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Covid-19-Leitlinie

Patienten mit neurologischen Manifestationen sind Notfälle

Neurologische Manifestationen sind bei Covid-19-Patienten häufig und auch gefährlich. Wie diese zu behandeln sind und warum auch Intensivpatienten neurologisch betreut werden sollten, erklärt eine jetzt veröffentlichte Leitlinie. Herausgeber ist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie.
Christina Hohmann-Jeddi
18.08.2020  17:48 Uhr

»Während wir zu Beginn der Pandemie eine geringe Schnittmenge zwischen Covid-19 und unserem Fach sahen und glaubten, die Herausforderung läge vor allem in der Organisation der Versorgung von Patienten mit chronischen neurologischen Erkrankungen während des Lockdowns, haben wir schnell erkennen müssen, dass die Neurologie neben der Pneumologie und Intensivmedizin im Epizentrum der Pandemie steht«, sagt Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), laut einer Pressemitteilung zur heute veröffentlichten S1-Leitlinie »Neurologische Manifestationen bei Covid-19«.

SARS-CoV-2-Infektionen sind zu einem hohen Prozentsatz mit neurologischen Manifestationen verbunden und deren Bandbreite ist groß. Neben Symptomen wie Riech- und Geschmacksstörungen kann es zu Enzephalopathien, Enzephalomyelitiden, ischämischen Schlaganfällen und intrazerebralen Blutungen sowie neuromuskulären Erkrankungen kommen. »Die Präsentationen und Verläufe sind oft sehr heterogen. Es ist daher von zentraler Bedeutung, dass Covid-19-Patienten neurologisch mitbetreut werden«, so Berlit. Viele Schlaganfälle seien zum Beispiel im Kontext von Covid-19 nicht bei Patienten im höheren Alter mit vorbestehenden, typischen Schlaganfallrisikofaktoren aufgetreten. Mehrere Arbeiten berichteten, dass auch jüngere, gefäßgesunde Menschen von den Insulten betroffen waren.

Die nun publizierte Leitlinie gibt Handlungsempfehlungen für die Versorgung von Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion und neurologischen Manifestationen. Grundsätzlich wird dazu geraten, Patienten mit neurologischen Symptomen, die über den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns hinausgehen, in eine neurologische Klinik zu überweisen, vorzugsweise mit neurologischer Intensivstation. Denn alle neurologischen Manifestationen erfordern eine rasche stationäre Diagnostik und Therapie. »Covid-19-Patienten mit neurologischen Beschwerden sind Notfallpatienten; werden sie nicht rechtzeitig versorgt, drohen schlechte Behandlungsergebnisse und Spätfolgen«, mahnt das Expertengremium. 

Die Leitlinie enthält auch die Empfehlung, intensivpflichtige, beatmete Covid-19-Patienten aufmerksam auf neurologische Manifestationen zu untersuchen. Denn diese Komplikationen könnten in der Intensivsituation unentdeckt bleiben. Eine im Fachjournal »Frontiers in Neurology« veröffentlichte chinesische Studie zeigt, dass 65 Prozent der untersuchten kritisch kranken Covid-19-Patienten mindestens ein neurologisches Problem aufwiesen, bei 7 von 86 dieser Patienten wurde sogar ein Schlaganfall diagnostiziert (DOI: 10.3389/fneur.2020.00806). 

Da beatmete Patienten in der Regel sediert seien, könnten sie nicht über neu auftretende neurologische Symptome berichten. Das mache ein routinemäßiges neurologisches Screening auf schwere neurologische Begleiterkrankungen vom Hirninfarkt bis zur Enzephalomyelitis so wichtig. Diese Komplikationen könnten für die hohe Mortalität der beatmeten Patienten, die in Deutschland etwa 50 Prozent betrug, mitverantwortlich sein, heißt es von der DGN. »Es ist denkbar, dass viele von ihnen nicht rechtzeitig diagnostizierte neurologische Komplikationen hatten«, so Berlit.

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