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Rx-Versandverbot

Nicht mehr im Fokus

Das Verbot des Rx-Versandhandels soll nicht mehr das Maß aller Dinge in der politischen Arbeit der Apotheker sein. »Mit dem Beharren auf diesem einen Thema lösen wir nicht die vielen aktuellen Probleme des Berufsstands«, sagte der sächsische Kammerpräsident Friedemann Schmidt heute bei der Kammerversammlung in Dresden. Gleichwohl hält er unverrückbar an der Gleichpreisigkeit fest.
Brigitte M. Gensthaler
12.11.2018
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Schmidt sieht es als wichtigste Aufgabe der Berufsvertretung an, den Wandel anzunehmen und zu gestalten. Das schlichte Motto »Weiter so, nur besser«, funktioniere nicht mehr.

Nach dem Gesetzesentwurf des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe zum Verbot des Rx-Versandhandels sei die Standesvertretung »der Versuchung erlegen, die gesamte berufspolitische Arbeit auf dieses Problem zu fokussieren«. Für Schmidt war dies damals auch richtig. Jedoch sei der Berufsstand mit seinem Kernargument der Gleichpreisigkeit öffentlich nicht durchgedrungen. Dabei seien durch die einseitige Fokussierung auf Versandhandel die anderen Probleme eher »durchgerutscht«, sagte er mit Blick auf wirtschaftliche Probleme kleinerer Apotheken und den Nachwuchsmangel, der inzwischen sogar in Ballungsgebieten offensichtlich sei. »Diese Probleme sind evident und verschwinden nicht, wenn das Versandhandelsverbot käme.«

Ob ein Verbot politisch noch erreichbar ist, ist fraglich. Gelinge dies, so könnten die Apotheker gleichzeitig keinesfalls eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Basis durchsetzen. Nach mehreren wirtschaftlich recht erfolgreichen und störungsfreien Jahren erwartet der Präsident nun »Jahre des wirtschaftlichen Ausblutens bis hin zur Ausdünnung der flächendeckenden Versorgung«.

Gleichpreisigkeit erstes politisches Ziel

»Wir geben das Prinzip der Gleichpreisigkeit nicht auf«, versicherte Schmidt mehrmals in der Diskussion. »Deren Erhalt in Deutschland und die Wiederherstellung in Europa ist nach wie vor unser erstes politisches Ziel.« Man wolle gerne mitwirken, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, aber oben drauf stehe die Sicherung einheitlicher Abgabepreise.

Schmidt warnte vor Verzagtheit und Zukunftsangst. »Die jungen Apotheker erwarten von uns, dass wir mit mehr Selbstvertrauen und innerer Kraft in die kommenden Jahre gehen. Wir brauchen Zuversicht und Neugier und müssen eigene Veränderungsängste überwinden.«

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