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Nahrungsergänzungsmittel

Mehr Kontrolle, bitte

Bei der Kontrolle von Nahrungsergänzungsmitteln tun sich in Deutschland bedenkliche Sicherheitslücken auf. Darauf hat Evelyn Breitweg-Lehmann, Referatsleiterin beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), beim OTC-Gipfel hingewiesen.
Cornelia Dölger
08.11.2018
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»Das ist eine der großen Baustellen im Lebensmittelrecht«, sagte die Apothekerin am Donnerstag in Düsseldorf. Nahrungsergänzungsmittel gehörten zu den Lebensmitteln, für sie seien also anders als etwa bei Arzneimitteln keine Zulassungs- und Genehmigungsverfahren nötig. So dürften die Mengenangaben auf der Packung von Nahrungsergänzungsmitteln um bis zu 50 Prozent von der tatsächlich enthaltenen Menge abweichen. »Es gibt bei Nahrungsergänzungsmitteln also keinerlei Dosiergenauigkeit«, warnte Breitweg-Lehmann.

Wegen der fehlenden gesetzlichen Regelung seien Apotheker, die Nahrungsergänzungsmittel verkauften, selbst dafür verantwortlich, dass die Produkte sicher sind, betonte die Referentin. Dies zu beurteilen, sei für niemanden eine leichte Aufgabe angesichts von bis zu 10.000 Nahrungsergänzungsmitteln, die pro Jahr in Deutschland entweder neu, aus dem Ausland oder in veränderter Form auf den Markt kämen. Apotheker müssten im Einzelfall nachschauen, um was es sich handelt: ein Arzneimittel? Ein sicheres Lebensmittel? Ein neuartiges Lebensmittel? »Alles nicht geregelt«, kritisierte Breitweg-Lehmann.

Ebenfalls schwierig gestalte sich der Umgang mit im Internet gekauften Nahrungsergänzungsmitteln. Sie versprächen Gesundheit, Schönheit, Leistungssteigerung, könnten aber Risiken bergen – die es auch von behördlicher Seite zu identifizieren gelte. Der Onlinehandel mit Nahrungsergänzungsmitteln wachse stetig, derzeit liege der Anteil bei 26,1 Prozent, Tendenz weiter steigend. »Die Online-Produktkontrolle ist eine wichtige behördliche Herausforderung«, so Breitweg-Lehmann. Etwa mit Hilfe einer beim BVL angesiedelten Zentralstelle solle ein Marktplatz geschaffen werden, der ein ähnliches Niveau an Sicherheit biete wie der konventionelle Bereich. Die Vergabe von Sicherheitssiegeln könne dazu beitragen, ebenso die Information der Öffentlichkeit.

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