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Störendes Geräusch

Musik als Kreativitätskiller

Weil Musik dazu anregen kann, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, wird sie allgemein als förderlich für die Kreativität angesehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie jetzt eine Studie zeigt: In einer ruhigen Umgebung fällt es demnach deutlich leichter, kreativ zu sein, als bei Hintergrundmusik. Dabei ist es auch egal, ob es sich um bekannte und beliebte oder unbekannte Musikstücke handelt.
Annette Mende
07.03.2019
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»Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden«, wusste schon Wilhelm Busch. Dass das melodiöse Geräusch auch der Kreativität einen Dämpfer versetzt, berichtet jetzt eine Gruppe um Dr. Emma Threadgold von der Lancaster University im Fachjournal »Applied Cognitive Psychology«. Die Forscher ließen insgesamt 84 Mitarbeiter und Studenten der Universität einen anerkannten Kreativitätstest unter verschiedenen akustischen Bedingungen durchführen. Das Ergebnis: Musik führte in allen Vergleichen zu einem signifikant schlechteren Abschneiden in dem Test als eine ruhige Umgebung.

Bei dem verwendeten Compound Remote Associate (CRA)-Test handelt es sich um ein Worträtsel, das assoziativ durch Kreativität gelöst werden muss. Dem Probanden werden drei nicht verwandte Begriffe genannt, zum Beispiel die englischen Wörter »dress«, »dial« und »flower«, zu denen er einen vierten finden muss, der alle verbindet. Im Beispiel wäre das Wort »sun« die Lösung: sundress, sundial, sunflower.

Die Teilnehmer der Studie wurden in drei Gruppen eingeteilt, die den CRA-Test jeweils unter verschiedenen Bedingungen lösen sollten: mit ihnen unbekannter Vokalmusik als Hintergrund, in der in einer ihnen nicht vertrauten Sprache gesungen wurde, mit Instrumentalmusik als Hintergrund und mit einem ihnen verständlichen und bekannten Vokalmusikstück als Hintergrund. Zum Vergleich diente jeweils eine zweite Runde, in der dieselben Teilnehmer den Test mit neuen Aufgaben ohne Hintergrundmusik noch einmal machten. Dabei herrschte entweder völlige Stille oder es waren die Hintergrundgeräusche des Lesesaals einer Bibliothek zu hören.

In allen drei Settings konnten die Teilnehmer mit Musik signifikant weniger Aufgaben lösen als ohne. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob sie im Fall des dritten Experiments das ihnen bekannte Musikstück mochten oder nicht und ob sie daran gewöhnt waren, mit Musik zu lernen. Fazit: Musik ist ein Kreativitätskiller – zumindest was die in diesem Test gefragte assoziativ-verbale Kreativiät angeht. Wer kreativ sein will, sollte daher möglichst für Ruhe sorgen, auch wenn er vielleicht selbst glaubt, dass Musik ihn inspiriert.

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