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PZ Nachrichten

Datum 19.04.1999  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische Zeitung Govi-Verlag PZ +++ Nachrichten +++   20.04. Trichinen-Erkrankungen in NRW
PZ. Mehr als 50 Menschen erkrankten zwischen November 1998 und März 1999 in Nordrhein-Westfalen an Trichinose. Die Fälle wurden aus elf Städten des Bundeslandes gemeldet. Die Trichinose ist eine weltweit vorkommende, leicht bis tödlich verlaufende Zoonose infolge einer lebensmittelbedingten Infektion mit Fadenwürmern der Gattung Trichinella. Gemeinsam mit den zuständigen Landesbehörden und dem Robert-Koch-Institut (RKI) beteiligte sich das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) an den Aufklärungsuntersuchungen. Als Auslöser wurden Mettwurst und Gehacktes ermittelt, die teilweise aus rohem Schweinefleisch hergestellt und in roh verzehrt wurden. Offensichtlich handelte es sich bei der Infektionsquelle um rohes Schweinefleisch, das entweder nicht beziehungsweise nicht ordnungsgemäß auf Trichinen untersucht oder nicht einer zugelassenen Kältebehandlungsmethode unterzogen wurde. Durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen können im Fleisch vorkommende Trichinen unschädlich gemacht werden. Temperaturen von mindestens 65°C töten Trichinen mit Sicherheit ab, wobei sich im Kern des Fleischstückes die Farbe von rot nach grau verändert haben muß.

19.04. Bayerns Apotheker Spenden für Kosovo
PZ. Die Teilnehmer des diesjährigen Bayerischen Apothekertages in Bamberg haben insgesamt 30.000 Mark für die Vertriebenen des Kosovo-Krieges gespendet. Wie die Landesapothekerkammer mitteilt, sollen mit dem Geld sofort industriefrische Medikamente gekauft und innerhalb von fünf Tagen mit Hilfe des Bayerischen Arbeitersamariterbundes nach Mazedonien und Albanien gebracht werden. Unter anderem kamen die Spenden durch die Versteigerung eines Holzelefantens zustande. Das Kunstwerk aus Afrika, das aus der Sammlung des 1. Vorsitzenden des Bayerischen Apothekerverbandes, Gerhard Reichert, stammt, erzielte allein über 5.000 Mark. Um Hilfe unbürokratisch leisten zu können, ist das "Hilfswerk der Bayerischen Apotheker e.V." ins Leben gerufen worden. Der Verein hat bereits ein Spendenkonto bei der Deutschen Ärzte- und Apothekerbank München (BLZ 70090606) eingerichtet. Die Kontonummer lautet 0004793765. Steuerlich absetzbare Spendenquittungen will die Kammer ausstellen.

19.04. Beim ersten Mal verhüten Wenige
PZ. Zehn Prozent der Mädchen und Jungen haben bereits mit 14 Jahren die sexuelle Premiere hinter sich. Das Wissen um das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft ist aber immer noch dürftig. Damit erleben Mädchen und Jungen den Gefühlssturm der ersten Liebe heute früher als die Generation ihrer Eltern. Das erste Mal findet heute durchschnittlich drei Jahre früher statt als vor einigen Jahrzehnten. Bis zum 16. Geburtstag hatten bereits 45 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen Geschlechtsverkehr. Die Angaben stützen sich auf eine kürzlich abgeschlossene Repräsentativbefragung von fast 2500 Jugendlichen, die im Auftrag der Kölner Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erhoben wurde. Für die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen ist der erste Geschlechtsverkehr ungeplant und kommt für 22 Prozent der Mädchen und 33 Prozent der Jungen völlig überraschend. Dennoch denken mehr Jugendliche als vor einigen Jahren bereits beim ersten Mal auch an Verhütung. Die Zahl der Jungs, die dabei keine Vorsorge zur Schwangerschaftsverhütung trafen, sank seit 1980 von damals 29 auf 16 Prozent. Von den Mädchen sind beim ersten Mal 11 Prozent ohne Schutz gegenüber 20 Prozent im Jahr 1980. Am häufigsten verhüten Jugendliche mit Kondomen.

