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Cluster-Kopfschmerz

Patienten profitieren von Prednison

Evidenz im klinischen Alltag bestätigt

»Insgesamt ist das ein positives Studienergebnis, das die im Alltag beobachtete Wirksamkeit von Corticoiden untermauert und eine Evidenz für den klinischen Einsatz gibt. Die Mehrzahl der Patienten profitiert demnach von dieser additiven Therapie«, so Erstautor Professor Dr. Mark Obermann, Seesen, in einem aktuellen Presse-Statement der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Er nennt das günstige Nebenwirkungsprofil erfreulich angesichts der Tatsache, dass nur bei zwei Studienteilnehmern der Placebogruppe ernste Nebenwirkungen beobachtet wurden. »Insgesamt unterschied sich die Nebenwirkungsrate zwischen den beiden Studiengruppen nicht. Die Therapie erwies sich also nicht nur als effektiv, sondern auch als sicher«, so Obermann.

Die Angst vor dem Placebo

Umso bedauerlicher, so der Neurologe, sei es, dass die Studie aufgrund schleppender Rekrutierung trotz zweimaliger Verlängerung des Finanzierungs-Zeitraums des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vorzeitig abgebrochen werden musste.

Wird im klinischen Alltag die Corticoid-Therapie bereits erfolgreich praktiziert, so liege der Schluss nahe, dass viele Patienten aufgrund der Furcht einer Zuordnung zur Placebogruppe dem Aufruf zur Studien-Teilnahme nicht folgten.

»Gerade in der Schmerzmedizin ist es schwer, Betroffene von der Teilnahme an einer Studie zu überzeugen, wenn das für sie das Risiko der Erhöhung der Zahl der Schmerztage und -attacken beinhalten kann. Kaum ein Patient nimmt das freiwillig in Kauf«, bestätigt Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN.

Die Wissenschaft befinde sich hier grundsätzlich in einem Dilemma, da sich bei bereits etablierten Therapien aufgrund mangelnder Probandenzahl oftmals durch Studien kein Evidenznachweis mehr erbringen lasse.

So oder so: Die Studienergebnisse zur Effizienz von Prednison in der Langzeitprävention des Cluster-Kopfschmerzes seien repräsentativ und valide. »Die jetzigen Befunde unterstützen die kurzfristige Anwendung von Prednison als Erstlinientherapeutikum parallel zur Auftitration von Verapamil«, hebt wie Obermann auch Diener hervor.

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