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| 21.02.2000 00:00 Uhr |
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Alternativen
für Latex-Allergiker in Sicht
22.02. PZ In naher Zukunft könnte es Gummihandschuhe aus
Latexgummi geben, die keine Latexallergien hervorrufen. In den USA arbeitet eine Firma
daran, Medizinprodukte aus dem Naturgummi eines mexikanischen Wüstenstrauches
herzustellen. Allergien gegen Substanzen in diesem Gummi sind bisher nicht bekannt.
Guayule heißt der drei Fuß hohe, gelblich blühende Strauch, der in Wüstengebieten
Nordmexikos und Texas wächst, aber als Kulturpflanze angebaut werden kann. Das
Agricultural Research Service im US-Staat Kalifornien hat das Latexgummi, das sich aus
diesem Strauch gewinnen lässt, auf seine Eignung für Medizinprodukte und Kondome
getestet. Die daraus herstellbaren Gummihandschuhe und Kondome sind genauso dünn und
gemeidig wie die gewöhnlich verwendetetn Latex-Produkte. Diese werden aus dem Latex des
Brasilianischen Gummibaumes Hevea brasiliensis gewonnen. In Tests mit einem Virus, das
ebenso klein ist wie beispielsweise Herpes-Viren, bewiesen die Wissenschaftler, dass die
Handschuhe und Kondome aus Guayule-Latex ebenso sicher vor der Übertragung von Keimen
schützen wie Produkte aus Hevea-Gummi. Das Unternehmen Yulex aus Philadelphia will jetzt
die Herstellung von Medizinprodukten aus dem neuen Gummi beginnen.
Nikotins Zukunft in der Neurologie
22.02. dpa Dem als Suchtmittel in Zigaretten an den Pranger gestellten Nikotin
steht eine Zukunft in der Medizin bevor. Washingtoner Forscher berichteten, dass Nikotin
Patienten mit schweren neurologischen Leiden wie der Alzheimer Krankheit und Parkinson
helfe. Auch Kinder, die unter dem Tourette-Syndrom leiden, erfuhren durch eine
Nikotinbehandlung Erleichterung. Nikotin verstärkt die Wirkung ihrer Medikamente und
erlaubt ihnen, die Dosis der sedierend wirkenden Tabletten zu reduzieren. Das
Tourette-Syndrom äußert sich unter anderem durch plötzliche Zuckungen im Gesicht und
ruckartige Kopfbewegungen. Alle Studien bezogen den Wirkstoff aus Nikotinpflastern. Für
etliche Teilnehmer der Studien war der Effekt so positiv, dass sie sich nach Abschluss der
Versuche eigenständig mit Nikotinpflastern weiter behandelten, berichtete Paul Newhouse
von der Universität von Vermont auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur
Förderung der Wissenschaft. Sie gilt als weltgrößtes Forum für neue
Forschungsergebnisse aus allen Disziplinen.
Nach Herzinfarkt Katheter aus dem
Handgelenk
21.02. dpa Eine neue Kathetermethode kann nach Angaben der
Uniklinik Erlangen bei akuten Herzinfarkten die Überlebenschancen steigern. Dabei wird
ein Katheter statt von der Beinarterie vom Handgelenk aus ins Herz geschoben, erläuterte
der Direktor der Kardiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, Professor Werner
Daniel, am Samstag in einem dpa-Gespräch. Wegen der geringeren Blutungsgefahr am
Handgelenk könne damit bei Akut-Patienten auch dann ein Katheter gelegt und das verengte
Gefäß per Ballon erweitert werden, wenn vorher blutverdünnende Mittel gegeben wurden.
"Bei Patienten mit frischem Herzinfarkt wird damit die Sicherheit des Eingriffs
erhöht", betonte Daniel. Die neue Technik mache auch Untersuchungen
patientenfreundlicher. "Der Patient bekommt für zwei Stunden einen Druckverband am
Handgelenk, kann anschließend sofort aufstehen und nach einigen Stunden eventuell schon
entlassen werden", erläuterte Daniel. Nach dem Katheterisieren am Bein müssen die
Betroffenen dagegen mindestens mehrere Stunden liegen und in der Regel einen Tag im
Krankenhaus bleiben.
Alzheimer-Patienten mit
verkrüppeltem Protein
21.02. dpa Ein verkürztes Protein könnte möglicherweise die
Alzheimer-Krankheit mit verursachen. Wissenschaftler der Molekularen Immunologie an der
Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg untersuchen derzeit im Rahmen eines internationalen
Forschungsprojekts einen möglichen Zusammenhang, teilte die Universität mit. Das
verkürzte Protein entsteht nach Erkenntnissen der Forscher durch einen Fehler beim
Ablesen von Erbinformation und lagert sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ab. Unklar
sei unter anderem, warum das fehlerhafte Eiweiß dort nicht gleich wieder abgebaut werde.
Normalerweise werden fehlerhafte Proteine im Körper erkannt und beschleunigt abgebaut.
Die verkrüppelten Proteine lagern sich in Plaques ab. Die Forscher vermuten, dass die
Eiweiße maßgeblich an der Bildung dieses für die Alzheimer-Krankheit typischen Symptoms
beteiligt sind. Die veränderten Proteine könnten die Leistung der Gehirnzellen
beinträchtigen und damit die zum Krankheitsbild der Altersdemenz beitragen, meinen die
Wissenschaftler. Erste Anhaltspunkte für ein fehlerhaftes Lesen von genetischen
Informationen haben die Forscher auch bei Down-Syndrom-Patienten entdeckt. Bei ihnen werde
eine ähnliche Schädigung des Gehirns beobachtet wie bei Alzheimer-Patienten.
