| Sven Siebenand |
| 27.08.2026 10:00 Uhr |
Hinweise auf einen möglichen Zusatznutzen des rekombinanten Gürtelrose-Impfstoffs für das Gehirn liefert eine in den »Annals of Internal Medicine« publizierte Untersuchung. Darin werteten Forschende von der Brown University in Providence, Rhode Island, USA, elektronische Gesundheitsakten von mehr als einer halben Million Menschen ab 66 Jahren aus, die zwischen 2017 und 2022 in mehr als 5500 US-Pflegeeinrichtungen aufgenommen worden waren. Zu Studienbeginn durfte keine Demenzdiagnose vorliegen. 8843 Teilnehmer erhielten mindestens eine Dosis des rekombinanten Zoster-Impfstoffs.
Nach einer Beobachtungszeit von vier Jahren wurde bei 18,8 Prozent der Geimpften eine Demenz diagnostiziert, während es bei den Ungeimpften 24,6 Prozent waren. Nach der statistischen Auswertung entsprach dies einem rund 24 Prozent geringeren Risiko einer Demenzdiagnose bei den Geimpften. Die Forschenden schätzen, dass dies theoretisch etwa einem verhinderten Demenzfall pro 17 geimpften Personen entsprechen könnte. Die Ergebnisse passen zu früheren Untersuchungen mit dem Lebendimpfstoff, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der Impfung und einem geringeren Demenzrisiko gefunden hatten.
Auch aus der neuen Arbeit lässt sich noch nicht schließen, dass die Impfung tatsächlich die Ursache für das niedrigere Demenzrisiko ist. Es handelte sich nicht um eine randomisierte klinische Studie, sondern um eine Analyse vorhandener Gesundheitsdaten. Geimpfte Personen waren beispielsweise im Durchschnitt etwas jünger und gesünder als ungeimpfte. Zwar berücksichtigten die Forschenden solche Unterschiede statistisch, und der Zusammenhang blieb bestehen, andere Einflussfaktoren können aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Deshalb seien weitere Untersuchungen und insbesondere klinische Studien notwendig, bevor man von einer direkten Schutzwirkung gegen Demenz sprechen kann.