Pharmazeutische Zeitung online
AMK
Apps und Programme

Mehr Deutsche vertrauen künstlicher Intelligenz

Die meisten Deutschen halten digitale Hilfen wie Analyse-Apps oder medizinische Prognose-Anwendungen für eine Chance. Das hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben. In der Justiz oder Kindererziehung vertrauen die Bundesbürger aber lieber auf echte Menschen.
Anna Pannen
27.12.2018
Datenschutz bei der PZ

Sie sind seit Jahren auf dem Vormarsch: digitale Programme, die als sogenannte künstliche Intelligenz bezeichnet werden. Von der Suchmaschine über Übersetzungs- und Spracherkennungsprogramme bis hin zu Apps, die medizinische Daten auswerten, werden so all jene Softwareanwendungen bezeichnet, die menschliches Tun ersetzen und optimieren.

Während sich die Menschen vor einigen Jahrzehnten noch vor intelligenten Robotern fürchteten, haben die meisten Bundesbürger auf künstlicher Intelligenz basierende Programme mittlerweile akzeptiert und halten sie sogar für nützlich. Das hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1000 Deutschen jetzt ergeben.

Demnach sagten 62 Prozent der Befragten, dass sie künstliche Intelligenz als Chance sehen. 2017 Jahr hatten noch 48 Prozent der Bundesbürger diese Aussage gemacht. Nur noch 35 Prozent sehen künstliche Intelligenz als Gefahr (2017: 47 Prozent). Der Grund dafür dürfte sein, dass die meisten Menschen Programme, die auf künstlicher Intelligenz basieren, mittlerweile selbst nutzen. Jeder zweite Befragte (54 Prozent) gab an, Sprachassistenten auf dem Smartphone zu verwenden, jeder fünfte (20 Prozent) nutzt digitale Sprachassistenten wie Alexa auch zuhause.

In vielen Bereichen des Lebens finden die Deutschen künstliche Intelligenz nützlich. Etwa, wenn Programme ältere Menschen im Alltag unterstützen, indem sie zum Beispiel Bewegungsmuster erkennen und Gesundheitsdaten überwachen. Das sagten 68 Prozent der Umfrageteilnehmer. Genauso viele finden es gut, wenn Ärzte digitale Anwendungen unterstützend bei der Diagnose und der Therapieauswahl verwenden.

In anderen Bereichen dagegen lehnen die meisten Deutschen die Unterstützung durch künstliche Intelligenz ab, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung (90 Prozent), als Ansprechpartner für einsame Menschen (63 Prozent), in der Lehre (61 Prozent) sowie im militärischen Bereich (57 Prozent). Auch in der Justiz und bei politischen Entscheidungen wollen 55 beziehungsweise 49 Prozent der Bundesbürger lieber nur echte Menschen beteiligt sehen. 54 Prozent sind besorgt, dass in Zukunft derjenige, der künstliche Intelligenz kontrolliert, auch die Menschen kontrolliert.

Bitkom-Chef Achim Berg mahnte im Hinblick auf den letzten Punkt an, Deutschland müsse selbst Produkte entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz beruhen, und sie nicht nur aus anderen Ländern beziehen. »Wir brauchen dafür einen Zeitplan, und zwar einen sehr ehrgeizigen« sagte er. Momentan sind jedes Jahr 500 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zur Entwicklung von Programmen mit künstlicher Intelligenz vorgesehen. Das reiche aber nicht, um Deutschland bei diesem Thema an die Weltspitze zu bringen, so Berg.

Mehr von Avoxa