Rauchen geht auf die Blase
21.02. dpa Rauchen ist der Risikofaktor Nummer eins bei der Entstehung
von Blasenkrebs. Das haben Fachmediziner nach langjährigen Beobachtungen ihrer
Krebspatienten festgestellt. Weitere wesentliche Risikofaktoren seien Umweltgifte und die
missbräuchliche Einnahme von Schmerzmitteln über einen langen Zeitraum hinweg, sagte
Professor Karl Stockamp, Leiter der Urologischen Abteilung des Klinikums der Stadt
Ludwigshafen, in einem dpa-Gespräch. Beim Rauchen entstehen Teerprodukte wie aromatische
Amine, die über den Blutkreislauf in die Niere gelangen und von dort die Harnblase
angreifen. Nach den Erkenntnissen der Mediziner können auch Stoffwechselstörungen
Blasenkrebs verursachen. Diese Krebsart ist indes nicht immer tödlich: "Nur jeder
vierte Patient mit Blasenkrebs stirbt an dieser Krankheit", informierte Stockamp.
"In drei Viertel aller Fälle handelt es sich um zunächst harmlose oberflächliche
Tumore, die elektrisch abgetragen werden können." Deshalb müsse auch nicht jeder
Blasentumor operiert werden. Die Urologen sind inzwischen in der Lage, bei einer
Totalentfernung der Harnblase aus Teilen des Dick- oder des Dünndarms eine Ersatzblase zu
schaffen. "Die Lebensqualität der Patienten wird dadurch nur unwesentlich
eingeschränkt", sagte Stockamp.
BfArM: Wechselwirkungen bei
Johanniskraut
18.02. dpa. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat davor
gewarnt, Johanniskrautpräparate zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten einzunehmen.
Insbesondere könne die Wirkung von Arzneien nach einer Organtransplantation und die
einiger Aidsmittel verringert werden, teilte das Bundesinstitut am Freitag in Bonn mit.
Möglicherweise werde auch die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln und bestimmten
Antidepressiva beeinträchtigt. Bei gesunden Versuchspersonen, die in einer Studie das
Aidsmittel Indinavir und Johanniskraut eingenommen hatten, war die Konzentration des
Aidspräparats deutlich erniedrigt. Das Institut werde sicher stellen, dass der
Beipackzettel von Johanniskraut-Präparaten auf entsprechende Wechselwirkungen hinweist.
Novartis meldet Rekordergebnis
8.02. dpa. Mit einem Rekordergebnis im Rücken strebt der
Schweizer Pharmakonzern Novartis in diesem Sommer an die New Yorker Börse. Das
Unternehmen konnte nach am Donnerstag in London vorgelegten Zahlen im Geschäftsjahr 1999
seinen Reingewinn um elf Prozent auf die Rekordhöhe von 6,66 Milliarden Franken steigern.
Der Konzernumsatz erhöhte sich um zwei Prozent auf knapp 32,5 Milliarden Franken (38
Milliarden DM). Das operative Konzernergebnis stieg um 6,0 Prozent auf 7,3 Milliarden
Franken. Der Generalversammlung soll eine um zehn Prozent höhere Dividende von 32 Franken
je Aktie vorgeschlagen werden. Nach der geplanten Ausgliederung des Agrargeschäfts will
der Konzern auch im Jahr 2000 seine Konzentration auf den Bereich Gesundheit fortsetzen.
Der Pharma-Sektor wolle dabei die Zulassung und Einführung von neuen Medikamenten, unter
anderem für Diabetes, Hormonersatz und Parkinson-Krankheit vorantreiben. Schwerpunkt
bleibe die Forschung im Bereich von Genetik und Biomedizin. Vasella erwartet, bis Mitte
des Jahres die Genehmigung für den New Yorker Börsengang zu erhalten. Die angestrebte
Marktausweitung in den USA, wo Novartis bereits im vergangenen Jahr 50 Prozent seines
Gesamtumsatzes erzielte, soll von einer Aufstockung des Repräsentantennetzes begleitet
werden.
Ministerium informiert über
Kampagne-Kosten
21.02. PZ Die FDP interessiert sich für die Kosten der
Informationskampagne "Dialog Gesundheit", zu der im vergangenen Jahr auch die
Bahntour von Gesundheitsministerin Andrea Fischer gehörte. Mit dem Kommunikationskonzept
"Dialog-Gesundheit" will das Bundesgesundheitsministerium der deutschen
Bevölkerung die Gesundheitsreformgesetze 2000 deutlich machen und um Zustimmung werben.
Allein die Information von Fahrgästen der Bundesbahn hat 345.000 DM gekostet, erklärte
das Ministerium auf Anfrage des FDP-Gesundheitsexperten Dieter Thomae. Für eine
Veranstaltung in einem Theater hat das Ministerium 21 300 DM gezahlt. Und der Zirkus
konnte sich nach einem Auftritt der Ministerin Andrea Fischer über einen Geldsegen von
99.400 DM erfreuen.
Betriebskrankenkassen mit guter
Bilanz
17.02. PZ. Die Leistungsausgaben der Betriebskrankenkassen (BKK)
sind 1999 insgesamt gesunken, die für Arzneimittel sind gegen den Trend angestiegen. Je
BKK-Mitglied betrug der Zuwachsbei Medikamenten im Westen 5 Prozent und in den neuen
Ländern 3 Prozent. In keinem anderen Leistungsbereich haben die Ausgaben auch nur
annähernd so stark zugelegt. Das geht aus heute in Berlin vorgelegten Hochrechnung des
BKK-Bundesverbandes hervor, die auf den Daten von 43 Prozent aller BKK-Mitglieder beruht.