19.04. Ärzte sind sauer auf Pharmaindustrie
PZ. Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat die Pharmaindustrie scharf angegriffen. Hintergrund der Attacke sind erfolgreiche Klagen einzelner Hersteller gegen die Festbetragsfestsetzung und die neuen Arzneimittel-Richtlinien (AMR). Wie berichtet, hatten Kartellsenate bei den Landgerichten Düsseldorf und Hamburg entschieden, in beiden Bereichen werde gegen europäisches Kartellrecht verstoßen. Konsequenz: Neue Festbeträge legen die Kassen nicht mehr fest, und die neuen Richtlinien mit weiteren Verordnungsausschlüssen können nicht in Kraft treten. Der KBV-Vorstand wirft der Industrie vor, sie habe sich mit diesen Prozessen eine Absatzgarantie für ihre 50.000 Präparate zu Lasten der Ärzte verschafft. Dabei werde nämlich verschwiegen, daß der Ausgabenanstieg für Arzneien aus den Honoraren der Vertragsärzte bezahlt werde. Angesichts dieser Situation wollen die KBV-Vertreter im Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen an Beschlußfassungen über AMR "zunächst nicht mehr mitwirken". Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat die KBV-Kritik zurückgewiesen. Der Verband erinnerte daran, daß die auch von der Industrie kritisierten Arzneibudgets für die Ärzte von der Politik beschlossen worden seien. Zudem gebe es keine "Absatzgarantie". Ob ein Präparat vom Arzt verordnet werde oder nicht, hänge von medizinischen und therapeutischen Kriterien ab.

16.04. Macht Lohnfortzahlung krank?
PZ.  Feiern die Arbeitnehmer öfter krank, weil die Bundesregierung die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aufgestockt hat? Das behaupten die Arbeitgeber aufgrund einer neuen Statistik, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlicht hat. Die Bundesregierung hat diese Interpretation zurückgewiesen. Demnach lag der durchschnittliche Krankenstand der GKV-Pflichtmitglieder im ersten Quartal 1999 in Westdeutschland bei 4,34 Prozent und im Osten bei 4,65 Prozent der Sollarbeitszeit. Im gleichen Zeitraum 1998 waren dagegen noch Krankenstände von 3,92 (West) und 4,27 Prozent (Ost) registriert worden. Im Vorjahresvergleich sind die Fehlzeiten damit um 10,7 und 8,9 Prozent gestiegen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) führt den kräftigen Anstieg auf die Wiedereinführung der 100prozentige Lohnfortzahlung bei Krankheit, medizinischer Rehabilitation und Vorsorge zurück. Tatsächlich war der durchschnittliche Krankenstand der Pflichtversicherten in den vergangenen drei Jahren in ganz Deutschland von 4,8 Prozent (1996) über 4,2 Prozent (1997) auf 4,1 Prozent (1998) kontinuierlich auf ein Rekordtief gesunken. Für das erste Quartal 1999 ergibt sich nun bundesweit eine Rate von 4,4 Prozent. Aus den BMG-Zahlen ergibt sich allerdings auch, daß die Trendwende bereits im vierten Quartal 1998 eingesetzt hat - also vor der gesetzlichen Wiedereinführung der vollen Lohnfortzahlung. In diesem Zeitraum waren die Fehlzeiten im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum bereits um 3,9 Prozent im Westen und 3,8 Prozent im Osten gestiegen. Zudem sei von der Kürzung der Lohnfortzahlung wegen tarifvertraglicher Regelungen seinerzeit nur etwa jeder fünfte Beschäftigte betroffen gewesen, so die Bundesregierung. Für die meisten Arbeitnehmer habe sich also durch die Rücknahme nichts geändert.

