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Thüringen

Neuer Kammervorstand gewählt

Ronald Schreiber ist der alte und neue Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen. Mit 93 Prozent Zustimmung bestätigte ihn die konstituierende Kammerversammlung im Amt.
Brigitte M. Gensthaler
15.05.2019
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Mit gleichem Votum wurde Dr. Jörg Wittig, bislang zweiter Vizepräsident, zum ersten Vize gewählt. Neu im Amt des zweiten Vizepräsidenten ist Sabine Kratky mit rund 88 Prozent Zustimmung. Der bisherige Vizepräsident Dr. Lutz Gebert war nicht mehr zur Wahl angetreten. Ebenso wählte die Kammerversammlung am 15. Mai in Erfurt die vier Beisitzer. Als Vorstandsmitglieder bestätigt wurden Dr. Anke Ritter und Sylvia Fandrei. Neu im Amt sind Matthias Zink und Andrea Kern.

In seinem Bericht vor der Vorstandswahl hatte Schreiber nachdrücklich die flächendeckende Arzneimittelversorgung angemahnt. Die Apothekenzahl in Deutschland sinke stetig. »Wir verlieren pro Woche im Schnitt sechs Apotheken.« Derzeit kommen durchschnittlich 23 Apotheken auf 100.000 Einwohner; in einigen Regionen sind es 45 auf 100.000, in anderen nur 18 auf 100.000 Einwohner. »Das ist eine flächendeckende Versorgung, aber wo geht die Entwicklung hin, wenn wir jedes Jahr weitere Apotheken verlieren?« Er ist überzeugt: »Wir brauchen viele Apotheken in der Fläche.« Es gehe nicht um »Leuchttürme«, sondern um die gesicherte Arzneimittelversorgung der Menschen in allen Regionen.

Nachwuchssorgen adressiert und angekommen

Doch es fehlt ausreichender Berufsnachwuchs bei den Apothekern. Schreiber sieht hier den Staat eindeutig in der Pflicht, um die Daseinsvorsorge zu sichern. Die Apotheker bräuchten mehr Nachwuchs. Er zeigte sich »vorsichtig optimistisch«, denn Anfang des Jahres habe es ein »rundum positives« Gespräch mit der Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) gegeben. Das aktuelle Wahlprogramm der SPD würdige ausdrücklich die Apotheke vor Ort und setze sich für eine Erweiterung des Instituts für Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena ein. Schreiber berichtete von intensiven Gesprächen zwischen dem Wirtschaftsministerium und der FSU zur Etablierung eines »Life Sciences Campus«, an dem auch die Pharmazie angesiedelt werden soll. Zudem werde über eine Aufstockung der Pharmaziestudienplätze und die Etablierung eines Masterstudiengangs diskutiert. Das Apotheker-Nachwuchsproblem sei in der Politik angekommen, jetzt müssten der Erkenntnis konkrete Taten folgen.

Gesetzentwurf verfehlt sein Ziel

Natürlich nahm Schreiber auch zum Gesetzentwurf zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken Stellung: »Klares Nein: Dieses Gesetz ist kein Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken!« Verschiedene Juristen warnten ausdrücklich vor einer Streichung von §78 Absatz 1 Satz 4 im Arzneimittelgesetz (AMG), berichtete der Präsident. Auch das Thema Botendienst sei ein Kriterium der Wahrheit. Die Aufweichung des Botendienstes in Richtung Versandhandel sei nicht hinnehmbar. Die Verankerung pharmazeutischer Dienstleistungen im Gesetz sei sehr zu begrüßen, doch den genannten Finanzierungsrahmen von 150 Millionen hält der Kammerpräsident für »deutlich zu klein«. Mit 10.500 Euro pro Apotheke und Jahr könne man das Apothekensterben nicht eindämmen. Vizepräsident Wittig fasste zusammen: »Wir brauchen den §78 AMG und die Flächendeckung in der Arzneimittelversorgung.« Die Regelung im SGBV werde juristisch nicht reichen. 

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