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Sepsis-Diagnose

Mit Bluttest kann man Zeit sparen

Ein direkter Bluttest zum Nachweis von Sepsis-verursachenden Bakterien erweist sich in der Diagnose von Blutvergiftungen im Vergleich zur Standardmethode als zeitsparende Alternative. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler der Universität in Pittsburgh in einer prospektiven Studie herausgefunden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal »Annals of Internal Medicine«.
Michelle Haß
15.05.2019
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Das Team um Dr. M. Hong Nguyen untersuchte 1427 Blutproben von Krankenhaus-Patienten auf Sepsis-verursachende Bakterien. Dabei verglichen sie die Testergebnisse von Blutkulturen, dem derzeitigen Diagnose-Standard, mit Resultaten eines direkten Bluttests, dem sogenannten T2Bacteria® Panel. Dieser wurde bereits letztes Jahr von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassen und ermöglicht den Nachweis der fünf gängigsten Krankenhauskeime, den sogenannten ESKAPE-Bakterien (Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa und Escherichia coli).

Der Nachweis von Bakterien mittels Blutkulturen dauerte durchschnittlich zwischen 38,5 und 71,7 Stunden. Im Vergleich dazu lieferte der T2Bacteria® Test bereits innerhalb von 3,61 und 7,70 Stunden zuverlässige Resultate. Er wies eine Sensitivität und Spezifität von 89,7 beziehungsweise 89,5 Prozent auf. Unter allen negativen Ergebnissen des Bluttests waren 99,7 Prozent richtig negativ. Bei 10 Prozent der Proben wurden mittels Blutkultur keine Bakterien nachgewiesen, während der T2Bacteria® Test positiv ausfiel. Hiervon waren 60 Prozent der Ergebnisse mit einer wahrscheinlichen oder möglichen Blutvergiftung assoziiert.

Das Forscher-Team schlussfolgert, dass mit der Anwendung eines direkten Bluttests wie dem T2Bacteria® Panel gegebenenfalls früher mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden könne. »Die rechtzeitige Anwendung einer angemessenen Behandlung kann unter anderem dazu beitragen, die Krankenhauskosten zu senken, indem beispielsweise die Verweildauer verkürzt wird. Dies ist ein weiterer zusätzlicher Vorteil dieser Technologie«, erklärte Erstautor Nguyen in einer Pressemitteilung.

Dr. David A. Weinrib und Dr. Gerald A. Capraro vom Atrium Health Medical Center in North Carolina betonen in einem begleitenden Editorial jedoch, dass der tatsächliche klinische Benefit wie eine verbesserte Prognose des Patienten oder eine Kostensenkung erst durch weitere Studien gezeigt werden müsse.

DOI: 10.7326/M18-2772
DOI: 10.7326/M19-0971

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