16.04. Achilles und die Fußgesundheit
PZ. Erste epidemiologische Daten der bislang größten europaweiten Studie zur Fußgesundheit haben bestätigt, daß Fuß- und vor allem Fußpilzerkrankungen vielen Menschen zu schaffen machen. Etwa jeder dritte Patient in Deutschland, der eine Hausarztpraxis aufsucht, hat eine Pilzerkrankung der Füße; bei zwei Dritteln davon handelt es sich um eine Nagelmykose, ergab das sogenannte Achilles-Projekt. Die Patienten berichteten über deutliche Einschränkungen infolge der Pilzerkrankung. Jeder zweite klagte über Unbehagen beim Laufen, jeder dritte hatte sogar Schmerzen. Der Auswertung liegen Diagnosen von mehr als 13000 Menschen zugrunde. Ein Großteil der Daten stammt aus dem deutschen Teil des Projekts "Foot-Check", an dem sich über 500 deutsche Dermatologen beteiligt haben. Insgesamt werden Daten aus 20 europäischen Ländern erwartet. Auslöser der Fußmykosen sind in neunzig Prozent der Fälle Dermatophyten wie Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton. Meistens ist Trichophyton rubrum der Übeltäter. Interessant: Untersuchungen zeigen, daß sich in öffentlichen Bädern und Sporthallen vorzugsweise Trichophyton mentagrophytes vom Boden und von Matten anzüchten läßt. Die immer wieder aufgewärmte Mär, man hole sich die Pilzinfektion in öffentlichen Einrichtungen, ist also nicht bewiesen.

16.04. Pflanzliche Alternative bei Entzündung
PZ. Ein Rohextrakt aus den Früchten der brasilianischen Fabaceenart Pterodon emarginatus zeigt im Tierversuch zum Teil ähnliche antiinflammatorische Wirkung wie herkömmliche nichtsteroidale Entzündungshemmer. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler aus drei brasilianischen Forschungslaboratorien nach Versuchen mit männlichen Ratten und Mäusen. P. emarginatus wird in Brasilien als gängiges entzündungshemmendes Hausmittel gebraucht, beispielsweise bei rheumatischen Beschwerden, Halsentzündung oder Rückenproblemen. Als wirksame Inhaltsstoffe wurden bei verschiedenen Pterodon-Species bereits in den 70er Jahren Diterpene und Isoflavone identifiziert. Für die beobachteten antiinflammatorischen Effekte machen die Forscherdie Terpen-Inhaltsstoffe der Pflanze verantwortlich. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, daß eine Wirkung offenbar nur bei Entzündungen zu erwarten ist, die über Prostaglandine und andere Entzündungsmediatoren des Kininsystems ausgelöst werden.

15.04 Wein schützt nicht immer vor Herzinfarkt
dpa. In dem Glauben "Wein schützt vor Herzinfarkt" lassen sich Zigtausende jeden Tag zahlreiche Schoppen schmecken - zum Entsetzen von Medizinern. Nur in geringen Mengen und nur unter bestimmten Bedingungen fördere Alkohol die Gesundheit, betonten Spezialisten beim Internistenkongreß in Wiesbaden. "Es muß dringend davor gewarnt werden, den Alkoholkonsum zu verharmlosen und als Prophylaxe zu propagieren", sagte Professor dr. Manfred Singer von der Universität Heidelberg. Zwar habe in verschiedenen epidemiologischen Studien nachgewiesen werden können, daß leichter bis mäßiger Alkoholkonsum das relative Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefäße um bis zu 45 Prozent reduzieren könne. Dies gelte aber nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung, dem in Deutschland rund drei Millionen Alkoholabhängige und zehn Millionen Alkoholgeschädigte gegenüber stünden. Etwa 40.000 Menschen sterben Singer zufolge jedes Jahr an Erkrankungen infolge von Alkoholkonsum. Mäßiger Wein- oder Bierkonsum schütze zwar vor Herzinfarkt, berichtete der Internist Johannes Scholl vom Städtischen Krankenhaus in München-Bogenhausen. "Die Trink- und Ernährungsgewohnheiten sind aber entscheidend dafür, welche schädlichen oder herzschützenden Wirkungen Alkohol entfachen kann." So müsse der Alkohol zum Essen getrunken werden und zwar nicht mehr, als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Danach liegt die Obergrenze bei 20 Gramm pro Tag für Frauen und bei der doppelten Menge für Männer.

