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Lipödem
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Mehr als dicke Beine

Breite Hüften, »Reiterhosen« und stämmige Beine, aber eine vergleichsweise schlanke Taille – das sind typische Zeichen für ein Lipödem. Etwa jede zehnte Frau leidet unter der Fettverteilungsstörung. Erst seit einigen Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft eingehender mit dieser Erkrankung und ihrer Behandlung.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 26.03.2023  08:00 Uhr

Hautpflege beachten

Die Haut wird beim Lipödem stark beansprucht: Durch das feuchtwarme Klima unter der Kompressionsbekleidung quillt die oberste Hautschicht auf; die ständige Reibung kann sie mechanisch schädigen und die Barrierefunktion beeinträchtigen. Das trocknet die Haut aus. In Hautfalten durch überhängende Fettdepots siedeln sich leicht Pilze oder andere Keime an und an den Oberschenkelinnenseiten bilden sich oft Scheuerstellen.

Ein zusätzliches Lymphödem verschärft die Problematik. Weil die lokale Immunabwehr beeinträchtigt ist, besteht schon bei kleinsten Hautverletzungen die Gefahr einer Wundinfektion.

Bei der vorbeugenden Hautpflege kann das Apothekenteam beratend unterstützen. So bieten sich zur Hautreinigung pH-neutrale Syndets an, die den Säureschutzmantel nicht angreifen. Pflegeprodukte sollten parfümfrei und rückfettend sein. Bewährt hat sich beispielsweise der Zusatz von Urea (Harnstoff). Wichtig ist, dass die Creme komplett eingezogen ist, bevor die Frau die Kompressionsbekleidung anzieht, denn ein eventuell verbleibender Fettfilm könnte das Material schädigen. Lotionen mit einem hohen Ölanteil eignen sich daher besser für die abendliche Anwendung.

Für kleine Hautverletzungen sollte die Patientin immer eine desinfizierende Salbe oder Tinktur zur Hand haben.

Diuretika wirken kontraproduktiv

»Medikamente spielen in der Lipödem-Therapie keine Rolle«, betont die Leitlinienkoordinatorin. Auch für eine medikamentöse Schmerztherapie gebe es keine Evidenz. Vielmehr sollten Ärzte und Apotheker darauf achten, dass die Patientinnen möglichst keine Arzneimittel erhalten, die mit Gewichtszunahme und Ödembildung assoziiert sind, beispielsweise einige Antidepressiva, Antipsychotika, Glucocorticoide oder Antidiabetika. Auch hormonelle Verhütungsmethoden oder eine menopausale Hormontherapie verstärken die Beschwerden oft.

Insbesondere warnt Faerber vor dem Einsatz von Diuretika. »Durch eine Gegenreaktion nach dem Absetzen verstärken sie das Lipödem.« Leider sei ein Abusus von Entwässerungsmitteln relativ weit verbreitet. Dann müsse die Dosis langsam reduziert werden.

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