| Daniela Hüttemann |
| 06.10.2026 12:00 Uhr |
Zum Abschluss des Führungskompetenzen-Seminars warfen die Teilnehmenden mit ihren Werten nur so um sich. / © PZ/Daniela Hüttemann
»Führung lernen wir nicht im Pharmaziestudium, in eine Führungsrolle wächst man hinein«, erklärte Dr. Julia Potschadel. Die Apothekerin leitet die Apotheke der Kliniken der Stadt Köln und ist zugleich unter anderem Kommunikations- und Führungstrainerin. Bei zwei Seminaren der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe Ende September auf Langeoog half sie rund 50 Apothekerinnen und Apothekern dabei, ihre eigenen Führungskompetenzen zu benennen und zu stärken.
Dr. Julia Potschadel setzte ihre Botschaften auch grafisch um. / © PZ/Daniela Hüttemann
»Gute Führung beginnt mit der eigenen Haltung«, so Potschadel. »Wir haben einen inneren Kompass, der uns leitet, auch unter Stress.« Diesen Wertekompass ermittelten die Teilnehmenden für sich. Zunächst galt es, aus einer Auswahl von 27 Werten fünf zu bestimmen, die einem für die Apotheke wichtig sind, darunter Werte wie Klarheit, Mut, Ordnung, Fairness, Wertschätzung und Freiheit. »Manche passen gut zusammen, andere stehen im Widerspruch«, erklärte die Referentin. Auch könnten die eigenen Werte in Bezug auf die Arbeit und das Privatleben variieren.
Als Nächstes sollten die Teilnehmenden sich überlegen, welche drei Werte davon für sie unverzichtbar sind und in die eigene Führungsrolle und den Arbeitsalltag einfließen sollen. »Es sind die Werte, nach denen man entscheidet und die das Team spüren soll«, so Potschadel. »Es wird darunter einen Wert geben, der dein Leitwert ist und nie fehlen darf, in jeder Situation deine Arbeit, deine Entscheidungen und deinen Umgang mit Kollegen prägen soll.«
Als Nächstes sollten die Teilnehmenden sich fragen, was ihr Leitwert ist, was dieser für die eigene Führungsrolle bedeutet und vor allem, wie er für das Team erlebbar wird. »Wenn man seinen Leitwert kontinuierlich lebt, gibt das auch dem Team Orientierung.«
Verlässlichkeit, Respekt, Gelassenheit und Vertrauen waren Beispiele für Leitwerte der Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer. Es gab viel Raum für den persönlichen Austausch, gegenseitiges Hinterfragen und Ergänzen. Anschließend diskutierten die Teilnehmenden verschiedene Problemstellungen, die sie aus ihren Apothekenteams mitbrachten. Dazu gab Potschadel Tipps und verschiedene Modelle an die Hand, wie Kommunikation besser gelingen kann.
Zum Thema, wie man sich selbst motivieren kann, hatten die Teilnehmenden zur Freude von Seminarleiterin Corinna Bäck zahlreiche Ideen. / © PZ/Daniela Hüttemann
Um Motivation ging es in den Seminaren von Corinna Bäck, die seit vielen Jahren hauptberuflich Apothekenteams coacht. Andere zu motivieren, habe jedoch seine Grenzen. »Extrinsische Motivation funktioniert auf Dauer nicht«, so Bäck.
Entscheidend sei, sich selbst zu motivieren, um andere begeistern zu können. Dazu sammelten die Teilnehmenden Beispiele für ihre Kraftquellen, erstellten eine Liste ihrer Stärken und beschäftigten sich ebenfalls mit ihren Werten.
Um andere mitzunehmen, kann man versuchen, sie zu faszinieren und dafür über möglichst viele Sinne anzusprechen. »Wenn ich etwas Neues in der Apotheke einführen möchte, reicht es meist nicht, nur einen Vortrag zu halten«, so Bäck.
Die Mitarbeitenden sollten zudem genügend Spielraum für eigene Ideen, zum Ausprobieren und auch fürs Fehlermachen erhalten. Zudem sollte die Führungskraft realistische und positiv formulierte Ziele setzen.
Motivation habe viel mit Wertschätzung zu tun – die gilt es täglich jedem Mitarbeiter gegenüber zu zeigen. Dazu gehört auch, »richtig« zu loben. »Das heißt zeitnah, individuell auf den Typ bezogen, nicht vergleichend – für den Einzelnen, aber auch das gesamte Team. Das setzt mehr Fokus auf das, was bereits gut läuft.« An diesem Punkt zweifelten die Seminarteilnehmenden zunächst, aber Bäck versicherte, dass sich immer etwas finden lasse und das auch den eigenen Blick auf das Team positiv verändern könne.