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Stationsapotheker

Mehrwert für Patienten wichtiger als Refinanzierung

Vom flächendeckenden Einsatz von Stationsapothekern sind wir in Deutschland zwar noch weit entfernt. Doch auch außerhalb Niedersachsens arbeiten Krankenhausapotheken daran, enger mit den Ärzten zusammenzuarbeiten.
Daniela Hüttemann
13.11.2018
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Bei allem Streit um die Finanzierung von Stationsapothekern sollte die Sicherheit der Patienten im Mittelpunkt stehen, waren sich die Teilnehmer einer Fortbildungsveranstaltung von ADKA – Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) am Montag in Hamburg einig. ADKA-Präsident Professor Frank Dörje freute sich, dass die Entwicklung nach ersten Projekten in den 1990er- und 2000er-Jahren nun auch Dank einer entsprechenden Gesetzesvorgabe in Niedersachsen schneller vorangeht. »Wir müssen die Stationsapotheker in die Fläche bringen.«

Noch ist viel zu tun: Einer Studie aus dem Jahr 2012 zufolge gehört Deutschland mit 0,24 Krankenhausapothekern jeglicher Tätigkeit pro 100 Betten europaweit zum Schlusslicht und steht nur noch vor Bosnien-Herzegowina. Aktuell liegt der Stand in Deutschland bei 0,31 Apothekern pro 100 Betten, während es in Großbritannien 4,37  sind, berichtete Holger Knoth, Leiter der Klinikapotheke des Uniklinikums Dresden, die derzeit die höchste Stationsapothekerdichte in Deutschland hat.

Einer Umfrage der Projektgruppe Stationsapotheker der ADKA aus dem vergangenen Jahr zufolge gibt es bei 84 der 133 teilnehmenden Krankenhausapotheken derzeit im Schnitt 2,4 entsprechende Vollzeitstellen pro Krankenhaus. Nicht einmal jeder dritte klinische Pharmazeut arbeitet auf Station und ist auf den einzelnen Stationen auch nur selten täglich vertreten. Am häufigsten sind Stationsapotheker derzeit in chirurgischen Fachabteilungen und an Unikliniken anzutreffen.

»Mit einer größeren Anzahl von Stationsapothekern könnten wir deutlich mehr zur Patientensicherheit beitragen«, ist Knoth überzeugt. Studien aus anderen Ländern zeigen, dass Liegedauer, Mortalität und Morbidität sinken, wenn Apotheker mit am Krankenbett stehen, allerdings fehlten noch Daten zur Kostenersparnis aus Deutschland. Laut Knoth müsse das Mehr an Sicherheit für den Patienten schwerer wiegen als die aktuelle Streitfrage, wie die Stellen denn nun finanziert werden. Da auch der ambulante Bereich durch die Therapieoptimierung im Krankenhaus profitiere, müssten hier die Krankenkassen eigentlich größeres Interesse zeigen.

»Qualität und Sicherheit dürfen Geld kosten, es kann sich nicht alles selbst refinanzieren«, meldete sich auch Niedersachsens Kammerpräsidentin Magdalene Linz aus dem Publikum. In ihrem Bundesland habe die fachliche Argumentation dazu geführt, dass das Landesparlament einstimmig für das neue Krankenhausgesetz gestimmt habe.

An der Ausbildung und an mangelndem Nachwuchs hapert es den Krankenhausapothekern zufolge jedenfalls nicht. Die jungen Apotheker sind demnach stark an einer klinischen Tätigkeit direkt am Patienten interessiert und bringen ein Grundwissen durch das Prüfungsfach Klinische Pharmazie mit. Die dreijährige Weiterbildung als Fachapotheker für klinische Pharmazie gibt es schon seit Langem. Am Mittwoch wird die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer nun über die darauf aufbauende Weiterbildung »Medikationsmanagement im Krankenhaus« entscheiden.

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