| Cornelia Dölger |
| 20.03.2026 10:00 Uhr |
In Österreich wird im Rahmen eines Pilotprojekts in ausgewählten Apotheken assistierte Telemedizin angeboten. / © Imago/Depositphotos
Das Pilotprojekt der Österreichischen Apothekerkammer sowie der Gesundheitsdienstleister Uniqa Health und Mavie Next läuft bis Ende Juni 2026. Seit Ende Februar nehmen drei Wiener Apotheken daran teil, in diesen Tagen sollen zwölf Apotheken in Wien und Oberösterreich hinzukommen. »Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. Das ist der Ansporn der Apotheker:innen«, erklärt die Österreichische Apothekerkammer gegenüber der PZ. Ziel sei, telemedizinische Arztgespräche in die Abläufe der Apotheke zu integrieren und damit zusätzliche Versorgungsangebote zu schaffen.
Insbesondere für Randdienstzeiten sei das Projekt gedacht. Derzeit werde ApoDoc in Apotheken freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr angeboten, die Beratung finde in einem separaten Raum statt und sei kostenlos für alle Personen, bei denen eine ärztliche, videobasierte Beratung nötig sei. Die Finanzierung für das Pilotprojekt teilen sich demnach die Apothekerkammer und ihre Projektpartner.
»Telemedizinische Angebote in der Apotheke verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich«, so Österreichs Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr. Ziel sei, einen zusätzlichen Zugang zu allgemeinmedizinischer Versorgung zu etablieren. Dafür sollten standardisierte telemedizinische Abläufe in Apotheken entwickelt, erprobt und evaluiert werden. Apotheken entwickelten sich zunehmend »zu integrierten und hybriden Gesundheitsdienstleistern«; die assistierte Telemedizin ergänze die persönliche pharmazeutische Beratung »ideal«.
Begleitend würden neben der Arzneimittelberatung und -abgabe weitere Versorgungsleistungen mit dem Angebot verknüpft, etwa Point-of-Care-Testungen. Gerade hierin sieht die Kammer einen Vorteil gegenüber Telemedizin zu Hause: Die leichte Erreichbarkeit der Apotheke werde mit der medizinischen Expertise von Ärzten verbunden. Es brauche »alltagsnahe Kontaktpunkte«, damit sich solche Angebote etablieren könnten.
Apotheken komme dabei eine besondere Rolle zu, heißt es von der Kammer. Sie seien niedrigschwellige, häufig genutzte Anlaufstellen für die Menschen, die Apothekenteams genössen zudem hohes Vertrauen der Bevölkerung – mit 92 gegenüber 86 Prozent laut einer Kammerumfrage sogar noch höheres als Ärztinnen und Ärzte. Es gelte nun, in realen Versorgungssituationen Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu entwickeln.
Und auch wenn erst wenige Wochen seit dem Start ins Land gegangen sind: Das Angebot werde durchweg positiv angenommen, so eine erste Bilanz der Kammer. In der Pilotphase lege man den Fokus auf die Feinjustierung der Prozesse und deren Einbindung in die bestehenden Abläufe. »Alle Personen, die das Angebot bislang in Anspruch genommen haben, bewerten dieses äußerst positiv.« Dies seien gute Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung. Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation übernehme das Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU).
Und nach der Pilotphase? Credo müsse sein, dass die assistierte Telemedizin nicht als »Innovation« gelabelt, sondern in den Versorgungsalltag integriert werde. Essenziell für das Gelingen sei freilich die Finanzierung; neben den ärztlichen Ressourcen und der technischen Komponente müsse auch die Infrastruktur der Apotheken sowie die pharmazeutische Betreuung finanziert werden.
In Deutschland können Apotheken Patientinnen und Patienten in der Telemedizin unterstützen, das ist mit dem Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz – DigiG) im März 2024 festgelegt worden. Demnach können Apotheken etwa zu ambulanten telemedizinischen Leistungen beraten und anleiten, Versicherte bei der Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) unterstützen oder während einer Videokonsultation »einfache medizinische Routineaufgaben« übernehmen, wie es im Gesetz heißt. Zur konkreten Ausgestaltung der assistierten Telemedizin in Apotheken gibt es aber noch keine Einigung.
Mit der gesetzlichen Verankerung sei man in Deutschland immerhin einen Schritt voraus, meint die Kammer Österreich. In Österreich seien bislang keine gesetzlichen Grundlagen geschaffen worden. In Deutschland gebe es zudem klare politische Bekenntnisse zur assistierten Telemedizin. In beiden Ländern gelte es, Evidenzen zu gewinnen. Pilotprojekte wie ApoDoc sorgten zudem für eine erhöhte Sichtbarkeit und damit für die Chance, Apotheken in beiden Ländern »noch stärker als relevante Akteur:innen mit einem breiten Leistungsspektrum im Gesundheitswesen zu positionieren«.