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Apothekendemo in Düsseldorf
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Mehr als 10.000 Protestierende 

Wenn politische Entscheider und Entscheiderinnen bis jetzt noch nicht verstanden haben, warum Apotheken dringend zukunftsfähig gestärkt werden müssen – spätestens seit dem Apothekenprotesttag heute muss es wirklich jedem Menschen ohne jeden Zweifel klar geworden sein. Das ist das Fazit vom Apothekenprotest in Düsseldorf. Über 10.000 Menschen kamen aus drei Bundesländern.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 23.03.2026  15:18 Uhr

Den Menschen auf dem Burgplatz in Düsseldorf ist anzumerken, dass sie ihren Protest für das Überleben der Apotheken mehr als ernst meinen. Es geht darum, dass die Bevölkerung weiterhin ordnungsgemäß mit Arzneimitteln versorgt werden kann. Nach launiger Einleitung durch den moderierenden Sebastian Berges, stellvertretender Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), sprach ABDA-Präsident Thomas Preis den Apothekenteams aus der Seele: »Heute zeigen wir, was unseren Berufsstand ausmacht: Zusammenhalt, Stärke, Solidatität! Ihr seid aus ganz Nordrhein-Westfalen, aus  Hessen und Rheinlandpfalz so zahlreich gekommen, das ist ein überwältigendes Bild, ein starkes Zeichen unseres Berufsstandes.« Gleichzeitg stünden tausende Kollegen in Hannover, München und Berlin auf den zentralen Plätzen und »kämpfen für das, was uns jahrzehntelang vorenthalten wird – eine vernünftige Honorierung«. Ebenso solidarisch wie sich Apothekenteams heute versammelten, verließen sich auch die Menschen in diesem Land auf ihre Apotheken. Deshalb sei es wichtig, dass der Koalitionsvertrag die Apotheke vor Ort stärke und ihr mehr Verantwortung zuteil kommen lassen wolle.

»Deshalb ist es sonnenklar, wir brauchen endlich eine faire Vergütung«, rief Preis. Seit über 20 Jahren herrsche Stillstand. »Wir fragen die Menschen in unserem Land: Wer kann mit einem Einkommen, einer Rente leben, die sich seit 20 Jahren nicht erhöht haben?« Der ABDA-Präsident plädierte an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU): »Handeln sie jetzt ! Deshalb sagen wir ganz klar, stehen Sie weiter zu Ihren klaren und deutlichen Worten und setzen Sie die Erhöhung des Fixums um!«

Es geht um die Zukunft des Berufs

Preis betonte, es gehe um noch mehr als um Geld. »Es geht um die Zukunft unseres Berufes als frei- und heilberufliche Apotheken, die für die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung in unserem Land unersetzbar sind.« Dafür steht laut Preis auch fest, dass es keine Apotheken ohne Apothekerinnen und Apotheker geben darf. »Dort, wo Apotheke draufsteht, muss auch eine Apothekerin oder ein Apotheker drin sein!« Der ABDA-Präsident nannte das auch ein Grundrecht der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, weil es um deren Sicherheit bei der Anwendung von Arzneimitteln ginge.

Der Idee der Politik, PTA sollten Apothekenleitende unter bestimmten Voraussetzungen vertreten können, erteilte Preis eine klare Absage: »Wir sind auch mit dem Bvpta einig und sagen ganz deutlich Ja zur Weiterqualifizierung für PTA und ein klares Nein zur Vertretung durch PTA. Das muss ersatzlos gestrichen werden.«

Ein weiterer, entscheidender Punkt bei den Beratungen zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sei, dass es starke, voll einsatzfähige Apotheken brauche und keine abgespeckten Modelle, etwa ohne Labor. Das Labor sei kein historisches Relikt, sondern unverzichtbarer Teil einer modernen und resilienten Arzneimittelversorgung. »Hat denn die Politik alles aus der Pandemie vergessen? Wer hat Desinfektionsmittel hergestellt? Fieber- und Antibiotikasäfte, weil die Pharmaindsutrie dem nicht mehr nachkommen konnte? Das waren wir mit unseren ApothekenteamsPreis wies darauf hin, dass es in geopolitisch unsicheren Zeiten umso wesentlicher sei, dass es stabile Apotheken gebe.

Mehr als 100.000 Unterschriften

Dass Apothekenteams in der Bevölkerung breiten Rückhalt finden, zeigt der Erfolg einer von der ABDA initiierten Online-Petition: Binnen fünf Wochen haben beinahe 100.000 Menschen unterzeichnet. »Das ist ein klarer Auftrag an die Politik: Handeln Sie jetzt und unverzüglich!«, schloss Preis.

