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Zi-Versorgungsatlas
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Multimorbidität nimmt zu

Der aktuelle Zi-Versorgungsatlas zeigt, dass viele Menschen in Deutschland bereits ab einem Alter von 50 Jahren unter mindestens zwei chronischen Erkrankungen leiden, Tendenz steigend. Besonders stark nimmt die Zahl der Menschen zu, die fünf und mehr Erkrankungen gleichzeitig haben.
AutorKontaktPZ
Datum 12.05.2026  09:00 Uhr

Der Versorgungatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) stellt regelmäßig auf Basis von Abrechnungsdaten Informationen zur medizinischen Versorgung zusammen. Die aktuelle Untersuchung befasste sich mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen in einem Untersuchungszeitraum von zehn Jahren in Deutschland.

Am stärksten zugenommen hat die Zahl der Menschen mit fünf oder mehr chronischen Erkrankungen. Über zehn Jahre gesehen war einen Anstieg von 12 Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern zu verzeichnen.

Auch offenbaren die Zahlen, dass Multimorbidität früher als vielfach angenommen beginnt – nämlich bereits im mittleren Lebensalter. So hätten im Jahr 2024 rund 45 Prozent der Frauen und etwa 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren an mindestens zwei chronischen Erkrankungen gelitten, heißt es im Bericht »Multimorbidität bei Menschen ab 50 Jahren – zeitliche Trends und regionale Variation«. Mit steigendem Alter nahmen die Werte kontinuierlich zu. Bei den 80- bis 89-Jährigen lagen sie bei 86 Prozent und 85 Prozent.

Große regionale und soziale Unterschiede

Die Zahlen des Zi-Versorgungsatlas offenbaren auch deutliche regionale sowie soziale Unterschiede. Regionale Unterschiede manifestieren sich insbesondere in Form eines ausgeprägten Ost-West-Gefälles, das außerdem mit zunehmendem Lebensalter ansteigt. Menschen, die in sozial benachteiligten Regionen leben, leiden sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland vermehrt unter Multimorbidität. Auch hier zeigt sich ein Ost-West-Gefälle.

Bei den Erkrankungen wiesen im Jahr 2024 Hypertonie (53 Prozent), Fettstoffwechselstörungen (34 Prozent), Osteoporose (25 Prozent) und Erkrankungen der Schilddrüse (24 Prozent) jeweils die höchste Prävalenz auf. Angststörungen wiesen die stärkste relative Zunahme auf (plus 37 Prozent), gefolgt von chronischer Nierenkrankheit und Vorhofflimmern. Rückläufig zeigten sich hingegen Parkinson, Demenz und KHK.

Bei den 50- bis 59-Jährigen waren Frauen nach Hypertonie am häufigsten von Schilddrüsenerkrankungen betroffen, gefolgt von Depression, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose und Adipositas. Bei den Männern rangierten Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Depression und Adipositas auf den Rängen nach Hypertonie.

Die Folgen des demografischen Wandels, der mit einer zunehmenden Anzahl älterer, multimorbider Menschen einhergeht, wird das Gesundheitssystem zunehmend vor Herausforderungen stellen. So werden die Behandlungen komplexer und bedürfen verstärkt einer koordinierten Versorgung bei gleichzeitig steigenden Kosten, schreibt die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer Pressemitteilung. Dem steht auf individueller Ebene eine reduzierte Lebensqualität bei gleichzeitig erhöhter Sterblichkeit gegenüber.

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