| Brigitte M. Gensthaler |
| 05.02.2026 07:00 Uhr |
Als Nebenwirkungen treten sehr häufig erniedrigte Albumin-Serumwerte, Muskelspasmen, periphere Ödeme und erhöhte Lipidwerte auf. Daher sollen die Plasmalipidspiegel etwa zwölf Wochen nach Behandlungsbeginn bestimmt werden. Bei Jugendlichen und bei übergewichtigen Patienten soll eine engmaschigere regelmäßige Überwachung erwogen werden.
Da Nipocalimab die IgG-Spiegel reduziert, kann das Risiko für Infektionen und die Aktivierung latenter Virusinfektionen wie Herpes zoster ansteigen. Bei einer aktiven Infektion soll der Therapiebeginn bis zu deren Abklingen verschoben werden. Während der Behandlung sind die Patienten auf Symptome einer Infektion zu überwachen. In dieser Zeit wird auch die Gabe von (abgeschwächten) Lebendimpfstoffen nicht empfohlen. Alle anderen Impfstoffe können bei Bedarf jederzeit geimpft werden.
Die Behandlung von schwangeren Frauen mit Imaavy soll nur in Betracht gezogen werden, wenn der klinische Nutzen die Risiken überwiegt. Es ist bekannt, dass maternales IgG in den ersten Tagen nach der Entbindung in der Muttermilch vorhanden ist und bald danach auf niedrige Werte absinkt. Während dieses kurzen Zeitraums kann somit ein Risiko für gestillte Säuglinge nicht ausgeschlossen werden. Anschließend kann die Behandlung von stillenden Frauen mit Nipocalimab in Betracht gezogen werden, sofern der klinische Nutzen die Risiken überwiegt.
Imaavy ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.
Auch wenn der Wirkmechanismus nicht neu ist, kann Nipocalimab vorläufig als Schrittinnovation gewertet werden. Nipocalimab gehört wie die bereits verfügbaren Wirkstoffe Efgartigimod alfa und Rozanolixizumab zu den Substanzen, die gegen den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) gerichtet sind.
Aber in Sachen Zulassungsgebiet hat Nipocalimab derzeit knapp die Nase vorn. Der Antikörper darf als Zusatz zur Standardtherapie für die Behandlung der generalisierten Myasthenia gravis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren zum Einsatz kommen, wenn Autoantikörper gegen AChR oder MuSK vorliegen. Der Konkurrent Rozanolixizumab darf in dieser Indikation – subkutan verabreicht – derzeit nur bei Erwachsenen angewendet werden und Efgartigimod alfa ist sogar nur bei Erwachsenen zugelassen, die Autoantikörper gegen AChR aufweisen.
Ein direkter Vergleich, insbesondere mit Rozanolixizumab, wäre wünschenswert, um zu eruieren, ob einer der beiden Antikörper möglicherweise besser performt oder verträglicher ist. Mehr als einen Schritt voran geht es mit Nipocalimab derzeit nicht.
Sven Siebenand, Chefredakteur