oder wenn sich größere Teile der Nagelplatte lösen, so Schulz. Auch
hier gelte es, die Eigendiagnose zu hinterfragen, um zum Beispiel eine traumatische
Onychopathie von einer bakteriellen Nagelinfektion, Lichen ruber planus,
Yellow-nail-Syndrom oder genetisch bedingten Dystrophien abzugrenzen. Topisch sollten
Imidazolderivate und hier insbesondere Bifonazol in Kombination mit Harnstoff sowie
Ciclopirox angewendet werden. Eine Empfehlung zur Selbstmedikation sollte nur nach
ärztlicher Diagnose gegeben werden, betonte Schulz.
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