Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Apotheken-Wirtschaftsbericht
-
Mehr als 900.000 pDL erbracht

Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) in Apotheken sind politisch gewollt und sollen mit der aktuellen Reform noch ausgebaut werden. Der pDL-Topf weckt gleichzeitig Begehrlichkeiten, diskutiert wird über die Verwendung nicht abgerufener Mittel. Dabei wächst die Zahl der erbrachten pDL in Apotheken merklich.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 05.05.2026  16:20 Uhr

Wiederholt wird im Zuge der Reform – und der im Koalitionsvertrag verankerten Fixumserhöhung – laut darüber nachgedacht, den pDL-Topf zu plündern, um mit dem Geld die Gegenfinanzierung für das höhere Honorar zumindest anzuschieben. Eine weitere abweichende Verwendungsmöglichkeit schlug Ende März die Finanzkommission Gesundheit vor: Der pDL-Topf solle aufgelöst und die nicht abgerufenen Mittel von aktuell rund 600 Millionen Euro an den Gesundheitsfonds ausgeschüttet werden.

Abgesehen davon, dass eine Umwidmung in andere Zwecke zunächst gesetzlich geregelt werden müsste und allein dadurch der selbst gesteckte Reform-Zeitplan durcheinandergewirbelt würde, belegen aktuelle Zahlen, dass pDL in Apotheken angekommen sind und wachsen. Wie Eckart Bauer, Bereichsleiter Wirtschaft und Soziales bei der ABDA, heute beim DAV-Wirtschaftsforum in Berlin ausführte, hat die Zahl der erbrachten pDL im vergangenen Jahr fast die Millionenmarke geknackt.

Ein Chart befasst sich konkret mit diesen Dienstleistungen. Demnach sind es 904.520 pDL, die in den Apotheken im vergangenen Jahr durchgeführt wurden – ein immenser Sprung im Vergleich zu 2022, dem Jahr der gesetzlichen Einführung: Damals Jahr waren es noch 47.627 Dienstleistungen. 2024 waren es dann 577.063. Die pDL sind seit 2022 gesetzlich verankert. Grundlage ist das Vor‑Ort‑Apotheken‑Stärkungsgesetz (VOASG).

Auch die Zahl der Apotheken, die pDL anbieten, wächst demnach. 2022 waren es noch 3800, 2025 stieg die Zahl auf 9000. 2024 lag sie noch bei 7.900.

Fehlerquote bei Inhalation immens hoch

Die Einweisung in die Inhalationstechnik machte mit 439.658 Durchführungen 2025 den größten Anteil aus. Wie wichtig Apotheken hier als niedrigschwellige Anlaufpunkte sind, legen Studien zu Fehlanwendungen bei der Inhalation nahe – Raten von 50 bis über 90 Prozent sind demnach in der Fachliteratur gut belegt. 

Auf Platz zwei folgt mit 298.976 Durchführungen die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation. Platz drei belegt die pDL »Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck« (162.343 Durchführungen).

Aktuell fließen für jede zu Lasten der Kassen abgegebene Rx-Packung 20 Cent in den pDL-Fonds. Die Regierung plant im Rahmen des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG), diesen Zuschuss in den Fonds für die Erbringung der Notdienste umzuleiten. pDL sollen perspektivisch direkt mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Mit dem ApoVWG sollen die pDL weiterentwickelt und weitere etabliert werden. Den Plänen zufolge sollen pDL künftig auch ärztlich verschrieben werden können.

Die ABDA unterstützt die Apothekenteams dabei, mehr pDL anzubieten, etwa mit Schulungs- und Informationsmaterialien, die den Apothekenteams die Ansprache der Patientinnen und Patienten erleichtern sollen. Außerdem gibt es Schulungsvideos, Experten-Podcasts, Workshops bei wissenschaftlichen Kongressen und umfangreiches Werbematerial.

Mehr von Avoxa