| Johanna Hauser |
| 01.06.2026 09:00 Uhr |
Geschätzt erleiden 10 Prozent der Frauen einmal im Leben unangenehme Symptome im Intimbereich. Dabei kann eine Vulvodynie verschiedenste Auslöser haben. Der Weg zur Diagnose ist oft lang und an der Behandlung können Ärzte mehrerer Fachrichtungen beteiligt sein. / © Getty Images/Yuri Arcurs Productions
Die Vulvodynie ist eine recht unbekannte Erkrankung, die meist ohne erkennbare gynäkologische oder dermatologische Ursache auftritt. Selbst leichte Berührungen können Schmerzen auslösen, was für betroffene Frauen sehr belastend ist. Hinzu kommt: Die Diagnose lässt häufig lange auf sich warten, und nicht alle Behandlungen werden von den Krankenkassen übernommen.
Umso wichtiger sind für die Betroffenen dann wirksame Therapien. Daher untersuchten Wissenschaftler unter Leitung des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin an der Universität Witten/Herdecke im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), ob und welchen Nutzen nicht medikamentöse Verfahren für die Patientinnen haben.
Im Rahmen der Analyse wurden 17 randomisierte kontrollierte Studien zu nicht medikamentösen Behandlungen ausgewertet. Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, denn alle Studien weisen methodische Schwächen auf – teilweise sogar erhebliche.
Erschwerend kommt die starke individuelle Wahrnehmung der Beschwerden hinzu: Was für die eine Patientin wirkt, hilft der anderen möglicherweise kaum. Auch Entscheidungen für oder gegen eine Therapie fallen danach aus, welches Symptom die betroffenen Frauen am stärksten belastet.
Dennoch deuten sich drei nicht medikamentöse Verfahren als hilfreich an, die die Endpunkte Schmerzen, Sexualfunktion und sexuelle Belastung verbessern: Physiotherapie, extrakorporale Stoßwellentherapie oder psychotherapeutische Verfahren wie eine Online-Akzeptanz- und Commitment-Therapie.
Aus dem Bericht der Wissenschaftler geht aber auch hervor, dass viele Therapieangebote kritisch zu beurteilen sind, da keine Aussage über einen möglichen Nutzen oder gar potenziellen Schaden getroffen werden kann.
Eine Vulvodynie verursacht zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden bei vielen Frauen einen nicht zu unterschätzenden emotionalen und sozialen Druck, schreibt das IQWiG in einer Pressemitteilung. Betroffene fühlen sich stigmatisiert, da vielfach das Wissen um die Erkrankung mangelhaft ist. Eine einfühlsame und respektvolle Kommunikation helfe, Schamgefühle zu vermeiden, heißt es weiter. Falls individuell gewünscht, könne es hilfreich sein, den Partner einzubeziehen.