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Rhesus-Unverträglichkeit

Neuer Test für Schwangere kann Immunglobulin-Spritze ersparen

Anders sei es bei den restlichen 60 Prozent, also der Geburt von Rhesus-positiven Kindern, wobei es im Rahmen einer ersten Schwangerschaft zunächst einmal selten zu Problemen komme. Erwarte eine Rhesus-negative Frau ein Rhesus-positives Kind, könne das mütterliche Blut Abwehrstoffe, also Anti-D-Antikörper vom IgG-Typ (Immunglobulin G), bilden. In den meisten Fällen komme es aber erst während der Geburt zur Übertragung von kindlichem Blut in den Blutkreislauf der Mutter, sodass für das erste Kind häufig keine Gefahr besteht.

Wird die Mutter jedoch erneut mit einem rhesus-positiven Kind schwanger, können ihre Antikörper in den Blutkreislauf des nunmehr Ungeborenen gelangen, seine Entwicklung schwer beeinträchtigen und sogar lebensbedrohlich für das Kind sein. Daher erhalten Rhesus-negative Mütter, die ein Rhesus-positives Kind erwarten, in der 30. Woche und noch einmal nach der Geburt hochdosierte Rhesus-Antikörper, die die möglicherweise schon ins Blut der Mutter gelangten Rhesus-positiven Blutkörperchen des Babys zerstören und verhindern, dass die Mutter selbst Antikörper entwickelt.

Die Gabe von Immunglobulinen kann betroffene Kinder schützen. Diese sind aber weltweit knapp. Denn: Rhesus-Antikörper können nicht synthetisch erzeugt, sondern nur über entsprechende Blutspenden gewonnen werden. In Deutschland, so der BVF, gebe es keine Spender mehr. Und es sei zu befürchten, dass auch der Nachschub an Rh-Immunglobulinen aus dem Ausland in der Zukunft deutlich zurückgehen wird. Der neue Test, der ab der zwölften Schwangerschaftswoche zur Anwendung kommen kann, sei eine wichtige Möglichkeit, die weltweit knappen Ressourcen zu schonen.

Da es sich bei der vorgeburtlichen Rhesusfaktor-Bestimmung aus der Blutprobe der Schwangeren um eine genetische Untersuchung handelt, gelten für die ärztlichen Aufklärungs- und Beratungsverpflichtungen die Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes.

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