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Ruhig bleiben

Mehr Herzinfarkte während Spielen der Fußball-WM

Forscher aus Mainz scheinen auf die verschobene Fußball-EM gewartet zu haben, um ihre Auswertung der Herzinfarktraten in Deutschland während der WM 2014 zu veröffentlichen. Diese war im Vergleich zu Jahren ohne wichtige Sportwettbewerbe tatsächlich erhöht. Für Fußballfans mit kardiovaskulären Risikofaktoren bedeutet das, dass sie vor allem bei Spielen ihrer Nationalelf gelassen bleiben sollten.
Daniela Hüttemann
17.06.2021  18:00 Uhr

Während der Fußballweltmeisterschaft 2014 kam es in Deutschland zu mehr Krankenhauseinlieferungen aufgrund von Herzinfarkten als im gleichen Zeitraum der Jahre davor oder danach, als keine wichtigen Sportbewerbe stattfanden. Das berichten Forscherinnen und Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz heute im Fachjournal »Nature«. Mehr Todesfälle traten allerdings nicht auf – außer während des Finalspiels zwischen Deutschland und Argentinien.

Privatdozent Dr. Karsten Keller und sein Team hatten die Krankenhausaufnahmen und Sterblichkeit aufgrund von Herzinfarkten in Deutschland untersucht. Dazu verglichen sie die Raten während der WM vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 mit den Fallzahlen im Juni/Juli 2013 und 2015 sowie Juli/August 2014, als keine großen Fußballereignisse stattfanden. Das Ergebnis: Während der WM 2014 wurden deutschlandweit 18.479 Menschen aufgrund eines Myokardinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert. Das waren 5,4 Prozent mehr als im Folgemonat, aber auch 2,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 3,7 Prozent mehr als im Nachjahreszeitraum. Keine Unterschiede gab es bei der Rate der im Krankenhaus verstorbenen Patienten oder hinsichtlich der Patientencharakteristika wie kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Komorbiditäten.

Dabei machte es keinen Unterschied, ob die deutsche Nationalmannschaft gerade auf dem Feld stand oder nicht. Allerdings kam es zur höchsten Mortalitätsrate am Tag des Finales (Deutschland gegen Argentinien). In der Behandlung stellten die Wissenschaftler jedoch keinen Unterschied fest zwischen den Tagen mit Spielen der deutschen Nationalmannschaft und den Spieltagen der Konkurrenten.

»Die Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass die erhöhte psychische Belastung durch große, populäre Sportereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen beeinflussen kann«, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung zur wissenschaftlichen Veröffentlichung. Die Autoren schlagen vor, dass ihre Forschungsergebnisse genutzt werden könnten, um Wege zur Planung von Krankenhauskapazitäten in Zeiten von potenziell erhöhtem Stress zu optimieren.

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