| Daniela Hüttemann |
| 11.09.2026 15:00 Uhr |
Gegen eine Arzneimittelabgabe in den geplanten Integrierten Notfallzentren wendet sich die Interessenvertretung der Apothekerschaft stark, denn das würde den Apothekennotdienst untergraben. Trotzdem müsse man aus Patientensicht denken – und andere Lösungen anbieten, so Gnekow.
Er plädiert seit Längerem für eine App, in der Ärzte und Patienten die Verfügbarkeit von Medikamenten der umliegenden Apotheken einsehen können. Dazu sei derzeit ein Modellprojekt mit der Techniker Krankenkasse in Hamburg in Planung. Die Apotheken können darin ihre Warenlager offenlegen. Außerdem wünscht sich Gnekow, dass die Ärzte einen Botendienst verordnen können, damit das Arzneimittel zum Patienten kommt und nicht umgekehrt – zumindest für einen Stadtstaat wie Hamburg eine praktikable Lösung.
Auch Lucas sprach in ihrer motivierenden Rede davon, dass die Gesetzgebung das eine sei, die Umsetzung in den Apotheken das andere. »Apotheke kann mehr – wir haben jahrelang darum gekämpft, dass unsere pharmazeutische Kompetenz mehr genutzt wird, wir einen größeren Beitrag leisten können, mehr Verantwortung in der Therapie, Prävention und Primärversorgung bekommen.«
Vor den Apothekerinnen und Apothekern lägen nun viele Veränderungen, als Heilberufler mit den neuen Aufgaben ebenso wie als Unternehmer bei Investitionen und Prozessen. »Das gehört zusammen und ist sogar unverzichtbar und eine große Chance.« Zum Beispiel böten die erweiterten Impfmöglichkeiten neue wirtschaftliche Perspektiven und seien gleichzeitig ein Plus für die Patienten und die Gesellschaft.
Noch sind die Arbeitsanweisungen und Fortbildungscurricula in Planung, die Honorare werden verhandelt. Einen genauen Zeitpunkt, wann die Apotheken konkret die neuen Dienstleistungen anbieten können, nannten weder Gnekow noch Lucas.
Wichtig sei die Einstellung. Die Apothekenteams sollten nicht denken: »Herrje, das sollen wir auch noch machen? Wann und wie?« Hier seien vor allem die Inhabenden gefragt, ihre Teams zu motivieren und sich jetzt schon Gedanken um die Prozesse zu machen. »Effizienz entsteht nicht durch Zufall«, so Lucas. »Gute Prozesse schaffen Raum für das Wesentliche. Wer bestellt die Impfstoffe, bereitet die Unterlagen und Räumlichkeiten vor, wer spricht die Patienten an und wer führt die eigentliche Impfung durch?« Eine Arbeitsteilung im Team sei hier gut möglich. Das gelte für alle Dienstleistungen. Umgekehrt müsse nicht jeder im Team alles machen. Helfen könne der kollegiale Austausch zwischen den einzelnen Apotheken. Dazu seien die meisten gern bereit.