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Magenkarzinom
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Oft spät erkannt

Das Magenkarzinom gehört zu den zehn häufigsten Tumorarten in Deutschland. Da es kaum Beschwerden macht, bleibt es oft lange unbemerkt. Erfolgt die Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium, sind die langfristigen Überlebenschancen gering. Für eine bessere Prognose ist eine frühe Erkennung wichtig.
AutorKontaktMarion Hofmann-Aßmus
Datum 14.03.2021  08:00 Uhr

Stadienadaptierte Therapie

Für die Therapieauswahl ist das Stadium des Magenkarzinoms entscheidend (0 bis IV). Es wird anhand der Eigenschaften des Tumors (T), der betroffenen Lymphknoten (N für »node«) und möglicher Metastasen (M) ermittelt (TNM-Klassifikation). Beim Tumor selbst unterscheidet man, ob er die Magenschleimhaut nur oberflächlich infiltriert (T1) oder bereits die darunterliegenden Schichten angegriffen hat (T1a/b, T2, T3, T4a/b).

Die Einteilung der Lymphknoten richtet sich danach, wie viele von Metastasen betroffen sind: entweder keine regionalen Lymphknotenmetastasen (N0), Metastasen in einem bis zwei Lymphknoten (N1), in drei bis sechs (N2) oder in sieben oder mehr Lymphknoten (N3). Fernmetastasen (M) werden nach ihrem Vorhandensein (M1) oder Fehlen (M0) eingeteilt. Anhand dieser Klassifikation lässt sich das Magenkarzinom in die Stadien 0 bis IV unterteilen, wobei die Stadien I, II und III weiter differenziert werden in I A/B/C, II A/B und III A/B/C.

Kurative Therapie

Magenkarzinome in einem frühen Stadium (Frühkarzinome) lassen sich in der Regel durch ein minimal-invasives Verfahren, die endoskopische Resektion, heilen (Grafik 2) (11). Allerdings kommt diese Art des Eingriffs nur für wenige Patienten infrage. Bei Patienten mit Magenkarzinom ist die Teilresektion eher selten, in der Regel wird der Magen vollständig entfernt.

Bei weiteren Stadien, in denen eine Operation (Magenresektion) möglich ist, das heißt das Karzinom noch nicht metastasiert ist, erhalten die Betroffenen vor und nach der Operation eine Chemotherapie (perioperative Chemotherapie). Verglichen mit der alleinigen Operation konnte man so den Anteil an Patienten, die nach fünf Jahren noch leben, deutlich steigern: von 23 auf 36 Prozent (8). Der Vorteil einer perioperativen Chemotherapie zeigte sich auch bei Karzinomen am ösophagogastralen Übergang. Schreitet der Tumor während der Chemotherapie jedoch fort, sollte die präoperative Therapie abgebrochen und zeitnah operiert werden (2).

Für die perioperative Chemotherapie hat sich das FLOT-Schema mit 5-Fluorouracil (5-FU)/Folinsäure/Oxaliplatin/Docetaxel als neuer Standard etabliert gegenüber der früher verwendeten Kombination aus Epirubicin/Cisplatin/5-FU oder Capecitabin (ECF/X). Hintergrund: Mit dem FLOT-Schema verlängerte sich das Gesamtüberleben signifikant von im Median 35 auf 50 Monate (2).

Eine Alternative bietet die Radiochemotherapie vor der Operation. Sie kommt zum Beispiel bei Karzinomen am Übergang von Speiseröhre und Magen zur Anwendung, wenn keine Fernmetastasen vorliegen.

Nach der Operation ist eine Weiterbehandlung nach dem gleichen Schema vorgesehen. Allerdings konnte in Studien nur etwa die Hälfte der Behandelten eine postoperative Chemotherapie erhalten. In der Praxis eignet sich diese vor allem für Menschen, die von der präoperativen Chemotherapie profitiert und diese gut vertragen haben.

Ist eine Operation aufgrund des schlechten Allgemeinzustands nicht möglich, lässt sich die Radiochemotherapie als alleinige Maßnahme einsetzen. Dabei erhalten Patienten mit Magenkarzinom oder mit einem Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs eine Bestrahlung (Dosis: 40 bis 50,4 Gy) plus eine Chemotherapie, die beispielsweise aus Cisplatin/5-FU/Carboplatin/Paclitaxel oder Oxaliplatin/Folinsäure/5-FU (FOLFOX) besteht (9).

Tritt ein neuer Tumor (lokales Rezidiv) im Magen oder in der Kardia auf, sollte ein weiteres Mal operiert werden. Denn in Studien überlebten die Operierten länger als jene ohne erneuten Eingriff (2).

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