Es handelt sich um die erste vorläufige Ausgaben-Einnahmen-Rechnung einer Kassenart für
das Gesamtjahr 1999. Insgesamt kommen die BKKen auf eine positive Bilanz. Die
beitragspflichtigen Einnahmen je Mitglied sind im Westen um 2,4 Prozent und im Osten um
1,7 Prozent gestiegen. Dagegen schrumpften die Leistungsausgaben insgesamt in West und Ost
um 2 Prozent. Die Ausgaben für die Krankenhausbehandlung gingen rapide zurück. Im Westen
betrug das Minus 7, im Osten 3,5 Prozent. Für Arzthonorare in der ambulanten Versorgung
wurden im Westen 1,1 Prozent mehr aufgewendet als 1998. Im Osten kam es dagegen zu einem
Rückgang um 3 Prozent. Geschrumpft sind auch die Leistungsausgaben für die häusliche
Krankenpflege, und zwar um 7,5 (West) und 15 Prozent (Ost). Für Heil- und Hilfsmittel
gaben die BKKen in West und Ost gleichermaßen 5 Prozent weniger aus als 1998. Angesichts
der günstigen Finanzentwicklung rechnen die BKKen auch im laufenden Jahr mit stabilen
Beitragssätzen.
Lipidsenker contra Ballondilatation
17.02. PZ. Eine aggressive Lipid senkende Therapie kann bei
Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße das Risiko ischämischer Komplikationen
deutlicher senken als eine Ballondilatation der Gefäße (PTCA). Dieses Ergebnis der
AVERT-Studie stellte Dr. Adrian J. van Boven vom University Hospital Groningen in München
vor. 341 Patienten mit LDL-Cholesterol-Werten über 115 mg/dl erhielten entweder
Atorvastatin 80 mg/d oder wurden invasiv behandelt. Das Statin reduzierte die LDL-Spiegel
um 46 Prozent. Das Risiko eines ischämischen Zwischenfalls wie Revaskularisierung,
Bypass-Operation oder Krankenhausaufenthalt sank um 36 Prozent gegenüber der PTCA-Gruppe.
Außerdem traten diese klinischen Ereignisse deutlich später auf. Die Statine können das
Plaque-Wachstum in den Arterien verlangsamen und die Plaques stabilisieren, sagte van
Boven. Nach seiner Einschätzung könnten etwa 15 Prozent der invasiven Eingriffe durch
Medikamente vermieden werden. Obwohl die Studie klein ist und nur über 18 Monate lief,
sollten ihre Ergebnisse Ärzte und Patienten motivieren zu einer medikamentösen Therapie
der KHK, die weniger gefährlich und kostengünstiger ist als die Ballondilatation,
kommentierte Professor Dr. Peter Schwandt vom Klinikum Großhadern in München.
Sonntags zum Netz-Arzt
17.02. dpa. Im westfälischen Herdecke gehen Patienten am
Wochenende bei kleinen Notfällen zum Arzt und nicht ins Krankenhaus. Ein Modellversuch
soll innerhalb von acht Jahren Aufschluss geben, ob Kassen, Ärzte, Klinken und Patienten
von Vernetzungen im Gesundheitsbereich profitieren können. Beteiligt am "Modell
Herdecke" sind 29 Ärzte und das Gemeinschaftskrankenhaus, berichtete am Donnerstag
der Ersatzkassenverband in Siegburg. Die Bürger werden durch Broschüren und
Medienberichte auf die neuen Möglichkeiten hingewiesen. Ob sie tatsächlich sonntags mit
einem gebrochenen Finger oder dem kranken Baby eher zum niedergelassenen Arzt als ins
Krankenhaus gehen, sei allerdings noch ungewiss. Mit Qualitätszirkeln, in denen die
"Netz-Ärzte" und das Krankenhaus ihr Spezialwissen austauschen, soll die
Versorgung verbessert werden. Für Einsparungen bei Ärzten und Klinik sowie für Vorteile
auf Patientenseite sorgen enge Kooperationen. In der Klinik stehen teure Großgeräte für
alle zur Verfügung. Voruntersuchungen bei den niedergelassenen Ärzten werden nur einmal
gemacht. Blutabnahmen oder Röntgen müssen nicht wiederholt werden. Der Patient bekommt
alles im ausführlichen Patientenbrief mit auf den Weg. Wissenschaftlich begleitet wird
der Modellversuch vom Göttinger AQUA-Institut. Die erste Zwischenbilanz wird in zwei
Jahren erwartet.
Phytos müssen sich beweisen
16.02. PZ. Auf Initiative des Bundesverbandes der
Pharmazeutischen Industrie (BPI) und der Barmer Ersatzkasse (BEK) hat ein Expertengremium
Transparenzkriterien erarbeitet, nach denen Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen
beurteilt werden können. In einem Modellvorhaben sollen jetzt die Präparate, die diese
Kriterien erfüllen, auf Wirtschaftlichkeit und Nutzen untersucht werden. Wie
BEK-Vorstandsvorsitzender Dr.Eckart Fiedler auf einer Pressekonferenz in Frankfurt
erläuterte, stand für seine Krankenkasse die Unterscheidung von wirksamen und
wirkungslosen Präparaten im Vordergrund: "Wir bejahen die grüne Medizin, aber sie
muss wissenschaftlich belegt sein." Dem pflichtete der BPI-Vorsitzende Professor Dr.
