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Morbus Alzheimer

Naproxen kann Fortschreiten nicht verhindern

Das nicht steroidale Antirheumatikum (NSAR) Naproxen kann Patienten, die ein erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Demenz haben, nicht vor der Progression zur manifesten Demenz schützen. In einer im Fachmagazin »Neurology« veröffentlichten Studie ergab sich im Vergleich zu Placebo kein Unterschied. Die Forscher sehen den Versuch daher als gescheitert an.
Kerstin A. Gräfe
09.04.2019
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Derzeit werden zahlreiche verschiedene Strategien erprobt, die Alzheimer-Erkrankung zu verhindern oder ihr rasches Fortschreiten zu stoppen. Da bei der neurodegenerativen Erkrankung unter anderem entzündliche Prozesse eine Rolle spielen, wurden auch NSAR als Wirkstoffkandidaten untersucht. Bei Patienten, die bereits Demenz-Symptome hatten, verliefen entsprechende Studien negativ. Forscher hofften jedoch weiterhin, dass ein früherer Einsatz der antientzündlichen Schmerzmittel Wirksamkeit zeigen könnte.

Forscher um den Doktoranden Pierre-François Meyer von der McGill Universität in Montreal wählten daher für ihre Studie Probanden aus, die noch asymptomatisch waren, bei denen aber eine erbliche Vorbelastung eine Erkrankung wahrscheinlich machte. In der INTREPAD-Studie erhielten die knapp 200 Teilnehmer zwei Jahre lang entweder zweimal täglich 200 mg Naproxen oder Placebo. Als primärer Endpunkt wurde der »Alzheimer Progression Score« (APS) verwendet. Er beinhaltet verschiedene Parameter wie kognitive Tests, Veränderungen im MRT und Messungen bestimmter Biomarker im Liquor.

In beiden Gruppen kam es zu einer leichten Verschlechterung im APS, wobei keine signifikanten Unterschiede zwischen Naproxen und Placebo bestanden. In der Verumgruppe kam es vermehrt zu NSAR-typischen Nebenwirkungen wie Obstipation, Dyspnoe, Hypertonie und Petechien. »Wir sehen zwar die bekannten unerwünschten Wirkungen, aber nicht den kleinsten Hinweis auf einen Nutzen«, sagte Meyer in einer Pressemitteilung. Die Forscher sehen mit ihrer Studie das Ende von Untersuchungen mit NSAR mit Blick auf Alzheimer gekommen. Sie verweisen darauf, dass jedoch noch viele andere Ansätze zur Bekämpfung von Alzheimer erprobt würden. Vor diesem Hintergrund sei die Publikation von Negativ-Ergebnissen wie ihrem enorm wichtig, so die Wissenschaftler.

DOI: 10.1212/WNL.0000000000007232

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