| Johanna Hauser |
| 01.06.2026 09:00 Uhr |
Geschätzt erleiden 10 Prozent der Frauen einmal im Leben unangenehme Symptome im Intimbereich. Dabei kann eine Vulvodynie verschiedenste Auslöser haben. Der Weg zur Diagnose ist oft lang und an der Behandlung können Ärzte mehrerer Fachrichtungen beteiligt sein. / © Getty Images/Yuri Arcurs Productions
Die Vulvodynie ist eine recht unbekannte Erkrankung, die meist ohne erkennbare gynäkologische oder dermatologische Ursache auftritt. Selbst leichte Berührungen an den äußeren Geschlechtsorganen können Schmerzen auslösen, was für betroffene Frauen sehr belastend ist. Die Prävalenz ist schwierig zu bestimmen – US-amerikanischen Daten zufolge sind etwa 5 bis 10 Prozent der Frauen irgendwann in ihrem Leben betroffen. Die Erkrankung tritt meist bei Frauen im gebärfähigen Alter auf, zum Teil aber auch erst nach der Menopause oder sehr früh bei Kindern. Die Diagnose lässt häufig lange auf sich warten, und nicht alle Behandlungen werden von den Krankenkassen übernommen.
Therapiert wird die Erkrankung je nach Symptomen und vermuteter Ursache individuell und multimodal – etwa mit Medikamenten, Beckenbodentraining und Psychotherapie. Ob und welchen Nutzen nicht medikamentöse Verfahren für die Patientinnen haben, untersuchte ein Forschungsteam unter Leitung des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin an der Universität Witten/Herdecke im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Im Rahmen der Analyse wurden 17 randomisierte kontrollierte Studien zu nicht medikamentösen Behandlungen ausgewertet. Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, denn alle Studien weisen methodische Schwächen auf – teilweise sogar erhebliche.
Erschwerend kommt die starke individuelle Wahrnehmung der Beschwerden hinzu: Was für die eine Patientin wirkt, hilft der anderen möglicherweise kaum. Auch Entscheidungen für oder gegen eine Therapie fallen danach aus, welches Symptom die betroffenen Frauen am stärksten belastet.
Dennoch deuten sich drei nicht medikamentöse Verfahren als hilfreich an, die die Endpunkte Schmerzen, Sexualfunktion und sexuelle Belastung verbessern: Physiotherapie, extrakorporale Stoßwellentherapie oder psychotherapeutische Verfahren wie eine Online-Akzeptanz- und Commitment-Therapie.