Hans Rüdiger Vogel bei: "Unsere Produkte können nur Bestand haben, wenn sie
internationalen Kriterien genügen." Gleichzeitig kritisierte er aktuelle Versuche,
die aufgestellten Transparenzkriterien als Basis für eine Positivliste zu nutzen. Bislang
sei lediglich der erste Teil des Projektes abgeschlossen. Erst nach dem Ende des
Modellvorhabens sei eine endgültige Bewertung möglich. Nach Auskunft von Professor Dr.
Barbara Sickmüller, BPI, soll das Modellvorhaben im zweiten Halbjahr 2000 anlaufen. Die
Barmer Ersatzkasse sucht zurzeit eine Kassenärztliche Vereinigungals Partner. Verglichen
werden die Therapieerfolge von Ärzten, die vornehmlich chemische Arzneimittel verordnen,
mit denen von Ärzten, die häufig Präparate der anderen Therapierichtungen einsetzen.
Erste Ergebnisse werden zur Jahresmitte 2001 erwartet.
BVG erlaubt Frischzellentherapie
16.02. dpa. Sanatorien dürfen ihre Patienten auch weiterhin mit
der so genannten Frischzellentherapie behandeln. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hob in
einem am Mittwoch verkündeten Urteil das 1997 erlassene Verbot der einstmals populären
Verjüngungskur auf. Eine entsprechende Verordnung der Bundesregierung sei nichtig, weil
nicht der Bund, sondern die Länder dafür zuständig seien, so die Karlsruher Richter.
Begründung: Die aus den Feten von Schafen gewonnenen Frischzellen würden nicht wie ein
Medikament bundesweit über Apotheken in Verkehr gebracht - nur dies könnte der Bund nach
dem Grundgesetz verbieten. Sie würden vielmehr innerhalb des Sanatoriums hergestellt und
dort zur Heilbehandlung in einem begrenzten Wirkungskreis eingesetzt. Damit gab das
Gericht den Verfassungsbeschwerden von vier Ärzten aus Bayern und Rheinland-Pfalz wegen
Verletzung ihrer Berufsfreiheit statt. Die seit Jahrzehnten praktizierte
Frischzellentherapie war 1997 unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer
(CSU) wegen möglicher Gefahren für die Gesundheit der Patienten untersagt worden. Eine
medizinische Wirksamkeit habe nicht festgestellt werden können, hieß es damals. Dagegen
bestehe das Risiko von Infektionen und Überempfindlichkeitsreaktionen. Bundesweit
arbeiten noch rund zehn Sanatorien mit der Verjüngungskur.
SmithKline steigert Gewinn um 13
Prozent
16.02. dpa. Die beiden britischen Pharmakonzerne
SmithKline Beecham und Glaxo Wellcome, die im April fusionieren wollen, haben sich am
Mittwoch bei der Vorlage ihrer Geschäftsberichte in London zuversichtlich zu den
Aussichten im laufenden Jahr gezeigt. mithKline Beecham legte eine Steigerung des
Vorsteuer-Gewinns um 13 Prozent auf 1,94 Milliarden Pfund (6,2 Milliarden DM) vor. Wie der
scheidende Vorstandsvorsitzende Jan Leschly am Mittwoch in London mitteilte, stieg der
Umsatz auf 8,38 (8,08) Milliarden Pfund. Vorstandschef Sir Richard Sykes sagte, der Umsatz
sei um sechs Prozent auf 8,49 Milliarden Pfund gewachsen. Dabei stiegen die Verkäufe im
zweiten Halbjahr stärker als im ersten. Im laufenden Jahr rechnet Glaxo Wellcome auf
einer Reihe von Märkten mit der Einführung wichtiger neuer Arzneimittel. So stehe die
Markteinführung eines neuen Asthmamittels (Seretide) in Italien, Frankreich und den USA
bevor. Auch mit einer neuen Dreifach-Kombination von Medikamenten gegen HIV (Trizivir)
werde man in der zweiten Jahreshälfte in den USA auf den Markt gehen. Mit einer
Zweifach-Kombination von Epivir und Retrovir (Combivir) gegen HIV erreichte Glaxo im
vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von 71 Prozent auf 454 Millionen Pfund. Bei
SmithKline stieg der Absatz von Medikamenten 1999 um zwölf Prozent. Mit dem neuen
Diabetes-Mittel Avandia wurden in den ersten sieben Monaten auf dem Markt bereits 91
Millionen Pfund umgesetzt.
Lungenschleimhaut für
Arzneimitteltests
15.02. dpa. Mit einer gezüchteten Lungenschleimhaut wollen
saarländische Forscher Tierversuche ersetzen. Pharmazeuten der Universität des
Saarlandes ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, aus menschlichen Zellen eine
künstliche Lungenschleimhaut im Labor herzustellen. Damit könnten Forscher bei Tests
für neue Medikamente wie etwa einem Insulin-Spray für Diabetiker weitgehend ohne
Tierversuche auskommen, sagte der Leiter der Fachrichtung Biopharmazie und Pharmazeutische
Technologie an der Saar-Universität in Saarbrücken, Professor Dr. Claus-Michael Lehr, am
Dienstag. Die menschlichen Zellen stammen von im Krankenhaus behandelten Patienten, sagte
Lehr. Auch für die Magen/Darmschleimhaut und die Haut selbst gibt es inzwischen
Zellkulturmodelle. Vom 23. Februar bis 3. März werden etwa 100 Pharmazeuten und Mediziner
zu einem Internationalen Workshop über Ersatzmethoden für Tierversuche an der Saar-Uni
in Saarbrücken erwartet.
