Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Bei Gefahr
-
Pferde haben ein Pokerface

Pferde sind Fluchttiere. Bei Gefahr laufen sie so schnell weg, wie sie können. Deshalb ist es erstaunlich, was nun Forschende über den Gesichtsausdruck von Pferden herausgefunden haben. Demnach zeigen die Tiere in Gefahrensituationen trotz innerer Anspannung ein Pokerface.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 23.07.2026  08:00 Uhr

Hören, riechen, sehen: Um sich bei Gefahr schnell in Sicherheit bringen zu können, nehmen Pferde ihre Umgebung mit mehreren Sinnen wahr. Ein Team um die Veterinärmedizinerin Dr. Rachel Hofacker von der Ohio State University in Columbus wollte herausfinden, wie die Tiere reagieren, wenn ihnen ausschließlich visuell eine Gefahr angezeigt wird.

Die Forschenden zeigten daher mehreren Pferden unterschiedliche Videos ohne Ton. In einem waren friedlich grasende Wombats zu sehen, eine Beuteltierart, mit der die Pferde zuvor noch keinen Kontakt gehabt hatten. Zwei weitere Videos zeigten Wölfe, einen Fressfeind, der den Pferden ebenfalls noch unbekannt war. In einem der Videos verhielten sich die Wölfe friedlich, im anderen zeigten sie ein aggressives Verhalten.

Die Ergebnisse der Studie sind im Fachjournal »PLOS One« publiziert. Demnach erkannten die Pferde in den Wölfen eine potenzielle Bedrohung, was sich jedoch nicht in äußerer Agitiertheit zeigte, sondern in einem Anstieg der Herzfrequenz. Bei beiden Wolfsvideos stieg die Herzfrequenz der Pferde an – ein Anzeichen für ein erhöhtes Stresslevel.

Äußerlich merkte man ihnen das jedoch nicht an; statt mit den Hufen aufzustampfen oder mit dem Schweif zu schlagen, blieben sie nach außen ruhig. Während des Wombatvideos waren kein Anstieg der Herzfrequenz und auch keine Änderung des Verhaltens der Pferde zu beobachten.

Hengste reagieren stärker

Interessanterweise reagierten Hengste stärker auf die Gefahrensituation als Stuten, insbesondere Tiere, die in der Hierarchie der Herde höhergestellt waren. Dies sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie innerhalb der Herde eine Führungsrolle innehaben und Verantwortung übernehmen, sagte Seniorautorin Dr. Zeynep Benderlioglu in einer Pressemitteilung.

Aus Sicht der Forschenden sind die Ergebnisse für alle diejenigen relevant, die mit Pferden umgehen. Sie müssten wissen, dass man es einem Pferd nicht immer ansieht, wenn es innerlich erregt ist. Wenn das Pferd dann schließlich doch wegzurennen versucht, kann das also überraschend kommen.

Mehr von Avoxa