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Neuer BfArM-Beirat kümmert sich um Lieferengpässe

Vor einer Woche hat sich ein neuer Beirat für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) konstituiert. Er soll unter anderem definieren, welche Arzneistoffe versorgungskritisch sind und welche wieder in der EU produziert werden sollten. Mit dabei sind auch ABDA und ADKA. 
Daniela Hüttemann
29.07.2020  14:36 Uhr
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Der »Beirat nach § 52b Absatz 3b AMG zur Bewertung der Versorgungslage mit Arzneimitteln, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind«, so die offizielle Bezeichnung hatte am 22. Juli seine konstituierende Sitzung. Das Kurzprotokoll der nicht öffentlichen Sitzung ist ab heute online abrufbar.

Verschiedene Interessensvertretungen von Apothekern und Ärzten, Großhandel, Krankenkassen, Krankenhäusern und Pharmaunternehmen sowie das BfArM und Paul-Ehrlich-Institut selbst, Vertreter der Bundesländer und als einzige Patientenvertreter die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen gehören dem Beirat an. Von den Institutionen der Apotheker sind die Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK), die ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sowie der Bundesverband deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) dabei.

Für einige Aufgaben gründete der Bereit gleich Arbeitsgruppen. So soll der Beirat den neu ins Arzneimittelgesetz aufgenommenen Begriff »versorgungskritische Wirkstoffe« definieren und Kriterien für die Einstufung von Wirkstoffen als versorgungskritisch erarbeiten. Eine zweite Aufgabe ist die Erarbeitung von Kriterien für eine Liste von Fertigarzneimitteln, für die eine regelmäßige Datenübermittlung zur Beurteilung der Versorgungslage erforderlich ist. Nicht zuletzt soll der Beirat eine Liste besonders relevanter Wirkstoffe erstellen, die perspektivisch wieder in der Europäischen Union produziert werden sollten.

Gute und schlechte Nachrichten zu Lieferengpässen

Im letzten Tagesordnungspunkt gab es ein Update zu aktuellen Liefer- und Versorgungsengpässen. Bei den für die Narkose wichtigen Mitteln Sufentanil, Midazolam und Propofol soll die Situation weiter engmaschig beobachtet werden, vor allem angesichts einer möglichen zweiten Coronavirus-Welle. Aktuell lägen jedoch trotz einiger gemeldeter Lieferengpässe keine Hinweise auf eine generell eingeschränkte Verfügbarkeit vor. Gleiches gilt für die Zytostatika Epirubicin und Doxorubicin.

Für Heparin liegen aktuell zwar keine Lieferengpassmeldungen vor. »Vor dem Hintergrund der weiterhin grassierenden Afrikanischen Schweinepest in China können aber weiterhin Lieferengpässe in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden«, heißt es im Protokoll. Die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften erarbeiteten derzeit Empfehlungen zum Einsatz Heparin-haltiger Arzneimittel.

Für das Antidepressivum Venlafaxin liegen aktuell 15 Lieferengpassmeldungen vor, laut BfArM habe sich die Versorgungssituation trotzdem »leicht entspannt«. Die Behörde rechnet, dass weitere Arzneimittel in den kommenden Wochen wieder verfügbar sein werden.

Schlechter dagegen sieht die Prognose für das Antidiabetikum Metformin aus: Aktuell liegen zwar nur zwei Engpassmeldungen vor. Doch da derzeit Untersuchungen auf mögliche Verunreinigungen mit Nitrosaminen bei allen Präparaten laufen, könne es in den kommenden Monaten immer wieder zu Schwankungen bei der Verfügbarkeit kommen.

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