In Deutschland 90.000
Herzinfarkt-Tote
15.02. dpa. An einem Herzinfarkt sterben in Deutschland
jährlich rund 90.000 Menschen. Darauf hat der Herzspezialist Professor Dr. Peter Schwandt
vom Universitätsklinikum München-Großhadern am Dienstag hingewiesen. Zugleich forderte
er die Bereitstellung von mehr Geld für entsprechende Präventionsprogramme. Die USA
hätten durch entsprechende Programme die Zahl der tödlichen Herzinfarkte in den
vergangenen Jahren halbieren können, in Deutschland jedoch bewege sie sich weiter auf
hohem Niveau. Die großen Risikofaktoren seien Rauchen, Alkohol, fettreiche Ernährung,
wenig Bewegung, hoher Blutdruck sowie Übergewicht, betonte Schwandt. Nach Eindämmung
dieser Risikofaktoren sei es nach neueren Studien auch in Finnland gelungen, die Zahl der
tödlichen Herzinfarkte um mehr als 40 Prozent zu senken. "Aufklären, aufklären,
aufklären" müsse deshalb auch in Deutschland die Devise lauten. Es sei
"Unsinn", wenn der Herzinfarkt immer als typische Managerkrankheit dargestellt
werde, erklärte Schwandt. Besonders gefährdet seien auch Frauen nach der Menopause sowie
Diabetiker. Bei Frauen über 65 Jahre sei der Herzinfarkt in den USA die häufigste
Todesursache.
Vitamine: Dosisempfehlungen für
Herzpatienten
15.02. PZ. Der allgemeine Hinweis für Patienten mit
Herzerkrankungen "auf die Vitamine zu achten" ist nur bedingt hilfreich.
Konkretere Angaben macht eine amerikanische Arbeitsgruppe. Amerikanische Wissenschaftler
um Professor Dr. Alexandra K. Adams von der medizinischen Universiät Wisconsin geben
Vitamin-Empfehlungen für Patienten mit Herzkrankheiten wie Angina pectoris und
Herzrhythmusstörungen oder nach einem Herzinfarkt: täglich 400 I. E. Vitamin E und 500
bis 1000 Milligramm Vitamin C. Für diese Dosierungen plädieren die Mediziner, nachdem
sie Erkenntnisse aus mehreren Studien zu Vitaminen und Herz-Kreislauf-Krankheiten
analysiert haben. Die Metaanaylse brachte bei obengenannten Dosierungen die besten Effekte
zu Tage. Schon länger ist bekannt, dass Personen, die sich ausgewogen ernähren und viel
Obst und Gemüse essen, seltener Herzprobleme bekommen. In jüngster Zeit gibt es
außerdem Hinweise, dass zusätzliche Vitamine gezielt vor Herzkrankheiten schützen
können, beziehungsweise einen protektiven Effekt haben bei Personen, die von einer
Herzkrankheit betroffen sind. Diese Erkenntnis konnten die amerikanischen Wissenschaftler
nun quantifizieren.
Gewinneinbruch bei Schwarz Pharma
15.02. dpa. Rückläufige Umsätze in den USA und die Trennung
vom Generika-Geschäft haben die Gewinne der Schwarz Pharma 1999 einbrechen lassen. Das
Ergebnis vor Steuern sei um 38 Prozent auf 115 Millionen DM geschrumpft, teilte das
Unternehmen aus dem rheinischen Monheim am Dienstag in einem Aktionärsbrief mit. Der
Vorstand kündigte an, die Dividende auf 0,50 DM zu kürzen (Vorjahr: 2,50 DM). Durch eine
Bonusdividende von 1,50 DM aus dem Verkauf des Generika-Geschäfts wird der Ausfall für
die Aktionäre allerdings nicht so hoch sein. Der Jahresüberschuss schrumpfte den Angaben
zufolge um 86 Prozent auf 16 Millionen DM. Diese Entwicklung begründete die Schwarz
Pharma AG mit steuerlich nicht abzugsfähigen Teilwertabschreibungen in den USA. Dabei
sprach das Unternehmen von einmaligen Effekten. Bereits im Herbst vergangenen Jahres habe
Schwarz Pharma die negative Ertragsentwicklung angekündigt. Zuwächse verzeichnete das
Unternehmen dagegen beim Umsatz: Die Erlöse kletterten bereinigt um Akquisitionen und
Verkäufe um 4,6 Prozent auf 1,4 Milliarden DM. Dabei stiegen die Umsätze in Deutschland
mit ein Prozent nur unterdurchschnittlich. Knapp 900 Millionen DM erwirtschaftete das
Unternehmen auf den internationalen Märkten.
Tamol hemmt die
Histamin-Ausschüttung
14.02. PZ Der synthetische Gerbstoff Tamol hemmt in vitro die
Ausschüttung von Histamin aus Mastzellen. Das meldet der Hersteller Galderma unter
Berufung auf eine im Wissenschaftsmagazin "Allergy" erschienene Studie von
Wissenschaftlern aus der Hautklinik der Humboldt-Universität Berlin. Tamol
(Phenolsulfonsäure-Phenol-Harnstoff-
Methanal-Kondensat, Natriumsalz, zum Beispiel in Tannolact®)
entfalte seine Wirkung dosisabhängig und hemme Mastzellen stärker als gleiche
Konzentrationen von Dexamethason. Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Experimente
Mastzellen aus gesunder menschlicher Brusthaut und regten diese mit IgE zur
Histaminausschüttung an. "Tamol reduziert die freigesetzte Histaminmenge um bis zu
40 Prozent im Vergleich zu unbehandelten Zellen", berichtete Professor Dr. Ulrich
Mrowietz von der Universitätshautklinik Kiel. Allerdings mussten die Zellkulturen mit dem
Gerbstoff vorbehandelt werden. Nach Angaben von Galderma liefert die Studie eine
Erklärung für die Juckreiz-stillende Wirkung von Tamol.
