| Johanna Hauser |
| 01.06.2026 14:05 Uhr |
Deutlich verlängertes Gesamtüberleben, weniger schwere Nebenwirkungen – Daraxonrasib überzeugt in Studien und die Fachwelt. / © Getty Images/Sebastian Kaulitzki/Science Photo Library
Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse zeigen meist nur unspezifische Symptome, sodass sie häufig erst diagnostiziert werden, wenn sie bereits gestreut haben. Dementsprechend schlecht ist die Prognose, eine Behandlung erfolgt in der Regel rein palliativ. In Deutschland erkranken laut Krebsinformationsdienst jährlich etwa 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dem Krebsregister des Robert-Koch-Instituts zufolge liegt die 5-Jahres-Überlebensrate nach Diagnose aktuell für Männer nur bei 6,4 Prozent, für Frauen bei 7,6 Prozent.
Daraxonrasib inhibiert RAS, ein Onkogen, dass sich normalerweise selbst wieder inaktiviert. Ist es jedoch mutiert, bleibt es dauerhaft aktiviert und es kommt zu ungehemmten Zellwachstum. 90 Prozent der Pankreaskarzinome sind auf eine RAS-Mutation zurückzuführen.
Nach vielversprechenden Daten aus einer Phase-I/II-Studie führte ein Team um Dr. Eileen M. O'Reilly vom Memorial Sloan Kettering Krebszentrum, New York, nun eine internationale, offene, randomisierte Phase-III-Studie namens »RASolute 302« durch. Die 500 eingeschlossenen Teilnehmenden litten unter metastasiertem Pankreaskarzinom und wurden auf Daraxonrasib oder Chemotherapie randomisiert. 91,8 Prozent der Teilnehmer wiesen eine RAS-G12-Mutation auf, die übrigen andere RAS-Mutationen. Der Vorteil von Daraxonrasib: Der Wirkstoff ist gegen verschiedene Genmutationen von RAS wirksam. Die Ergebnisse wurden jetzt bei einem Krebskongress präsentiert und parallel im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.
Das mediane Gesamtüberleben lag über die gesamte Studienpopulation hinweg bei 13,2 Monaten unter Daraxonrasib beziehungsweise 6,7 Monaten mit Chemotherapie. Eine Subgruppenanalyse für RAS-G12-Mutanten ergab vergleichbare Ergebnisse. Hier verdoppelte sich das mediane Gesamtüberleben mit 13,2 Monaten gegenüber 6,6 Monaten. Die Hazard Ratio (HR) lag für beide Gruppen bei 0,40, also um 60 Prozent niedriger als unter Chemotherapie.
Daraxonrasib verlängerte nicht nur das Gesamtüberleben, sondern auch das progressionsfreie Überleben. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug in der Daraxonrasib-Gruppe 7,2 und in der Chemotherapie-Gruppe 3,6 Monate (HR 0,49). In der RAS-G12-Gruppe waren es 7,3 Monate mit Daraxonrasib und 3,5 Monate mit Chemotherapie (HR 0,45).
Schwere Nebenwirkungen traten unter Daraxonrasib etwas seltener auf als unter Chemotherapie (61,8 Prozent gegen 69,6 Prozent). Dementsprechend kam es auch bei 1,2 Prozent der Teilnehmenden zu Therapieabbrüchen, wohingegen eine Chemotherapie in 11,2 Prozent der Fälle abgebrochen wurde.
Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Daraxonrasib adressiere erstmals eine Zielstruktur, die für die Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit Pankreaskarzinom hochrelevant ist – nicht nur für eine kleine Untergruppe, sagte Professor Dr. Dieter Saur von der TU München und vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg gegenüber dem Science Media Center Deutschland. »Biologisch ist der Ansatz deshalb so überzeugend, weil er nicht nur ein einzelnes KRAS-Allel, sondern den aktiven RAS(ON)-Zustand mehrerer RAS-Varianten und Mutationen hemmt, also sehr nahe am zentralen onkogenen Schalter des Tumors ansetzt.« Der Professor für Translationale Tumorforschung sieht in Daraxonrasib gar eine der wichtigsten klinischen Entwicklungen beim metastasierten Pankreaskarzinom seit vielen Jahren.
Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA bereits einen Compassionate-Use-Zugang freigegeben, sodass Daraxonrasib in bestimmten Fällen auch vor der Zulassung und außerhalb von klinischen Studien verfügbar ist. »Für die Leitlinien dürfte entscheidend sein, ob und wie schnell eine formale Zulassung in den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa erfolgt; danach wäre eine Aufnahme als bevorzugte Zweitlinienoption höchstwahrscheinlich«, erklärte Saur.