Thorsten Klute (SPD), gesundheits- und pflegepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, kam als nächster Redner auf die Bühne. Weil er seine Aussagen in Teilen nicht konkretisieren konnte, wurden seine Worte auch von Missbilligung der Protestierenden begleitet. Klute sagte, das Fixum werde kommen, der Koalitionsvertrag umgesetzt. Es sei wichtig, dass Gesundheit in Nordrhein-Westfalen weiterhin ein führendes Thema bleibe. Besondere Sorge treibe ihn um, wenn er an die Versorgung der Menschen im Land denke.

Marco Schmitz, CDU, Sprecher des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW sagte, Anfang des Monats März hätte man bestätigt, das Fixum werde im Rahmen einer Verordnung erhöht. »Sie müssen den Druck aufrechterhalten, damit auch im Bund klar ist, dass das umgesetzt werden muss«, schloss Schmitz.  

Weit mehr als eine Lücke

Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), betonte einen weiteren Aspekt: »Wenn wir über Flächendeckung sprechen, dann sprechen wir über die Versorgung von Menschen. Das dürfen wir doch nicht vergessen. In NRW habe es mittlerweile weniger als 2000 Apotheken, der Rückgang sei besorgniserregend, auch vor dem Hintergrund, dass 80 Prozent der Kommunen in NRW nur noch eine Apotheke hätten. »Das ist keine Lücke, sondern ein ausgewachsenes Versorgungsproblem. Wir erleben einen demografischen Wandel, haben eine Vielzahl von Patienten zu versorgen, die Ärztezahlen sind rückläufig, oft sind die Apotheken die einzige Anlaufstelle in Sachen Gesundheit«. Deshalb sei es auch so wichtig, dass jetzt die versprochende Fixumserhöhung komme.

Thomas Rochell, Vorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), machte anhand einiger Rechenbeispiele unter Einbeziehung von Tariferhöhungen und Steigerungen des Mindestlohns deutlich, dass die Rechnung der Politik überhaupt nicht aufginge, denn selbstverständlich müsse und wolle man auch PTA und PKA leistungsgerecht und konkurrenzfähig bezahlen. »Liebe Politik, es wird allerallerhöchste Zeit und zwar jetzt!«, endete Rochell.

Hannes Müller, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) und im ABDA-Vorstand, ging auf die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) ein. Die Politik verkaufe die Ausweitung der pDL gerne als Geschenk, aber »ich will es deutlich sagen: Die Gesellschaft braucht diese Dienstleistungen. Wir haben ein riesengroßes Präventionsdefizit.« Um das zu bewältigen, brauchten Apotheken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. »Und von was sollen wir die bezahlen?« Der Präsident der Landesapothekerkammer Hessen, Christian Ude, und Jan Henning Keller, erweiterter Vorstand des Landesapothekerverbands Rheinland-Pfalz, plädierten wie ihre Vorredner an die politisch Verantwortlichen, jetzt und ohne weitere Verzögerung zu handeln.

Sicherheit für chronisch kranke Menschen

Die Vertreter der Apotheken-Großhändler Sanacorp, Patrick Neuss, und Noweda, Dr. Michael Kuck, betonten energisch und engagiert, sie stünden voll und ganz auf Seiten der Apotheken vor Ort, bekämen täglich deren hohen Einsatz für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung mit. Die Apotheken seien das Rückgrat der häuslichen Gesundheitsversorgung und würden seit Jahren wirtschaftlich ausgehöhlt. »Wenn diejenigen, die stets leise sind und zuverlässig Ihren Dienst am Menschen tun, laut werden und wie Sie heute protestieren, dann zeigt das, wie ernst die Lage wirklich ist«, so Kuck.

Gegen Ende der Veranstaltung sprach Sabine Härter, Deutsche Diabetes Hilfe, für die große und immer größer werdende Gruppe der chronisch kranken Menschen: »Eine Apotheke, die stirbt, macht mir immer mehr Angst davor, dass ich sterbe, weil ich kein Insulin mehr bekomme in der Zeit, in der ich es brauche. Wir brauchen die Apotheke, denn wir brauchen Beratung, Sicherheit, Arzneimittel-Therapiesicherheit. Ohne die Apotheken ist das völlig undenkbar«.

ABDA-Präsident Thomas Preis schloss die Protestveranstaltung mit den Worten: »Wir hoffen sehr, dass Du, Sebastian Berges, nie mehr eine solche Protestveranstaltung moderieren musst, dass das erfolgreich ist, was wir machen!«

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