RKI beklagt Impfstatus bei
Fernreisen
14.02. dpa. Zu wenig Fernreisende sind nach Einschätzung des
Robert Koch-Instituts (RKI) Berlin korrekt gegen Gelbfieber und Malaria geimpft. Zu diesem
Ergebnis kommt das Institut nach Befragung von knapp 800 Auslandsreisenden, die in den
vergangenen drei Jahren in Afrika, Süd- und Mittelamerika sowie Asien waren. Einen
Impfschutz gegen Gelbfieber und Malaria hatte nur ein Drittel von ihnen. Das Institut
forderte am Montag in der jüngsten Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins, auch den
Schutz gegen Hepatitis A (Gelbsucht) stärker zu propagieren. Die Befragung von
Fernreisenden erfolgt im Rahmen einer bundesweiten Gesundheitsstudie von 1998, für die
insgesamt 7 124 Bundesbürger im Alter zwischen 18 und 79 Jahren repräsentativ
ausgewählt worden waren. Elf Prozent von ihnen gaben an, vor allem nach Tunesien, in die
Dominikanische Republik und nach Thailand gereist zu sein. 28 Prozent der 783
Weltreisenden hatten angegeben, dabei leichtere gesundheitliche Probleme gehabt zu haben,
vor allem Durchfall. Einer sei mit Malaria zurückgekommen. Überraschend sei für das
Institut gewesen, dass diese Personen in der Regel besser gegen Tetanus und Poliomyelitis
geimpft waren als der Rest der Bevölkerung. RKI-Experten vermuten, dass eine Fernreise
öfter mal zum Anlass genommen wird, bei einer Reiseimpfung zusätzlich die üblichen
Schutzimpfungen aufzufrischen.
BASF-Pharma soll profitabler werden
14.02. dpa. Die Pharmasparte des Chemiekonzerns BASF soll nach
der grundlegenden Neuorganisation wesentlich profitabler werden. Ziel sei eine Steigerung
der Umsatzrendite um 15 bis 20 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre, sagte das BASF
AG-Vorstandsmitglied Eggert Voscherau am Montag in Ludwigshafen. Für die Zukunft der im
internationalen Vergleich eher kleinen Pharmasparte halte sich die BASF alle
"denkbaren Optionen" offen. Momentan jedoch sei ein Verkauf nicht geplant:
"Wir wollen BASF Pharma, und wir wollen BASF Pharma erfolgreich." Der Umsatz der
Pharmasparte stieg vorläufigen Zahlen zufolge im vergangenen Jahr von 2,3 Milliarden auf
etwa 2,5 Milliarden Euro (5 Milliarden DM). Nach Umsatz her habe BASF Pharma 1998
international auf Rang 22 gelegen. Noch in diesem Jahr will die BASF eine Holding
gründen, in der das Pharmageschäft unter einem Dach gebündelt wird. Ertrag und Ergebnis
vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen seien 1999 um je ein Drittel gestiegen, sagte
Thorlef Spickschen, der Chef des neuen Leitungsgremiums. 1998 hatte das Vorsteuerergebnis
bei knapp 345 Millionen Euro gelegen, das Betriebsergebnis bei 75 Millionen Euro. Fünf
Erfolg versprechende Medikamente sollen bis 2003 auf den Markt kommen. Besondere Hoffnung
setzen die Manager auf ein "D2E7" betiteltes Mittel gegen Arthritis, dessen
Umsatzpotenzial nach der für 2002 geplanten Einführung jährliche Umsätze 400 bis 600
Millionen Euro erreichen soll. Als "enttäuschend" bewertete Voscherau das
Abschneiden der Anti-Adipositaspille Sibutramin (Meridia/Reductil), die sich 1999
schlechter verkaufte als das Roche-Konkurrenzprodukt Xenical.
Harte Linie gegen Abrechnungsbetrug
11.02. PZ. Ein hartes Vorgehen gegen Abrechnungsbetrug kündigte
ABDA-Präsident Hans-Günter Friese am Freitag in Eschborn an. Friese reagierte
damit auf einen Beitrag des Fernsehmagazins Panorama, in dem über vereinzelte
Abrechnungsbetrügereien durch Apotheken berichtet wurde. Die zuständige Apothekerkammer
habe bereits vor zwei Wochen Strafanzeige gegen diese Apotheker erstattet, die
Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich die Ermittlungen aufgenommen. Der ABDA-Präsident
zeigte sich bestürzt darüber, dass einzelne Apotheker im Verdacht stünden, Betrug zu
Lasten der Krankenkassen begangen zu haben. Ohne eine Vorverurteilung vornehmen zu wollen,
kündigte er an, dass die Selbstverwaltung der Apotheker alles tun werde, um derartige
Vorfälle zu ahnden und für die Zukunft auszuschliessen. Friese: "Die Apotheker
geniessen zu recht ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung und bei unseren
Vertragspartnern. Sollte es tatsächlich zu dem berichteten Abrechnungsbetrug gekommen
sein, würde dies nicht nur die Solidargemeinschaft der Versicherten schädigen, sondern
auch das Ansehen des gesamtem Apothekerberufes. Das werden wir nicht hinnehmen."
