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Zukunftsperspektiven

Markt ändert sich, Apotheken bleiben

Digitale Gesundheitsportale werden in Zukunft immer wichtiger, meint Gesundheitsökonom Professor Dr. David Matusiewicz. Die Apotheken vor Ort werden bleiben, aber mit anderen Rollen.
Daniela Hüttemann
11.06.2021  07:00 Uhr

»Nostalgisch gesehen war die Apotheke immer ein Wohlfühlort. Die Apotheken heute und morgen wirken nüchterner, aber der Faktor Mensch bleibt im Mittelpunkt«, meint Dr. David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule Essen. Der Weg des Patienten von seinen Beschwerden über den Arzt in die Apotheke werde immer digitaler, prophezeite der Gesundheitsökonom beim Online-Wirtschaftskonferenz des Deutschen Apothekerverbands (DAV) am Donnerstag. Daher müsse auch die Apotheke in der digitalen Welt noch präsenter werden.

»Man kann die Zäune um seine Apotheke so groß bauen, wie man will – was draußen in der globalisierten und digitalisierten Welt passiert, wirkt sich auch auf die Apotheke aus«, mahnte Matusiewicz mit Blick auf Megatrends wie Online-Shopping, Big Data und digitale Kommunikation. Überall würden sich Plattform-Lösungen durchsetzen, die verschiedene Anbieter mit den Kunden beziehungsweise im Fall von Gesundheitsportalen Patienten zusammen bringen. »Der Patient wird zu Hause krank und recherchiert vielleicht erst einmal seine Symptome im Internet. Und er will auch zu Hause wieder gesund werden«, so Matusiewicz. Logisch wäre da eine Videosprechstunde. Die anschließende elektronische Verordnung kann dann online bei einer Apotheke der Wahl eingelöst und von dieser geliefert werden, so die künftige Vorstellung der Patienten. Der Referent riet, dass sich auch die Apotheken untereinander über Plattformen stärker vernetzen sollten.

Doch nicht nur in der Distribution und Kommunikation werde die Apotheke digitaler. »Es wird zunehmend digitale Therapeutika geben, wie Apps auf Rezept«, glaubt Matusiewicz. »Die Aufgaben der Apotheken werden sich noch stärker als bisher ändern.« Als aktuelles Beispiel nannte er die Ausstellung der digitalen Covid-19-Impfnachweise als neue Dienstleistung. Er kann sich auch die Nutzung künstlicher Intelligenz, Roboter und Chatbots in der Apotheke vorstellen, mehr Telepharmazie, digitales Rezeptmanagement oder eine individualisierte Pharmakotherapie anhand des genetischen Profils.

Nicht vergessen dürfe man, dass der Apotheker selbst ein »Wirkstoff« sei, der durch seine Beratung und Betreuung die Arzneimitteltherapie verbessert – damit ist und bleibt der Beruf #unverzichtbar. Dabei sollten die Pharmazeuten »beyond the pill and around the customer«, also über das Arzneimittel hinaus und um den Kunden herum denken. »Die Apotheke vor Ort wird bleiben«, ist sich Matusiewicz sicher. »Aber mit anderen Rollen und digitalen Ablegern.«

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