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Trotz Gebrechen

Menschen über 80 bewerten ihr Leben positiv

Die Gesundheit wird schlechter, die Geisteskraft lässt nach, Pflege ist nötig und man denkt an den Tod - das Alter wird oft mit negativen Aspekten verbunden. Fragt man Hochaltrige, sind die Antworten dennoch überraschend.
21.09.2018
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Die meisten Menschen über 80 sind trotz aller Einschränkungen und Gebrechen mit ihrem Leben zufrieden. Die Zufriedenheit lässt aber nach, wenn die Menschen die 90 Jahre überschritten haben, wie Forscher der Universität Köln in der nach ihren Angaben bundesweit ersten repräsentativen Studie zur Lebensqualität der Generation «80+» feststellten. Befragt wurden 1800 Hochaltrige in Nordrhein-Westfalen in rund 90-minütigen Gesprächen.

Insgesamt äußerten sich 86 Prozent zufrieden mit ihrem Leben. Dass die sehr alten Menschen ihr Leben so positiv sehen, habe sie so nicht erwartet, sagte die Kölner Gerontologie-Professorin Dr. Susanne Zank. Überrascht habe die Forscher andererseits aber auch, dass immerhin jeder vierte Befragte über Schmerzen klagte. Ein Viertel berichtete zudem über Symptome von Depressivität. Dass die Studie dennoch insgesamt auf eine große Zufriedenheit der Generation 80+ hinweist, liegt nach Einschätzung der Forscher unter anderem daran, dass es sich um die Kriegsgeneration handelt, die schon in der Jugend schwierige Situationen zu bewältigen hatte.

Professor Dr. Susanne Woppen, Medizinethikerin und Direktorin des Kölner interdisziplinären ceres-Instituts, vermutet zudem, dass die Hochaltrigen ihr Leben eher bilanzierend betrachteten. So zeigten sich neun von zehn Befragten mit ihrer Vergangenheit im Reinen. «Das lässt sich mit einem möglichen Verlust an Lebensfreude durchaus verbinden.» «Licht und Schatten» sieht Gerontologin Zank bei den Befunden. Und der Schatten falle vor allem auf die über 90-Jährigen. Je mehr Krankheiten da seien, desto geringer werde die Lebenszufriedenheit. Dennoch beschreiben immerhin 60 Prozent der Befragten ihre Gesundheit als gut.

Auf der Positivseite verbuchen die Forscher auch, dass das Leben in der Privatwohnung bis ins höchste Alter der Regelfall sei. Mehr als die Hälfte der Hochaltrigen sei verwitwet; viermal mehr Frauen als Männer. Doch nur 6 Prozent fühlen sich einsam. Die Einsamkeit wird allerdings bei Menschen in vollstationärer Pflege stärker. Sehr alte Menschen haben laut Studie im Schnitt sechs wichtige Kontaktpersonen. Zum engeren sozialen Umkreis gehören vor allem die Kinder, Enkelkinder und Partner. Wenig überraschend: Je älter man wird, umso weniger Sozialkontakte hat man. 

Die negativen Aspekte: Fast 60 Prozent der sehr alten Menschen haben das Gefühl, dass sie von der Gesellschaft nicht gebraucht werden. Rund 15 Prozent der Befragten waren armutsgefährdet und hatten ein Einkommen von unter 1000 Euro im Monat. Dabei verfügen die über 90-Jährigen über deutlich weniger Geld als jüngere Alte, und hochbetagte Frauen stehen finanziell sehr viel schlechter da als Männer. Zwischen sehr alten Männern und Frauen gibt es weitere Unterschiede. Mit zunehmendem Alter hätten mehr Frauen als Männer Angst vor dem Tod, sagte Woopen. Männer sind der Studie zufolge zudem häufiger aktives Mitglied eines Vereins als Frauen.

Bereits heute zählen sechs Millionen Menschen in der Bundesrepublik zur Bevölkerungsgruppe 80 plus, davon fast eine Million in NRW. Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass die Zahl der Hochaltrigen bis 2050 auf zehn Millionen steigt und damit jeder Achte 80 Jahre und älter sein wird. Auch die zunehmende Zahl an Demenzkranken spiegelt sich in der Studie wieder. So hatte ein Fünftel der Befragten zwischen 80 und 90 kognitive Einschränkungen oder demenzielle Symptome. Bei den Menschen über 90 waren es schon zwei Fünftel. So erklärt es sich auch, dass bei 176 Befragten Stellvertreter antworteten.

Die NRW-Landesregierung unterstützt die Studie mit 1,5 Millionen Euro und will auch 1,8 Millionen für die geplante Folgestudie geben. «Keine andere Bevölkerungsgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten», sagte NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Die Landespolitik werde die Wünsche und Bedürfnisse der sehr alten Menschen stärker in den Blick nehmen. (dpa)

Foto:Fotolia/Hunor Kristo

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