Friese erklärte weiter, dass auch die Apothekerkammern sich bereits mit diesem Problem
befassen. Er sagte zu, dass jeder einzelne Verdachtsfall berufsrechtlich überprüft
werde. Apothekern, die eines Betruges überführt würden, drohten neben der allgemeinen
Rechtsprechung durch Strafgerichte berufsrechtliche Sanktionen, die bis zum Entzug der
Approbation reichen können.
Phoenix-Umsatz deutlich gestiegen
11.02. PZ. Um 17 Prozent auf 15 Milliarden DM ist der
Konzernumsatz des Mannheimer Pharmagroßhändlers Phoenix im Geschäftsjahr 1999/2000 (31.
Januar) voraussichtlich angestiegen. Phoenix bewertet die prognostizierte Entwicklung im
In- und Ausland als unerwartet positiv. Aufgrund einer "spürbaren
Effizienzsteigerung" soll auch in allen Bereichen ein deutlicher Ergebniszuwachs
erreicht worden sein. Wie es weiter heißt, haben die Gesellschafter von Phoenix kürzlich
eine weitere Kapitalerhöhung von 80 Millionen DM gezeichnet, um das weitere Wachstum in
Europa zu finanzieren. 1999 wurde das Kapital bereits um 96 Millionen DM erhöht.
Zurückhaltend beurteilt Phoenix die Marktaussichten in Deutschland für das laufende
Geschäftsjahr aufgrund der gesundheitspolitischen Regierungspläne.
Kritik an Kombipräparaten
11.02. dpa. In Deutschland werden jährlich etwa 30.000 Menschen
wegen medikamenteninduzierter Kopfschmerzen stationär behandelt. Der Kieler
Schmerzforscher Professor Dr. Hartmut Göbel gibt daran Kombipräparaten eine wesentliche
Mitschuld. Die dauerhafte Einnahme ungünstig zusammengesetzter Medikamente könne sehr
schnell dazu führen, dass der Körper zur Gegenregulation die Schmerzempfindlichkeit
immer mehr steigere. Auffällig sei, sagte Göbel, dass es Medikamente gebe, die sehr
schnell zum Dauerschmerz führten, andere jedoch nicht. Nach seiner Kenntnis gibt es drei
sinnvolle Substanzen zum Abbau des Kopfschmerzes: Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und
Paracetamol. "Wir finden keine Patienten, die eines dieser Monopräparate nehmen und
Dauerkopfschmerz haben", sagte der Chefarzt der Klinik für
neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie in Kiel. Ein Schmerzmittel
sollte nach den Erfahrungen der Schmerzklinik Kiel maximal an zehn Tagen im Monat genommen
werden. "Der Körper regelt die Schmerzempfindlichkeit dann nicht selbstständig
hoch, lautet die "Kieler Regel", wie Göbel sie nennt.
Kassen schlagen neue Festbeträge
vor
10.02. PZ. Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben
beschlossen, ein Anhörungsverfahren für weitere Festbeträge einzuleiten. Betroffen sind
davon 100 Präparate mit 300 Fertigarzneimittelpackungen auf die jährlich 720.000
Verordnungen mit einem Umsatzvolumen von zirka 110 Millionen DM entfallen. Das
Einsparvolumen der vorgeschlagenen Festbeträge beziffern die Kassenverbände auf 16
Millionen DM. In der Stufe 1 (Arzneimittel mit denselben Wirkstoffen) handelt es sich um
Amantadin mit den Anwendungsgebieten Parkinson und Virusgrippe, für den erstmals ein
Festbetrag vorgeschlagen wird (Standardpackung, Wirkstärke(n) bzw.
äquivalenzfaktor 100, Packungsgröße 100, Festbetrag 51,90 DM). In der Stufe 2
werden Festbeträge für Beta-sympathomimetische Antiasthmatika der Gruppen 4 und 6
vorgeschlagen. In der Stufe 3 ist eine Gruppe von nicht näher benannten
Parkinsontherapeutika betroffen. Im Anhörungsverfahren zwischen Mitte Februar und Mitte
März können auch die Berufsvertretungen der Apotheker zu den Vorschlägen Stellung
nehmen. Die endgültige Entscheidung wollen die Kassenverbände voraussichtlich im Mai
treffen.
Enzym soll vor Hautkrebs schützen
10.02.dpa. Hoffnung für Sonnenanbeter: Forscher der
Düsseldorfer Universität haben in Zusammenarbeit mit niederländischen Kollegen eine
neue Enzymtherapie gegen Hautkrebs entwickelt. In Kombination mit herkömmlichen
Sonnencremes schütze sie die Haut vor der UVB-Strahlung und könne gleichzeitig bereits
entstandene Schäden an der Erbsubstanz teilweise reparieren, berichtete der Dermatologe
Professor Dr. Jean Krutmann am Donnerstag in Düsseldorf. Grundlage der neuen Therapie sei
das Enzym Photolyase, das beispielsweise bei Algen oder Beuteltieren vorkomme, beim
Menschen aber nicht, so der Forscher. Krutmann hält es für wahrscheinlich, dass schon in
absehbarer Zeit das Enzym Photolyase in herkömmlichen Sonnencremes und Pflegemitteln
zugesetzt wird.
