Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Lipödem
-
Mehr als dicke Beine

Breite Hüften, »Reiterhosen« und stämmige Beine, aber eine vergleichsweise schlanke Taille – das sind typische Zeichen für ein Lipödem. Etwa jede zehnte Frau leidet unter der Fettverteilungsstörung. Erst seit einigen Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft eingehender mit dieser Erkrankung und ihrer Behandlung.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 26.03.2023  08:00 Uhr

Hoher Stellenwert der Ernährung

In der aktualisierten Leitlinie werde dem Thema Gewichtsmanagement und Ernährung deutlich mehr Raum als bisher gegeben, sagt die Koordinatorin. »Bei gleichzeitiger Adipositas lautet die Empfehlung auf jeden Fall abzunehmen.« Darüber hinaus könne die richtige Ernährung nicht nur das Gewicht, sondern auch die Symptomatik reduzieren. Als besonders geeignet hebt sie die mediterrane und die ketogene Ernährung hervor.

Gut untersucht sind die gesundheitsfördernden Effekte der Mittelmeerdiät, die vor allem viel frisches Gemüse, Fisch und ungesättigte Fettsäuren, aber wenig Fleisch beinhaltet. Sie wirkt nachweislich antientzündlich und verbessert den Lipidspiegel, den Glucosestoffwechsel und die Insulinresistenz.

Noch mehr profitieren Lipödem-Patientinnen – egal ob übergewichtig oder nicht – nach Faerbers Erfahrungen von einer ketogenen Ernährung, die entzündungshemmende, schmerzstillende und gewichtsreduzierende Effekte haben kann. Diese Ernährungsform zeichnet sich durch eine starke Einschränkung der Kohlenhydrate und einen vergleichsweise hohen Eiweißanteil aus. Bei einer sehr niedrigen Kohlenhydratzufuhr nutzt der Organismus seine Fettreserven zur Energiebereitstellung: Triglyzeride aus den Fettzellen werden in kurzkettige Fettsäuren, sogenannte Ketonkörper, umgewandelt. Dieser als Ketose bezeichnete Stoffwechselweg reduziert Entzündungsmarker im Blut, vermeidet Glucose- und Insulinspitzen und verbessert die Ausscheidung von Wasser und Natrium.

Einzelne kleinere Studien weisen darauf hin, dass eine ketogene proteinoptimierte Diät beim Lipödem das Unterhautfettgewebe, den Beinumfang und die Beschwerden deutlich reduzieren kann. »Auch Intervallfasten scheint nicht nur das Gewicht und die Insulinsensitivität günstig zu beeinflussen, sondern auch antiinflammatorische Effekte zu haben«, erklärt die Stoffwechselspezialistin.

Eine bariatrische Operation, also eine Magenverkleinerung, führe bei adipösen Frauen zwar ebenfalls zur Gewichtsabnahme, ändere aber in der Regel nichts an den Beschwerden – es sei denn, die Patientin stellt ihre Ernährung entsprechend um.

Unterstützt wird das Abnehmen durch körperliche Bewegung. Empfehlenswert sind besonders Sportarten im Wasser, zum Beispiel Aqua-Jogging, Aqua-Cycling und natürlich Schwimmen. Durch den Auftrieb werden die Gelenke entlastet; zusätzlich wirkt sich der Wasserdruck offenbar positiv auf die Beschwerden aus.

Mehr von Avoxa