| Lukas Brockfeld |
| 31.07.2026 14:30 Uhr |
Eine Apotheke in London. / © Adobe Stock/Kristina Blokhin
Nicht nur die deutschen Apotheken haben mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der diesjährige »Pharmacy Pressures Survey« des englischen Apothekerverbands »Community Pharmacy England« zeigt, dass es auch um die englischen Offizinen nicht gut steht. Demnach machen aktuell etwa 75 Prozent der Apotheken auf der Insel Verluste.
Für die Untersuchung wurden zwischen Februar und April 2026 2900 Apothekeninhaberinnen und -inhaber sowie 900 Mitarbeitende befragt. Dabei zeigte sich, dass im Augenblick nur 14 Prozent der englischen Apotheken profitabel sind. Laut dem Apothekerverband sind dafür vor allem Kürzungen der Mittel aus dem Jahr 2015 verantwortlich; die dadurch entstandene finanzielle Lücke belaufe sich in ganz England auf etwa 2 Milliarden Pfund (aktuell etwa 2,3 Milliarden Euro).
99,7 Prozent der befragten Inhaberinnen und Inhaber gaben an, dass ihre Kosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. 99 Prozent sagten, dass die Erstattungen des staatlichen Gesundheitssystems NHS die Kosten der abgegebenen Arzneimittel nicht deckten. 95 Prozent der Apotheken beklagten steigende Personalkosten, die in 18 Prozent der Apotheken bereits zu Personalabbau führten. Aufgrund der hohen Kosten haben 30 Prozent der Apotheken 2025 ihre Öffnungszeiten verkürzt, 21 Prozent der Apotheken erwarten dies für 2026.
Der wirtschaftliche Druck hat Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten. Laut der erhobenen Daten müssen diese in 73 Prozent der Apotheken länger warten, um sich beraten zu lassen. 83 Prozent der Apotheken sind demnach nicht mehr dazu in der Lage, schnell auf Anrufe oder E-Mails zu reagieren. In 39 Prozent der Apotheken gab das Personal an, dass es nicht so viel Zeit in die Betreuung der Patienten investieren könne, wie es das gern täte.
Auch in England sind Lieferengpässe ein Problem. Laut dem Survey geben 88 Prozent der Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an, dass Patienten wiederholt mehrere Apotheken aufsuchen mussten, um das gewünschte Medikament zu erhalten. Außerdem benötigten 86 Prozent der Apotheken mehr Zeit für die Beschaffung eines Arzneimittels als noch vor einem Jahr.
Der englische Apothekerverband spricht von erschreckenden Ergebnissen. »Es ist äußerst besorgniserregend, das Ausmaß der finanziellen Krise in diesem Sektor zu sehen. Ohne weitere Investitionen werden die Apothekenschließungen anhalten, was sehr beunruhigende Folgen für Patienten und die Öffentlichkeit haben wird und sich direkt auf ihren Zugang zu Medikamenten und Beratung auswirkt«, warnt Janet Morrison, Geschäftsführerin von Community Pharmacy England, in einer Mitteilung des Verbands. Apothekenschließungen beträfen ausgerechnet die Gegenden, in denen die Menschen ohnehin einen schlechten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.