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Leniolisib
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Neuer Kinasehemmer bei seltenem Immundefekt

APDS: Die Abkürzung steht für Aktiviertes Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-Syndrom, eine extrem seltene, angeborene Immundefektkrankheit. Mit Leniolisib steht nun eine neue Therapieoption für Betroffene zur Verfügung.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 05.08.2026  07:00 Uhr

Vom Aktivierten Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-Syndrom (APDS) sind weltweit etwa 1 bis 2 von einer Million Menschen betroffen. Zugrunde liegen Varianten in einem der Gene PIK3CD oder PIK3R1, die zu einer Überaktivierung des Phosphoinositid-3-Kinase-Delta-(PI3Kδ-)Signalwegs führen. Die PI3Kδ spielt eine zentrale Rolle bei der Signaltransduktion in Immunzellen. Bei APDS kommt es daher zu Defiziten und einer Fehlregulation von B- und T-Zellpopulationen, was eine Immunschwäche nach sich zieht.

Leniolisib (Joenja® 70 mg Filmtabletten, Pharming Technologies) ist ein selektiver Inhibitor der PI3Kδ, der für die Therapie von Patienten mit APDS unter außergewöhnlichen Umständen zugelassen ist. Angewendet werden darf das Medikament bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab zwölf Jahren ab einem Gewicht von 45 kg.

Die empfohlene Dosierung beträgt 70 mg Leniolisib zweimal täglich im Abstand von etwa zwölf Stunden. Die Filmtabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen und sollen im Ganzen geschluckt werden. Vergisst der Patient eine Einnahme, soll diese innerhalb von sechs Stunden nachgeholt, danach aber ausgelassen werden. Bei Erbrechen innerhalb von einer Stunde nach Einnahme der Tablette soll so schnell wie möglich eine weitere Tablette Joenja eingenommen werden.

Nicht empfohlen wird die Anwendung von Leniolisib bei moderater oder schwerer Leberfunktionsstörung sowie während der Schwangerschaft und bei stillenden Frauen. Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Anwendung und für eine Woche im Anschluss sicher verhüten; das Stillen sollte während der Anwendung unterbrochen werden.

Potenzielle Wechselwirkungen beachten

Ein erhebliches Wechselwirkungspotenzial ergibt sich daraus, dass Leniolisib eine pH-Wert-abhängige Löslichkeit aufweist, Substrat diverser Transportsysteme ist und zu 95 Prozent über CYP3A4 abgebaut wird. Es gelten daher folgende Caveats:

  • Lokal wirksame Antazida sollten zwei Stunden vor oder nach der Gabe von Leniolisib eingenommen werden.
  • Die Anwendung von Arzneistoffen, die Substrate der organischen Anionentransporter OATP1B1 und OATP1B3, des Breast Cancer Resistance Proteins (BCRP) oder der UDP-Glucuronosyltransferase 1A1 (UGT1A1) sind, soll unter der Therapie mit Leniolisib vermieden werden.
  • Zu vermeiden ist ebenfalls die gleichzeitige Anwendung von Leniolisib mit starken CYP3A4-Inhibitoren sowie mit mittelstarken und starken CYP3A4-Induktoren.

Wirksamkeit und Sicherheit von Leniolisib wurden in der Phase-II/III-Studie 2201 gezeigt. Eingeschlossen waren 31 Patienten mit APDS und bestätigter pathogener Variante in einem der Gene PIK3CD oder PIK3R1. Die Teilnehmenden wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert auf eine zwölfwöchige Therapie mit zweimal täglich 70 mg Leniolisib oder Placebo. Es gab zwei co-primäre Endpunkte: Verbesserung der Lymphoproliferation und Normalisierung des Immunphänotyps.

In beiden Kategorien war Leniolisib Placebo signifikant überlegen. So betrug die Veränderung der Log10-transformierten Summe der Produkte der Durchmesser (SPD) der Indexläsionen gegenüber dem Ausgangswert in der Verumgruppe 3,03 (Baseline) –0,30 und in der Placebogruppe 3,05 (Baseline) –0,06. In der Subgruppe der Teilnehmenden mit einem eingangs verringerten prozentualen Anteil an naiven B-Zellen veränderte sich dieser unter Leniolisib um +34,76 Prozent und unter Placebo um –5,37 Prozent.

Kopfschmerzen, erhöhtes Gewicht und Alopezie waren die häufigsten Nebenwirkungen von Leniolisib. Darüber hinaus kam es bei einem Drittel der behandelten Patienten zu einer Abnahme der Neutrophilenzahl.

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