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Expopharm Impuls

Moderne Migräneprophylaxe

CGRP-Inhibitoren in Theorie und Praxis – unter anderem darüber informierten zwei Impulsvorträge mit anschließender Diskussionsrunde auf der Expopharm Impuls. Moderator war Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt am Main.
Maria Pues
09.10.2020  15:30 Uhr

Monoklonale Antikörper gegen den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Rezeptor (Erenumab) oder gegen CGRP (Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab) spielen in der modernen Migräneprophylaxe eine zentrale Rolle. In der aktuellen Migräne-Leitlinie vom Januar 2018 finden sie sich noch nicht. Daten und Empfehlungen zu deren Einsatz seien jedoch in einem Addendum vom Dezember 2019 zusammengefasst und würden bei der nächsten Überarbeitung der Leitlinie integriert, informierte Privatdozent Dr. Charly Gaul von der Migräne-Klinik Königstein.

»Bis sie zum Einsatz kommen dürfen, müssten derzeit andere Möglichkeiten erfolglos versucht worden sein«, sagte Dr. Reiner Czaniera von Novartis Pharma. Zu diesen gehören unter anderem bestimmte Betablocker oder das Antikonvulsivum Topiramat. Erst wenn sie wegen unzureichender Wirkung oder wegen Nebenwirkungen nicht infrage kämen, dürfe ein CGRP-Hemmer eingesetzt werden. Das sei jedoch wahrscheinlich eine vorläufige Regelung und der derzeit noch begrenzten Datenmenge zu den neuen Arzneimitteln geschuldet, so Czaniera. Gaul wies darauf hin, dass langjährige Migränepatienten oft schon etliche verschiedene Prophylaxe-Möglichkeiten versucht hätten – auch mit Erfolg. »Nicht jeder Patient benötigt einen CGRP-Hemmer«, betonte der Neurologe.

Er wies auch auf offene Fragen in der Anwendung hin. So sprächen manche Patienten besser auf einen Rezeptor-Antikörper an, andere auf einen Liganden-Antikörper. Der Grund hierfür sei bisher nicht bekannt. Wichtig sei, dass bei Patienten mit häufigen Attacken überhaupt eine Migräneprophylaxe begonnen werde. Hier komme den Apotheken in Sachen Aufklärung eine wichtige Rolle zu, so die übereinstimmende Ansicht in der Runde.

Dass die Arzneimittel gespritzt werden müssten, stelle keine Hemmschwelle dar. Die Pens könnten von den Patienten nach einer entsprechenden Unterweisung meist problemlos angewendet werden. »Wichtig ist der Hinweis auf die korrekte Lagerung«, sagte Apothekerin Dr. Nadja Tafferner von der Gesund-Leben-Apotheke am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Alle Antikörper-Präparate müssten im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C gelagert werden. Sie unterschieden sich jedoch in dem Zeitraum, für den eine Lagerung außerhalb des Kühlschranks erlaubt ist.

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