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BPC-157
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Nicht zugelassenes Peptid avanciert  zur Wunderdroge

BPC-157 (Body Protection Compound 157) ist der wohl prominenteste Vertreter einer Kollektion von Peptiden, die seit einiger Zeit Furore machen. Kaum eine andere Substanz illustriert die gegenwärtige Spannung zwischen regulatorischer Vorsicht und einem politisch aufgeladenen Ruf nach Therapiefreiheit so deutlich wie dieses Peptid.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 17.06.2026  10:00 Uhr

Mehr Schein als Sein

Genau hier liegt das Problem, das Talpos in ihrem Artikel sauber herausarbeitet. Bei den gut 200 auf PubMed gelisteten Studien mit nahezu durchweg positiven Resultaten sind fast immer Sikiric oder sein Kollege Professor Dr. Sven Seiwerth Hauptautoren – ein Umstand, den ein polnisches Reviewteam als Einfallstor für einen »Confirmation Bias« benennt. Belastbare Humandaten fehlen weitgehend: Die wenigen referenzierten klinischen Versuche sind in keiner großen Datenbank wie PubMed indexiert und wurden offenbar nie Peer-reviewed publiziert. So führte etwa das kroatische Unternehmen PLIVA, das durch die Entwicklung des Antibiotikums Azithromycin enorme Gewinne erzielte, in den 2000er-Jahren BPC-157-Behandlungen gegen Colitis ulcerosa durch.

Das Portal »Peptide & Compound Research Database« fasst den aktuellen Wissenstand zu BPC-157 umfassend zusammen und dokumentiert auch die dürftige Studienbasis zu dieser Substanz.

Ungeachtet dessen bestehen Sikiric und Kollegen in einem relativ aktuellen Review, der 2025 im Journal »MDPI Pharmaceuticals« erschien, ohne Datengrundlage auf der Sicherheit und Verträglichkeit von BPC-157 beim Menschen. Hinzu kommen nicht offengelegte Interessenkonflikte, denn Sikiric ist auf BPC-157-Patentanmeldungen seit mindestens 1989 benannt, wird in kroatischen Registern als Eigentümer des Studiensponsors PharmaCotherapia geführt und firmiert als CEO von Diagen, ein Unternehmen, das ein zum Verkauf stehendes Patent auf eine »stabile Version« des Peptids hält. Diese Verflechtungen sind in den Publikationen nicht deklariert.

Der obskure Weg zu einem fragwürdigen Erfolg

Der Weg von der Ratte ins Fitnessstudio verlief nach Talpos’ Recherche über die einschlägigen Bodybuilding-Foren der frühen 2000er-Jahre. Um das Jahr 2010 rückten Peptide ins Visier einer Szene, die ohnehin mit anabolen Steroiden experimentierte. Diese wurden zunächst aus chinesischen Laboren bezogen, deklariert als »research chemicals, not for human consumption«, ein beliebtes Schlupfloch, um Verkaufsverbote zu umgehen.

Aus dem Graumarkt erwuchs ein Reddit-getriebenes Laienexperiment, in dem Nutzer Speziesdosierungen umrechneten und eigene »Peptide Primer« verfassten. Die in dem Rechercheartikel zitierten Erfahrungsberichte beziehen sich auf anekdotische Schmerzlinderung und reduzierten Analgetikakonsum. Berichte zu Nebenwirkungen schildern generalisierten Juckreiz, intensive Angst, Halluzinationen und Anhedonie, also die Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden. Wenig überraschend enthalten derartige Berichte keinerlei Erkenntnisse zur möglichen Kausalität. Dr. Matthew Fedoruk von der US-Anti-Doping Agency warnt zudem vor unklarer Reinheit der bezogenen Ware.

Die Regulationsbehörde FDA setzte BPC-157 Ende 2023 auf die Liste der Substanzen, die nicht von Compounding-Apotheken in den USA hergestellt werden dürfen. Solche Apotheken stellen individuelle Medikamente für Patienten her, wobei Wirkstoffe nicht nur patientenindividuell kombiniert und hinsichtlich der Dosis angepasst werden, sondern teilweise auch synthetisiert und vermarktet werden. Als Grund für diesen Schritt nannte die FDA die Gefahr potenzieller Immunreaktionen, Verunreinigungen und fehlender Sicherheitsdaten zu BPC-157.

Dagegen formiert sich allerdings Widerstand: Der Endokrinologe Dr. Edwin Lee, Mitbegründer der Clinical Peptide Society und der Initiative Save Peptides, publiziert kleine Fallserien mit zwei bis 16 Teilnehmenden ohne Kontrollen in einem komplementärmedizinischen Journal, um regulatorisch eine Wende zu erzwingen. Politisch flankiert wird das Anliegen durch republikanische Abgeordnete sowie durch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., dessen libertäres Credo lautet, die FDA solle Wissenschaft betreiben und kommunizieren, aber nicht vorschreiben, was Patienten einnehmen dürfen.

Die Pointe der Recherche liegt in der epistemischen Falle, die Kennedys »informierte Eigenentscheidung« für Patienten aufstellt: In einem Umfeld aus Hype, Podcast-Ökonomie und finanziellen Interessenkonflikten ist belastbare Selbstaufklärung kaum möglich. Damit werde BPC-157 zum Lackmustest dafür, wie die zweite Trump-Administration mit experimentellen Therapien zwischen Deregulierung und Patientenschutz umgehen wird, so Talpos.

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