14.04. Preis für NO und Hirudin
PZ. Den mit 30.000 DM dotierten Paul-Martini-Preis teilen sich in diesem Jahr Dr. Stefanie Bode-Böger und Dr. Rainer Böger vom Institut für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover mit Professor Dr. Andreas Greinacher, Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Die Preise wurden am 13. April während des Wiesbadener Internistenkongresses verliehen. Die Wissenschaftler aus Hannover wurden für ihre Arbeiten zur Klärung der Rolle von Stickstoffmonoxid bei der Durchblutungsregulation ausgezeichnet. Sie konnten zeigen, warum in Gefäßwänden von Arteriosklerose-Patienten weniger NO gebildet wird. Professor Dr. Andreas Greinacher erhielt den Preis für seine Arbeiten zur "Klinik, Diagnostik, Pathophysiologie und Therapie der Heparin-induzierten Thrombozytopenie". Er entwickelte zunächst einen Labortest, der inzwischen als Standardverfahren international anerkannt ist. Anschließend klärte er den dieser unerwünschten Wirkung zugrunde liegenden Mechanismus auf und entwickelte ein neues Therapiekonzept auf der Basis von gentechnisch hergestelltem Hirudin.

14.04. Leflunomid statt Methotrexat
PZ. Methotrexat, der bisherige Goldstandard in der Therapie der rheumatoiden Arthritis, könnte bald Konkurrenz bekommen. Das legen zumindest Phase-III-Studien nahe, in denen Leflunomid Methotrexat und auch Sulfasalazin ebenbürtig war und gleichzeitig weniger Nebenwirkungen aufwies. In den USA bereits seit Herbst 1998 auf dem Markt, wird die Zulassung für Leflunomid (Arava®) in Deutschland für September dieses Jahres erwartet. Bereits nach einem Monat Behandlungsdauer wurde die Wirksamkeit von Leflunomid offenkundig, berichtete Dr. Iris Löw-Friedrich, Studienleiterin aus Bridgewater, von zwei placebokontrollierten, doppelblinden Studien. Die röntgenologisch nachweisbare Progression der Erkrankung werde verzögert, die Funktionsfähigkeit der Gelenke und damit die Lebensqualität der Patienten verbessert, sagte sie. Eine der beiden Phase-III-Studien ist eine bisher noch nicht publizierte Untersuchung mit 482 Patienten in Nordamerika. Über eine Behandlungsdauer von einem Jahr bekamen sie entweder Leflunomid (täglich 20 Milligramm), Methotrexat (7,5 bis 15 Milligramm pro Woche) oder Placebo. Die Zahl der schmerzhaften und geschwollenen Gelenke, Röntgenbilder und Entzündungsparameter wie Blutsenkungsgeschwindigkeit und C-reaktives Protein waren die primären Zielgrößen. „Es wurden keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen der Wirksamkeit von Leflunomid und Methotrexat gefunden", informierte Löw-Friedrich.

14.04. Merck-Aktie steigt nach Führungswechsel
dpa. Der für Mitte nächsten Jahres angekündigte Führungswechsel sorgte am Dienstag an der Frankfurter Aktienbörse für einen Kurssprung der Merck-Aktie. Ihr Wert kletterte um 3,61 Prozent auf 34,40 Euro; die Merck-Aktie gehörte damit an diesem Tag zu den fünf am stärksten gefragten Papieren. Mit dem Rückzug des "Marathon-Chefs" geht bei Merck eine Ära zu Ende. Manche betrachten ihn skeptisch als "Gralshüter der Merck-Kultur", für andere ist er ein weitsichtiger, bedachter "Firmenpatriarch", der mehr als nur die Gewinnaussichten seiner Aktionäre im Auge hat. Ganz gleich welche Klischees zu seiner Charakterisierung bemüht werden: Der Merck-Vorstandschef Hans Joachim Langmann gehört zur alten Garde unter den Managern in Deutschland. Mit seinem für Mitte nächsten Jahres geplanten Rückzug aus der Führungsspitze geht bei dem Darmstädter Chemie- und Pharma-Konzern eine jahrzehntelange Ära zu Ende. Mit einer Amtszeit von fast 30 Jahren ist der 74 Jahre alte Diplom-Physiker und Wirtschaftsfachmann einer der dienstältesten Chemie-Manager im Land.
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