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Phase-III-Studie

Neues Alzheimer-Medikament bremst kognitiven Abbau

Deutsche Experten verhalten optimistisch

Die wohl wichtigste Zahl: Gegenüber Placebo verlangsamte Lecanemab den Abbau der geistigen Fähigkeiten um 27 Prozent. Von einem Durchbruch in der Alzheimer-Forschung sprach Professor Dr. Frank Jessen, Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), gegenüber der Deutschen Presseagentur. Es sei »eine ordentliche Studie, in der die klinische Wirksamkeit sorgfältig geprüft wurde«.

Das Medikament hält die Erkrankung aber nicht ganz auf und wird wohl auch keine Option für bereits schwer demente Patienten sein. »Die Krankheit wird auch weiter voran schreiten, nur langsamer, was aber für die Patienten und Angehörigen von großer Bedeutung sein kann«, so Jessen. Unklar sei zum jetzigen Zeitpunkt auch, wie lange der berichtete Effekt anhalte. Das müssen weitere Beobachtungsstudien zeigen.

»Positiv ist zu vermerken, dass Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hirnschwellungen weniger oft auftraten als in Studien zuvor mit vergleichbaren Wirkstoffen«, ergänzt Dr. Linda Thienpont, Leiterin Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative. »Für eine umfassende Einschätzung müssen wir die detaillierten Studienergebnisse abwarten.« Für ein hochschnelle der Aktienkurse beider Unternehmen reichte die Pressemitteilung jedoch.

Klinische Relevanz bleibt unklar

Derweil rät die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) dazu, die Vollpublikation vor einer Einordnung abzuwarten. »Die Studie zeigt nach dieser Meldung, dass der Antikörper die Amyloid-Beta-Ablagerung im Gehirn vermindert und dass dies mit einer Progressionsverlangsamung bei Betroffenen in frühen Stadien der Erkrankung assoziiert ist«, fasst Professor Dr. Richard Dodel, Alzheimer-Experte der DGN, zusammen.

»Die Ergebnisse waren statistisch signifikant, jedoch ist zurzeit noch unklar, ob klinisch bzw. im Lebensalltag tatsächlich ein Nutzen für die Betroffenen zu spüren war. Statistisch signifikant bedeutet nicht automatisch klinisch relevant. Unter Alzheimer-Experten gilt üblicherweise ein Score-Unterschied von 0,5 Punkten als klinisch bedeutsam für die Betroffenen [2]. Dieser wurde mit 0,45 Punkten in der Studie nicht ganz erreicht.«

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