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Thanatin

Neuer Ansatz gegen gramnegative Bakterien

Forscher der Universität Zürich haben aus der Baumwanze Podisus maculiventris ein neues Antibiotikum gewonnen: Thanatin wirkt gegen gramnegative Keime, mit denen in der Klinik zunehmend Resistenzprobleme bestehen. Die neue Substanz wirkt anders als alle bisherigen Antibiotika und hat damit prinzipiell das Potenzial zum Resistenzbrecher.
Annette Mende
15.11.2018
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Infektionen mit gramnegativen Bakterien stellen weltweit ein wachsendes Problem dar. Beispiele für gramnegative Erreger mit schnell zunehmenden Resistenzraten sind Pseudomonas aeruginosa und pathogene Escherichia coli. Die Weltgesundheitsorganisation räumt deshalb der Suche nach wirksamen Antibiotika gegen gramnegative Bakterien höchste Priorität ein.

Im Gegensatz zu grampositiven Bakterien haben gramnegative keine äußere Zellwand, dafür aber eine doppelte Zellmembran, die unter anderem aus Lipopolysacchariden besteht. Letztere werden an der inneren Membran hergestellt und dann über eine Art Brücke aus sieben Proteinen zur äußeren Membran transportiert. Thanatin blockiert die Wechselwirkung zwischen diesen Proteinen und verhindert so die Ausbildung der Brücke. Die Lipopolysaccharide gelangen dadurch nicht mehr zur äußeren Zellmembran und die Bakterienzelle stirbt ab. Das berichtet ein Team um Stefan U. Vetterli im Fachjournal »Science Advances«.

Noch handelt es sich hierbei um Grundlagenforschung. Laut einer Pressemitteilung der Universität Zürich ist die Universität aber bereits eine Kooperation mit einem Partner in der Industrie eingegangen, der Polyphor AG in Allschwil, um den Ansatz weiter zu verfolgen. Gemeinsam habe man bereits das Antibiotikum Murepavadin entwickelt, das spezifisch gegen Pseudomonas aeruginosa wirkt und sich derzeit in Phase III der klinischen Prüfung befindet.

DOI: 10.1126/sciadv.aau2634

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