Gehe übertrifft eigene
Umsatzerwartung
10.02. dpa. Europas führender Pharmagroßhändler Gehe hat die
eigenen Umsatz- und Ergebnisprognosen für 1999 weit übertroffen. Das Konzernergebnis vor
Steuern und vor außerordentlichen Erträgen stieg um 15 Prozent auf rund 260 Millionen
Euro. Der Umsatz betrug nach vorläufigen Zahlen 13,8 Milliarden Euro (27 Milliarden DM).
Das berichtete die Gehe AG am Donnerstag in Stuttgart. Mit dem Vorjahresumsatz von 25,4
Milliarden DM sei diese Zahl nicht vergleichbar, weil Gehe zur Jahresmitte den
Versandhandel ausgegliedert und später als Takkt AG an die Börse gebracht habe. Auch den
Geschäftsbereich Gesundheitsdienste hatte der Konzern im vergangenen Jahr verkauft. Im
Kerngeschäft Pharmadistribution steigerte Gehe den Umsatz auch dank Zukäufen um mehr als
10 Prozent. Das Ergebnis wuchs um 14 Prozent. Der Zuwachs sei in einem schwierigen
gesundheitspolitischen Umfeld trotz einer weiter verschärften Wettbewerbslage vor allem
in Europa gelungen, hieß es. Der Konzern hält in Deutschland nach früheren Angaben
einen Marktanteil von 20 Prozent im Handel mit Arzneimitteln. Mit fast 1.400 Apotheken ist
er nach eigenen Angaben auch Europas größte Apothekenkette.
Test ermittelt erbliches
Thromboserisiko
09.02. dpa. Das Thromboserisiko bei schwangeren Frauen ist mit
einem in Düsseldorf entwickelten Test erstmals genau abschätzbar. Das berichtet das
"New England Journal of Medicine" in seiner neuesten Ausgabe vom Donnerstag.
Einem Forscherteam der Universität sei es gelungen, die individuelle Thrombosegefährdung
durch eine genetische Analyse exakt zu berechnen. Komplikationen mit einer Thrombose
stellen die häufigste Todesursache in der Schwangerschaft dar. Eine Studie an der
Universität Düsseldorf mit 352 Frauen hatte ergeben, dass bei bestimmten genetischen
Voraussetzungen die Thrombosegefährdung über hundert mal höher ist als im Normalfall.
Die betreffenden genetischen Risikofaktoren kommen nach Angaben der Düsseldorfer
Wissenschaftler in Europa relativ häufig vor. In Zukunft ließe sich bei erblich
vorbelasteten Risikogruppen eine gezielte Diagnostik machen.
Ärztechef kritisiert
Cannabis-Urteil
09.02. dpa. Cannabis-Drogen sind nach Ansicht des Vorsitzenden
der Ärzteorganisation Marburger Bund, Dr. Frank Ulrich Montgomery, als Medikament wenig
geeignet. Er halte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum medizinischen
Einsatz von Cannabis- Drogen wie Marihuana und Haschisch für wenig hilfreich, sagte er am
Mittwoch in einem dpa-Gespräch. "Die Entscheidung ist ein leeres Blatt Papier, das
den Betroffenen nichts nützt." Die schwer zu erlangende Sondergenehmigung beim
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sei gerade akut kranken Menschen
nicht zuzumuten. "Cannabis-Produkte sind häufig verunreinigt und in ihrer Wirkung
schwer zu dosieren und zu kontrollieren", sagte Montgomery. Er empfahl dagegen, das
US-Medikament "Marinol" schwer kranken Aids- oder Krebspatienten auch in
Deutschland zur Verfügung zu stellen. Es enthalte wie Marihuana den Cannabis-Wirkstoff
Tetrahydrocannabinol (THC) und sei gut zu handhaben. "Marinol ist eine echte
Alternative, die man sauber dosieren kann", betonte der Mediziner. Bisher kann das
teure Medikament aus den USA bezogen werden. Nach einem am Dienstag veröffentlichten
Beschluss der Karlsruher Richter können Patienten beim Bundesinstitut für Arzneimittel
und Medizinprodukte beantragen, dass ihnen der Einsatz von Cannabisprodukten - aus der
Hanfpflanze werden Haschisch und Marihuana hergestellt - zu medizinischen Zwecken
gestattet wird.
Immer mehr Brillenträger
09.02. dpa. Rund 61 Prozent der Menschen ab 16 Jahren in
Deutschland tragen eine Brille. Ein Grund für die Zunahme sei die verstärkte
Bildschirmarbeit, sagte Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach am
Mittwoch in Köln bei der Präsentation der neuen Studie "Sehbewusstsein der
Deutschen - Klarer Blick für Zeit und Raum". 1952 habe der Anteil der Brillenträger
bei 43 Prozent gelegen. Seit 1952 erstellt Allensbach die Studie im Auftrag des
Kuratoriums "Gutes Sehen" alle drei Jahre. Der Anteil der Brillenträger sei in
den vergangenen 50 Jahren in allen Altersgruppen angestiegen, überdurchschnittlich jedoch
bei den Jüngeren, sagte Schulz. In der Gruppe der 21- bis 29-Jährigen sei die Quote von
13 Prozent auf 31 Prozent gestiegen. 1,9 Millionen Menschen tragen außerdem
Kontaktlinsen. Gut 78 Prozent der Menschen hätten sich während der vergangen drei Jahre
wenigstens einer Augenuntersuchung unterzogen, sagte Schulz und schloss damit auf ein
"gestiegenes Sehbewusstsein". Für die Allensbach-Studie wurden Ende 1999 rund
20.000 Menschen befragt.
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